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Donnerstag, 12.06.2008
Informatik hat ein schlechtes Image in der Schweiz

Nur 3 Prozent der Schweizer Schülerinnen und Schüler planen ein Informatikstudium. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung und auch von Gymnasiasten und Lehrpersonen ist der Auffassung, dass es in der Informatik um die Anwendung von Programmen geht.
 
Die Hasler-Stiftung hat eine umfassende repräsentative Studie über "das Image der Informatik in der Schweiz" durchführen lassen. Die im Rahmen des Förderprogramms FIT von Rütter + Partner erstellte Imagestudie kommt zum Schluss, dass das Bild der Informatik bei Lernenden und Lehrpersonen in Gymnasien sowie in der breiten Öffentlichkeit durch den Umgang mit PC, Handy, Internet und dergleichen geprägt ist und weitgehend lediglich mit Anwenderfähigkeiten gleichgesetzt wird. Diese Vorstellung sei genau so richtig, wie wenn man unter Physik die Fähigkeit, ein Auto zu steuern, verstehen würde, heisst es in der Studie.
 
Zudem hinke das Image des Informatikberufs demjenigen von anderen Berufen wie Ökonom, Medizinerin oder Jurist nach. Bei Schülern zeigt sich ein enttäuschendes Bild der Informatik: Nur 3 Prozent der Befragten planen ein Informatikstudium. Zum Vergleich: Für Sportwissenschaften interessieren sich in etwa gleich viele. Beide Berufsbilder sind also offenbar negativ behaftet.
 
Obligatorischer Unterricht ungenügend
Die oben erwähnte, verzerrte Wahrnehmung der Informatik habe auch damit zu tun, dass die Inhalte des Informatik-Unterrichts in der Schweiz nicht der Informatik im Sinne der Wissenschaft entsprechen, heisst es in der Studie. Vor allem der flächendeckende obligatorische Informatik-Unterricht vermittle überwiegend Anwendungswissen. Programmieren und Algorithmik etwa werden häufiger im Wahlfach Informatik gelehrt, das aber nur 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler besuchen. Immerhin die Hälfte der Bevölkerung, der Schüler und Lehrpersonen erkennen die Informatik als Grundlagen- und als Ingenieurwissenschaft.
 
Gemäss der Studie ist das Interesse an Informatik vorhanden. Eine klare Mehrheit von 70 Prozent der Schüler interessiert sich dafür, etwas über IT zu lernen. Allerdings interessieren sich nach wie vor Mädchen deutlich weniger für Informatik als Knaben.
 
Grosse Bedeutung für die Wirtschaft
Eine grosse Mehrheit anerkennt zudem, dass die Informatik eine grosse Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft hat und Informatikkompetenz ein Wettbewerbsfaktor für alle Branchen ist. Die Bedeutung der Informatik wird für die Branchen Forschung und Entwicklung sowie Banken und Versicherungen am höchsten eingeschätzt.
 
Rütter + Partner hat von Januar bis Februar 1100 Schülerinnen und Schüler der Schulstufen 9./10. und 11./12., 800 Lehrpersonen und 1000 Leute aus der Bevölkerung (750 Deutschschweiz, 250 Romandie) befragt. Die Studie, die im Drei-Jahres-Rhythmus wiederholt werden soll, kann hier heruntergeladen werden. (Maurizio Minetti)
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Kommentare:
Andrea Kennel 14.06.2008 17:04 Die erwähnte Studie bestätigt leider die Befürchtung, dass Informatik in der Bevölkerung viel zu wenig bekannt ist oder mit Informatik-Anwendung auf dem PC verwechselt wird.
Wie aber kann man Schülern und Schülerinnen zeigen, was Informatik wirklich ist? Wie erklärt man Informatik?
Immer wieder wird versucht zu erklären, wie Informatikerinnen und Informatiker arbeiten, dass sie zuerst etwas auf Papier entwerfen und dann mit dem Computer umsetzen. Doch das ist schlicht nicht verständlich.
Andere Fachgebiete versuchen sich über den Alltag zu erklären. So sieht man im Alltag verschiedene physikalische Phänomene, an denen man Physik erklären kann. Das ist auch in der Informatik möglich. Viele Menschen und auch Jugendliche haben täglich mit Informatik zu tun. Sei es, dass sie via Internet kommunizieren, einen Song herunter laden, iPod hören, ein Ticket für Madonna bestellen usw.
Im Zusammenhang mit dem Jahr der Informatik ist daher ein Film gedreht worden, der die Informatik mehr aus dem Alltag heraus zeigt und damit auch aufzeigt, wie spannend und kreativ Informatik sein kann. Den Film kann man unter http://www.informatica08.ch/de/magazine/article/dokumentarfilm_.html auf dem WEB ansehen oder gleich bestellen unter dvd(at)infokennel.ch.
 
Dr. Andrea Kennel, Initiantin des Filmes und Mitglied von informatica08
Raffaele Alberti 18.06.2008 13:07 Guten Tag....
 
Nun es verwundert mich nicht, dass man ein mulmiges Gefühl bekommt und junge Menschen lieber einen anderen Beruf wählen.
 
Ich bin einer von mehreren, die als sogenannte Quereinsteiger gelten, und als PC-Techniker in einem Mega-Shop und später Stv, etc… Filialleiter Jobs und Ausbildungen gemacht haben. Trotz Weiterbildung wie PC-Supporter, CompTiA A+ und N+ man hat dennoch fast keine Chancen, eine Stelle zu finden.
 
Ich bin eine Art Hardware- und Software-Supporter: Installieren und Konfigurieren macht mir Spass. Ich will nicht Projekte entwickeln oder in die Richtung einer Ausbildung gehen, wie es heute die Informatik-Lehre ist.
 
Wenn Kollegen und aber auch ich schon viel Geld für Weiterbildungen ausgeben und man bei Arbeitgeber dennoch keine Chance bekommt, sein Wissen zu zeigen und sich einzuarbeiten, sprich sich in der IT zu entwickeln, dann glaube ich gerne, dass die heutigen Jungen das nicht tun werden.
 
Wir sind noch mit C 64/ 128, Amigas 500/1000/2000 und denn ersten 286 / 386 / 486 PCs aufgewachsen, (Win 3.1, W95a,b,c 98,SE,NT4,w2000,ME,XP,Vista etc...). Nächtelanges Pröbeln war für uns normal… und ein Strahlen in denn Augen, wenn dann alles richtig lief nach dem installieren oder konfigurieren… Mit grossem Einsatz und viel Geld haben wir Weiterbildungen besucht, um das Hobby zum Beruf zu machen.
 
Und heute ist es immer noch ein Mega Krampf… überhaupt als IT-Supporter angestellt zu werden obwohl es extrem viele offene Stellen hat.
 
Also ich verstehe die Jungen, es ist besser einen Beruf zu lernen der bodenständiger ist und eher Sicherheit bietet.
 
Uns Supporter droht man mit Outsourcing und indischen Informatikern. Wir müssen fast alles können und das Wissen von teilweise zwei bis drei Fachleuten aufweisen. Wir haben sehr lange Arbeitszeiten, Lernen auch in der Freizeit, etc. etc… Es ist kein schleck…
Giebel Sven 24.01.2010 13:26 Das wundert mich absolut nicht. Die Programmiererei macht ja auch unkommunikativ und schädigt auf Dauer praktisch alle sozialen Fähigkeiten. Natürlich gibt es ja auch ein paar andere Tätigkeiten als Programmieren, die man mit einem Informatikstudium ausüben kann, aber da muss man erst mal hinkommen.
 
Nach dem Studium landen die meisten erst mal vor der Kiste und coden 8 Stunden täglich. Wenn ich mir die Jungs dabei so anschau, dann verstehe ich die Schüler und kann nachvollziehen, warum sie kein Interesse an diesem Beruf haben. Ich kann den Schülern nur eines raten: Lernt einen Beruf, der mehr mit dem Leben zu tun hat, als mit irgendwelchen Algorithmen und Programmschleifen. Das macht auf Dauer glücklicher und ihr bleibt ein normaler Mensch.
 
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