"Big Brother Awards": Wieder Krankenkasse im Visier der Datenschützer

"BPO" in der Kritik: CSS gewinnt den "Preis den keiner will" wegen des Outsourcing-Angebots für Absenzenkontrolle.
 
An der Verleihung der "Big Brother Awards 2008", eines satirischen Preises, der an Firmen und Personen geht, die in den Augen der Preisverleiher besonders schwerwiegend gegen Anliegen des Datenschutzes verstossen haben, schwang einmal mehr auch eine Krankenkasse oben aus.
 
Die Krankenkasse CSS "gewann" den Preis in der "Kategorie Arbeitsplatz" für ein klassisches BPO-Angebot (BPO = "Business Process Outsourcing"), nämlich die Übernahme der kompletten Absenzen-Verwaltung von Firmen. "Big Brother Awards" kritisiert, dass CSS krankheitshalber abwesende Mitarbeitende der Kundenfirmen persönlich - erst telefonisch dann zu Hause - kontaktiere. Die CSS stand schon 2006 in der Kritik, weil sie mehreren hundert Mitarbeitenden online Zugriff auf sensible Gesundheitsdaten ihrer Kunden gewährte.
 
In der Kategorie "Business" wurde die Securitas "gekürt". Ihre "Investigation Services" hatte im Auftrag von Kunden kritische Gruppierungen mit geheimdienstlichen Methoden infiltriert. Der "Preis" in der Kategorie Staat ging an die Fachgruppe 9 der Basler Staatsanwaltschaft, die gewählte ParlamentarierInnen als verdächtig an die politische Polizei des Bundes meldete.
 
"Lobende Erwähnungen" gingen an eine Website, die anonyme Beurteilungen von Ärzten veröffentlicht und an den Krankenkassenverband Santésuisse. Er hatte gemäss "Big Brother Award" mit dem Kantonsspital St. Gallen vereinbart, Diagnosen auf Spitalrechnungen im Klartext zu formulieren. (hc)
 
(Bild: Die gemäss "formschönen Preise, die keiner will" bei der Preisverleihung diesen Samstag in Bern. (c) by Big Brother Awards.)