Streit um SAP-Support: Schweizer Kunden graben Kriegsbeil aus

Die "Interessengemeinschaft SAP Wartung CH" macht Ernst: Ihre 25 Mitglieder aus der Schweizer Industrie wollen ab Januar nicht 18,3 Prozent der Lizenzgebühren für Wartung bezahlen, sondern nach wie vor 17 Prozent. Der Vertragsbruch ist ein heikles Unterfangen.
 
Der Streit zwischen SAP und eines grossen Teils der Schweizer Kunden geht in die nächste Runde. Die "Interessengemeinschaft SAP Wartung CH" hat sich dazu entschlossen, ab 1. Januar 2009 weiterhin nur 17 Prozent der Lizenzgebühren für Wartung zu bezahlen. Die neuen Verträge, die SAP eingeführt hat, sehen vor, dass Schweizer Kunden ab Januar 18,3 Prozent der Lizenzgebühren für den Support bezahlen müssen. Die mittlerweile 25 Schweizer Industrie-Firmen, die sich zusammengeschlossen haben, wollen so den Druck erhöhen und SAP dazu zwingen, den günstigeren Support wieder zuzulassen.
 
KMU protestieren
Hintergrund: Der Businesssoftware-Hersteller SAP hatte im vergangenen Juli entschieden, den bisherigen Standard-Support ab 1. Januar 2009 für alle Kunden weltweit abzuschaffen. Diese müssten ab Januar auf den teureren Enterprise-Support wechseln, der aber auch mehr Funktionalitäten bietet. Vor allem in den deutschsprachigen Ländern formierte sich aber insbesondere unter KMU Widerstand, da sie keinen Mehrwert erkennen können und den Preisaufschlag von 30 Prozent bis 2012 nicht schlucken wollen. Mittlerweile ist SAP in Deutschland und Österreich zurückgekrebst. Dort ist es für bestehende Kunden weiterhin möglich, den Standard-Support zu haben. Aus vertraglichen Gründen gibt es diese Wahlmöglichkeit für Schweizer Firmen jedoch nicht.
 
Von der Abschaffung des Standard-Supports sind nicht alle Schweizer SAP-Kunden gleich stark betroffen. Ganz kleine und ganz grosse Unternehmen dürfte zumindest die erste Erhöhung ab 2009 wenig kümmern. Konzerne wie etwa Novartis haben Spezialverträge und Kleinfirmen haben eine kleine Zahl von Lizenzen. Laut der Interessengemeinschaft gibt es hingegen viele verärgerte mittelgrosse Firmen.
 
Einfach nicht bezahlen
An einer Telefonkonferenz sagten heute Vertreter der IG SAP Wartung CH, dass man entschlossen sei, den Druck zu erhöhen. SAP habe sich auch im jüngsten Gespräch nicht bereit gezeigt, auf Forderungen einzugehen. Die Schweizer SAP-Kunden wollen wie jene in Deutschland und Österreich weiterhin die Wahl zwischen zwei verschiedenen Support-Modellen haben. Zwar wird ab 2010 auch der Standard-Support teurer, die Interessenvertreter sind aber der Meinung, dass die Preiserhöhung nicht vergleichbar sein wird mit dem Preisaufschlag durch Enterprise-Support. SAP hat allerdings bisher nicht konkret gesagt, um wie viel der Preis des Standard-Supports in Deutschland und Österreich steigen wird.
 
Die Support-Verträge wurden in der Schweiz automatisch verlängert und auf Enterprise-Support geändert. Das bedeutet, dass alle Schweizer Firmen, die SAP einsetzen, ab Januar 18,3 Prozent der Lizenzgebühren für die Wartung bezahlen müssen. 2010 wären es 19,58 Prozent, 2011 20,95 Prozent und 2012 22 Prozent. Für viele Firmen, die bisher im Rahmen des Standard-Supports 17 Prozent bezahlten, ist das eine happige Preiserhöhung. Die IG ist sich darüber im Klaren, dass es heikel ist, den Aufschlag von 1,3 Prozent per Januar einfach nicht zu bezahlen. Die 25 zum Teil sehr namhaften Unternehmen (die nach eigenen Angaben ein Lizenzvolumen von über 100 Millionen Franken erreichen, aber nicht genannt werden möchten) werden damit Vertragsbruch begehen: "Wir rechnen damit, dass im Februar die ersten Mahnungen eintreffen. Ab März dürften Betreibungen eingeleitet werden." Man habe aber keine Wahl. Den Aufschlag nicht zu bezahlen, sei das einzige Mittel. "Briefe schreiben und reden hat bisher nichts gebracht", sagen die Vertreter. Man wolle so in erster Linie Zeit gewinnen.
 
"SAP ist stur"
"Wir haben den Eindruck erhalten, dass SAP sehr stur ist", so ein Vertreter der IG, der nicht genannt werden möchte. SAP habe klar signalisiert, dass die Schweizer Kunden Enterprise-Support einfach schlucken müssten. Man sei aber immer noch daran interessiert, eine Einigung zu finden: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." In den nächsten Tagen soll es wieder Gespräche geben, heisst es seitens SAP.
 
Eines ist klar: Der Streit hat die Beziehungen zwischen SAP und den KMU in der Schweiz auf die Probe gestellt. "SAP unterschätzt die potenziellen Langzeitschäden", sagt ein Vertreter der IG. Schon heute würden es sich Firmen sehr genau überlegen, ob sie SAP bei künftigen Projekten berücksichtigen sollen oder nicht. (Maurizio Minetti)