Tauwetter zwischen SAP und Schweizer Kunden?

Immerhin: "Ein Schritt in Richtung einer Einigung" im Streit um Support-Gebühren. Doch indessen prüfen die meisten der 45 Mitglieder der "IG SAP Wartung CH" Alternativen zu SAP oder haben sich für solche schon entschieden.
 
Der seit bald einem Jahr schwelende Streit zwischen dem deutschen Softwarekonzern SAP und einem grossen Teil von Schweizer Kunden aus der Industrie (die zusammen ein Lizenzvolumen im dreistelligen Millionenbetrag erreichen) tritt in eine entscheidende Phase. Mittlerweile besteht die letztes Jahr gegründete "Interessengemeinschaft SAP Wartung CH" aus 45 Firmen, wie IG-Vertreter Peter Hartmann mitteilt. Darunter befindet sich auch erstmals ein Westschweizer Unternehmen. Die Zahl der verärgerten Kunden hat sich somit seit Dezember verdoppelt. Und längst nicht jeder verärgerte Kunde ist Mitglied der IG.
 
"Schritt in Richtung einer Einigung"
Die zum Teil börsenkotierten Unternehmen, die nicht genannt werden wollen, wehren sich gegen die im vergangenen Sommer von SAP beschlossene Abschaffung des Standard-Supports und den damit verbundenen obligatorischen Wechsel auf den teureren Enterprise-Support. Sie sehen als KMU darin keinen Mehrwert und fordern Wahlfreiheit bei der Auswahl des Support-Modells. Anfang Jahr schaltete die IG auch die Wettbewerbskommission (Weko) ein.
 
Nun teilt die IG mit, dass die Thematik – wenigstens im Hintergrund – immer noch hochaktuell ist. Im Allgemeinen wird erwartet, dass SAP nach der Veröffentlichung der vorläufigen Geschäftszahlen am kommenden Mittwoch Stellung zur aktuellen Situation nehmen wird. Holger Rungwerth, Sprecher von SAP Schweiz, bestätigt auf Anfrage, dass in den kommenden Tagen Neuerungen bekannt gegeben werden sollen. "Es ist ein Schritt in Richtung einer Einigung", relativiert Rungwerth unsere Vermutung, dass es zu einem Einlenken seitens SAP kommen könnte. SAP werde versuchen, den Kunden entgegenzukommen. Wichtig sei es, den Dialog aufrecht zu erhalten.
 
"Sorry für die Mahnungen"
Die IG ihrerseits hält vor allem den Druck aufrecht. Am sechsten Meeting der IG am vergangenen Dienstag wurde klar, dass die meisten Firmen aufgrund der Situation mit SAP Projekte gestoppt haben und Alternativen prüfen oder sich sogar schon für solche entschieden haben. Zudem bezahlen die meisten Mitglieder weiterhin nur 17 Prozent der Lizenzgebühren für Wartung – obwohl SAP mit dem Enterprise-Support seit dem 1. Januar dieses Jahres 18,3 Prozent verlangt. Mahnungen seien zwar zum Teil verschickt worden, heisst es bei der IG. Doch SAP habe sich für dieses "Versehen" entschuldigt.
 
Das klingt seltsam, sind sich die IG-Mitglieder doch selber bewusst, dass sie Vertragsbruch begehen. In der Schweiz wurden die früheren Standard-Support-Verträge automatisch auf Enterprise-Stufe gehievt. Doch SAP scheint nicht daran interessiert, zusätzlich auf Konfrontationskurs mit den eigenen Kunden zu gehen. Die Situation scheint also bis zu einem Entscheid der Weko oder bis zu einem (Teil-)Einlenken durch SAP blockiert. (Maurizio Minetti)