"SAP-Kunden werden im Regen stehen gelassen"

"IG SAP Wartung CH" ist über das - ihrer Ansicht nach - zu zögerliche Entgegenkommen von SAP enttäuscht. Die Hauptforderungen seien nach wie vor nicht erfüllt.
 
Die 45 Schweizer Firmen der "Interessengemeinschaft SAP Wartung CH" sind gar nicht zufrieden mit dem kleinen Schritt, den SAP im Zwist um das neue Support-Modell vergangene Woche gemacht hat. In einer Medienmitteilung der IG ist die Rede von einem "minimalen Lichtblick". SAP spiele weiter seine Marktmacht aus. "Die Kunden werden einmal mehr im Regen stehen gelassen", schreibt die IG. Kritisiert wird insbesondere, dass SAP die beiden Hauptforderungen – optionales Wartungsmodell, Reduktion der Beistellpflichten (z.B. Englischsprachigkeit des Supports) – ignoriert habe.
 
Benchmarking-Modell wird in Frage gestellt
Man habe nach Rückfrage bei SAP festgestellt, dass (noch) keine Details über das Benchmarking-Modell vorliegen, es deshalb nicht möglich sei, eine fundierte Stellungnahme abzugeben. Nach wie vor sei man bei der IG überzeugt, dass die Kunden selbst auf Enterprise-Support umsteigen würden, wenn die angebotenen Leistungen die versprochenen Mehrwerte wirklich bringen. Zudem könne man sich nicht vorstellen, dass es den echten Markt wiederspiegle, wenn allen Kunden weltweit ein Einheitsprodukt beziehungsweise eine Einheitsdienstleistung zwangsweise verordnet werde.
 
Die IG stellt zudem die Frage, wie es in vernünftiger Zeit zu schaffen sei, aus 85'000 Kunden die 100 zu finden, die von allen anderen als Benchmarking-Kunden akzeptiert werden. Eine Preiserhöhung ist laut der IG erst dann statthaft, wenn alle Details, Verfahren und Termine zum Key-Performance-Index-Modell geklärt seien respektive das erste Benchmarking durchgeführt und von den Kunden als tauglich befunden wurde.
 
Forderungen
Die IG fordert weiterhin die Wiedereinführung des Standard-Supports mit maximal 17 Prozent Wartungsgebühren (Preissteigerungen seien im Rahmen der jährlichen Teuerung vertretbar). Weiter soll es eine Wahlfreiheit bezüglich den Zusätzen und Toolvorgaben geben. Von SAP wird der Verzicht auf die für die Kunden "teilweise unerfüllbaren beziehungsweise massive Mehrkosten verursachende Beistellpflichten" erwartet. Gemeint ist damit vor allem die englische Dokumentation der Systeme und der eingestellten Prozesse.
 
Die Services sollen vor Inkrafttreten der Verträge in Form von Service Level Agreements (SLA) definiert werden. Ein Bonus-Malus-System soll die Kunden und SAP gleichwertig behandeln. Weitere Forderungen sind fair verhandelte Verträge und die internationale Gleichbehandlung von Schweizer SAP-Kunden.
 
Die IG betont zudem, dass sie weiterhin die Klärung der Marktsituation durch die Wettbewerbskommission fordert. Die IG habe ihre Forderungen bezüglich dem SAP-Wartungsmodell und die bestehenden Vorbehalte zum Enterprise-Support bei der Weko bestätigt. "Wir fordern weiterhin, dass mit einer detaillierten Untersuchung die Situation transparent gemacht und geklärt wird", heisst es in der Mitteilung. (Maurizio Minetti)