Support-Streit: 'IG SAP Wartung CH' murrt weiter

Viele Fragen bleiben offen zwischen SAP und einer bedeutenden Gruppe Schweizer Kunden. Drei Firmen aus der IG wurden für das Benchmarking-Programm angemeldet.
 
Mehrere Wochen nachdem SAP im Support-Streit den Kunden etwas entgegengekommen ist, meldet sich die "Interessengemeinschaft SAP Wartung CH" wieder zu Wort. Bereits Anfang Mai hatte sich die IG darüber beklagt, dass die Hauptforderungen – optionales Wartungsmodell, Reduktion der Beistellpflichten – ignoriert worden seien. Die mittlerweile 46 Schweizer KMU mit einem SAP-Lizenzvolumen von über 120 Millionen Franken kämpfen nun seit bald einem Jahr gegen die Abschaffung des Standard-Supports und den damit verbundenen Zwang, den teureren Enterprise-Support zu kaufen.
 
Viele Fragen offen
Gemäss der Ende April erzielten Einigung zwischen dem "SAP User Group Executive Network" (SUGEN) und SAP soll die tatsächliche Leistung des SAP-Supports künftig regelmässig unter die Lupe genommen werden. Hierfür soll der "SUGEN Value Key Performance Index" (KPI Index) erstellt werden. Zurzeit geht es darum, weltweit 100 repräsentative SAP-Kunden zu finden, die im Rahmen eines Benchmarking-Programms prüfen sollen, ob sich ein Mehrwert durch Enterprise-Support einstellt.
 
An einem Treffen Ende Mai hat sich die Schweizer IG mit SAP in Regensdorf getroffen, um sich über Details zu dem zwischen SAP und SUGEN ausgearbeiteten Vorschlag und zum angekündigten Benchmarking-Verfahren auszutauschen. Fazit gemäss IG: Viele Fragen bleiben offen. Die Antworten könnten erst nach dem "Benchmarking-Probelauf" gegeben werden. Die Vorbehalte und die kritische Haltung gegenüber dem Benchmarking konnten nicht ausgeräumt werden. Das Benchmarking-Modell sei sehr komplex und biete Stoff für viele Diskussionen. Weiter bemängelt die IG, dass der Übergang von Standard- zu Enterprise-Support fliessend ist, was die Messbarkeit erschwere. Unternehmen, die Ihre SAP-Umgebungen "im Griff" haben, werden mit Enterprise-Support bestraft und müssen für Leistungen bezahlen, die sie nicht in Anspruch nehmen wollen, glaubt die IG.
 
Drei Referenzkunden angemeldet
Das Benchmarking-Modell sei demnach nur ein minimaler Lichtblick für den Enterprise-Support. Die IG besteht weiterhin auf den Forderungen nach einem optionalen Wartungsmodell und Wahlfreiheit. Die Kunden erwarten zudem weiterhin die Klärung der Marktsituation in der Schweiz durch die Wettbewerbskommission.
 
Die IG sei bereit, "sich von der Praxis überzeugen zu lassen und das Benchmarking als Referenzkunde zu prüfen". Dafür garantiere man SAP "klare Aussagen und konstruktive Kritik". Im Gegenzug erwartet die IG von SAP eine Zulassung zum Referenzkundenprogramm ohne Auflagen. Drei Referenzkunden aus der IG wurden für das Benchmarking-Programm angemeldet. (Maurizio Minetti)