Gutachten: Markt für SAP-Wartung ist selbständiger Sekundärmarkt

Die "IG SAP Wartung CH" macht im Support-Streit Druck auf die Weko.
 
Die vor einem Jahr von SAP beschlossene Abschaffung des Standard-Supports gibt – zumindest hierzulande – weiterhin zu reden. Wie die "Interessengemeinschaft SAP Wartung CH", die aus 49 Firmenmitgliedern mit einer SAP-Lizenzsumme von 120 Millionen Franken besteht, in einer Mitteilung schreibt, liegt nun ein Gutachten zur Beurteilung der wettbewerbsrechtlichen Zulässigkeit der Ablösung der bisherigen Supportverträge vor.
 
Im März 2009 wurde ein laut IG unabhängiger Gutachter damit beauftragt zu prüfen, ob es wettbewerbsrechtlich zulässig ist, dass SAP die bisherigen Supportverträge durch neue Enterprise-Support-Verträge ablöst. Das Gutachten wurde von Prof. Dr. Rolf H. Weber vom Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich verfasst und per 16. Juli 2009 an die IG übergeben.
 
Sekundärmarkt
Gemäss IG werden im Gutachten alle relevanten Fragen zur Markt- und Wettbewerbssituation analysiert, abgehandelt und entsprechende Schlüsse dazu festgehalten, die im SAP-Wartungsumfeld in Betracht gezogen werden müssten. Die IG hat nach einer ersten Durchsicht des Gutachtens unter anderem konstatiert, dass der Markt für die Wartung von SAP-Software als selbständiger Sekundärmarkt zu betrachten sei. Er ist also vom Markt für Primärprodukte (Business-Software) abgegrenzt. Die Frage des Vorliegens einer marktbeherrschenden Stellung von SAP sei dementsprechend für diesen selbstständigen Sekundärmarkt zu untersuchen und nicht bezüglich des Primärmarktes. Die Wettbewerbssituation in diesem Sekundärmarkt sei zudem "sehr stark eingeschränkt".
 
Die IG ist aufgrund der Informationen zum Marktanteil von SAP und der vorliegenden Ergebnisse aus der Ausschreibung für SAP-Serviceleistungen der Meinung, dass der Tatbestand einer marktbeherrschenden Stellung von SAP weiter erhärtet wurde. Ob dem tatsächlich so ist, wird die Wettbewerbskommission entscheiden müssen. Diese hat das Gutachten ebenfalls erhalten. Im Herbst soll es eine erste Stellungnahme geben. (Maurizio Minetti)