"SAP behindert Markteintritt von Drittanbietern"

IG SAP Wartung bringt grobes Geschütz in Stellung. SAP: "Wir respektieren die Vertragsfreiheit."
 
Der anhaltende Streit zwischen SAP und - unterdessen rund 50 - Schweizer Kunden um die Höhe der Wartungsgebühren geht in eine weitere Runde.
 
Die in der "IG SAP Wartung CH" organisierten SAP-Anwender schalteten im Februar die Wettbewerbskommission ein und doppeln nun nach.
 
Die Interessengruppe liess sechs SAP-Systemhäusern eine Ausschreibung für die Erbringung der Wartung ihrer Systeme zukommen. Kein Systemhaus konnte gemäss der Interessengemeinschaft ein verbindliches Angebot machen. Die IG beklagt sich in einer Mitteilung von heute, SAP könne "via der Partnerverträge Einfluss auf die Systemhäuser nehmen". Der deutsche ERP-Riese betreibe das Wartungsgeschäft für Firmen ab 200 bis 500 Millionen Franken Umsatz selber und es gebe in diesem Marktsegment keinen Wettbewerb und keine Alternativen. Das Fazit der IG SAP Wartung CH: "SAP bestimmt den Markt und behindert den Markteintritt für Drittanbieter."
 
Im Hintergrund steht die Tatsache, dass SAP Standard-Supportverträge, die 17 Prozent des Lizenvolumens jährlich kosten, abschaffen und sie durch das teurere Modell "Enterprise Support" ersetzen will. Dagegen führen die in der IG SAP Wartung zusammengeschlossenen Anwenderfirmen seit letzten Dezember einen ziemlich erbitterten Grabenkrieg.
 
SAP Schweiz: "SAP respektiert Vertragsfreiheit"
Bei SAP Schweiz will man vom Vorwurf, keinen Wettbewerb im Wartungsmarkt zuzulassen, nichts wissen. Die Schweizer Partner könnten im Rahmen ihrer "Partnerverträge selbstverständlich individuelle Offerten für die SAP-Pflege anbieten", so SAP-Sprecher Holger Rungwerth auf Anfrage. "SAP respektiert die Vertragsfreiheit und nimmt keinerlei Einfluss auf die Preisgestaltung der Partner".
 
Die IG SAP Wartung CH hat ihrerseits in einem Gutachten zuhanden der Weko feststellen lassen, dass die Software-Wartung, um deren Umfang und Preis es geht, ein "selbständiger Sekundärmarkt" sei, in dem SAP also eine marktbeherrschende Stellung haben kann. Mit der nun erfolgten Ausschreibung der Wartung versucht die IG zuhanden der Weko nachzuweisen, dass SAP mit der Erhöhung der Warungsgebühren eine marktbeherrschende Stellung ausnützt.
 
SAP weist diesen Vorwurf natürlich zurück. Rungwerth: "Das Parteigutachten von Prof. Rolf Weber kennen wir nicht. Sollte dieses jedoch auf einem 'Wartungsmarkt Schweiz' basieren, so wäre es nicht einschlägig. Es gibt keinen 'Wartungsmarkt Schweiz'. Wir sind fest davon überzeugt, dass SAP weder das schweizerische Kartellgesetz noch ausländische Wettbewerbsregeln verletzt hat."
 
Weko vor interessantem Entscheid
Wir sind gespannt darauf, ob die von der IG SAP Wartung CH angerufene Wettbwerbskommission den Fall weiterverfolgen und wie ein allfälliger Entscheid ausfallen wird. Denn bei der Software-Wartung handelt es sich sozusagen um ein natürliches Monopol. Bei Software-Wartung geht es um Fehlerkorrekturen, die laufende Anpassung an neue Vorschriften und kleine Verbesserungen. Diese Arbeit wird fast immer vom Hersteller der Software, der sie ja am besten kennt und die Urheberrechte daran besitzt, selbst erledigt und in einer Art "Abonnement" zusammen mit der Software verkauft.
 
Die Wartungsgebühren betragen meistens zwischen 14 und 18 Prozent des Lizenzpreises und stellen eine wichtige Ertragsquelle für die Software-Anbieter dar. SAP begründet die schrittweise Erhöhung der Support-Preise auf 22 Prozent mit dem durch moderne Architekturen und neuen Anforderungen gestiegenen Leistungsumfang. Die IG SAP Wartung CH ihrerseits argumentiert, dass viele SAP-Anwender die Mehrleistungen nicht bräuchten und dass SAP seine marktbeherrschende Stellung ausnütze.
 
Tatsächlich nützt die erweiterte Wartung (Enterprise Support") jenen 63 Prozent der Schweizer SAP-User, die noch ganz oder teilweise die Version R/3 der ERP-Lösung einsetzen, wenig oder nichts. (Christoph Hugenschmidt)