Open-Source in München: Eine Zwischenbilanz

Noch verhältnismässig wenige PCs der Münchner Stadtverwaltung wurden auf Linux als Betriebssystem migriert. Hingegen wird OpenOffice und vor allem der Vorlagen-Server WollMux breit genutzt.
 
2003 sorgte der Entscheid der Stadt München, sämtliche PCs der Stadtverwaltung auf ein Linux-Betriebssystem ("LiMux") umzurüsten, weltweit für Aufsehen. Der stellvertretende Leiter des Projekts, Florian Schiessl, stellte den Stand des Grossprojektes diesen Montag anlässlich der ersten Veranstaltung der "Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" in Bern vor.
 
"Ein politischer Entscheid"
Der Entscheid für Linux sei "ein politischer Entscheid" gewesen, so Schiessl bei seiner Präsentation vor einer ganzen Reihe von PolitikerInnen und IT-Verantwortlichen aus verschiedenen Behörden. "Der einzige Grund, dass wir auf Open-Source gesetzt haben, war Microsoft, sagte Schiessl. München habe sich gezwungen gesehen, ein Migrationsprojekt für die damals unter Windows NT laufenden PCs der Stadt zu beginnen. Dies habe man zum Anlass genommen, die PC-Plattformen völlig neu zu evaluieren.
 
Immer noch viele Windows-PCs
Offensichtlich ist, dass München die ursprünglich ehrgeizigen Pläne, die 14'000 PCs der Stadtverwaltung relativ rasch auf ein Linux-Derivat (Debian) zu migrieren, aufgeben musste. Sprach man 2003 noch davon, bis 2006 die "Hauptarbeiten" abzuschliessen, so laufen heute erst 2'200 der städtischen PCs unter LiMux. Zwei von 12 "Referaten" (Abteilungen) und ein Eigenbetrieb hätten bisher alle ihre PCs auf LiMux migriert, so Schiessl. Er rechnet nun damit, dass LiMux erst gegen Ende 2012 flächendeckend als PC-Betriebssystem benützt wird.
 
Für Fachanwendungen, die man nicht durch plattformunabhängige ersetzen kann, will man pragmatische Lösungen suchen. Dies könnten Terminal-Server-Lösungen, Laufzeit-Umgebungen (Wine) oder in Zukunft vermehrt auch virtualisierte PCs und Server sein, sagte Schiessl am Montag.
 
Bis es so weit ist, wird man aber weiterhin Windows 2000, das zusammen mit neuer Hardware eingekauft worden war, einsetzen, so Schiessl auf Anfrage gegenüber inside-it.ch.
 
Vorlagen und Briefköpfe zentralisiert
Wichtiger als die Wahl des PC-Betriebssystems scheint uns ein anderes Projekt, das im Zusammenhang mit der Open-Source-Strategie der Stadt München angegangen wurde: "WollMux". "WollMux" ist ein PlugIn für die Open-Source-Bürosoftware OpenOffice, das es erlaubt, alle Vorlagen und Briefköpfe auf einem zentralen Server zu halten und sie dort zu verwalten.
 
"WollMux" hilft den städtischen Angestellten ebenfalls dabei, Formulare zu gestalten und stellt Textbausteine zur Verfügung.
 
"Nahezu alle" Stadtangestellten arbeiten heute mit OpenOffice, so Schiessl und "die meisten" mit WollMux. Die Office-Umstellung sei für München der Anlass gewesen, die Zahl von 21'000 (!) Vorlagen, Makros und Formulare kritisch zu analysieren, konsolidieren und standardisieren. Wo möglich wurden Makros und umfangreiche Excel-Tabellen mit sinnvolleren Lösungen wie Webanwendungen oder mit Hilfe von WollMux produzierten Formularen ersetzt, so Schiessl. (Christoph Hugenschmidt)