CIOs üben harte Kritik an SAP

Die SAP-Anwenderorganisation DSAG verschärft die Kritik an der Support-Preiserhöhung durch SAP mit einem Positionspapier von Informatik-Leitern auf.
 
Der deutsche ERP-Riese SAP stösst mit dem Ansinnen, den relativ günstigen Standard-Support abzuschaffen, respektive zu verteuern, weiterhin auf hartnäckigen Widerstand.
 
Orchestriert wird der Widerstand vor allem von der DSAG, der Organisation der SAP-Anwender in den deutschsprachigen Ländern. Die DSAG konnte zwar durchsetzen, dass der Standard-Support in Deutschland und Österreich (nicht aber der Schweiz) weiterhin angeboten wird, doch wird sich dieser schrittweise verteuern.
 
Nun meldet sich der noch junge "CIO-Beirat" der DSAG mit einem geharnischten Positionspapier zu Wort. SAP habe schon 2008 "mit der Ankündigung des verpflichtenden Enterprise-Supports das Vertrauen als Grundlage einer stabilen und auf Langfristigkeit ausgelegte Geschäftsbeziehung erheblich beschädigt", schreiben die in der DSAG vertretenen CIOs. Auch habe der deutsche Software-Riese die letzten 10 Monate nicht genutzt, um das Vertrauen der Kunden wieder herzustellen, sondern es durch die Ankündigung der Preiserhöhung für den Standard-Support "erheblich belastet".
 
"Nicht akzeptable Kostensteigerung"
Die CIOs bringen im kurzen Positionspapier vier Argumente gegen die Preiserhöhung für den Standard-Support in Deutschland und Österreich und indirekt auch gegen die Zwangseinführung des "Enterprise Supports" in allen anderen Ländern vor. Die Preiserhöhung sei in einer Zeit der "tiefen wirtschaftlichen Depression" eine "nicht akzeptable Kostensteigerung". Sie diene zudem nur der Erhöhung der bereits schon hohen Rendite von SAP.
 
Da die Preiserhöhung dazu diene, Druck zur Migration auf Enterprise-Support herzustellen, sei der dessen Mehrwert erst zu beweisen. Drittens monieren die CIOs, dass sich der Wartungspreis bereits in der Vergangenheit erhöht hat, das die Kunden neue, teurere Verträge für mySAP.ERP oder mySAP.Business-Suite abgeschlossen haben und zusätzliche SAP-Produkte gekauft haben.
 
Und viertens finden die CIOs, SAP habe sich nicht darum bemüht, den Aufwand für die Wartung seiner Produkte zu senken. Happig ist der Vorwurf, dass SAP-Kunden "in der Hauptsache" eigene Ressourcen für den Support verwenden mussten, da der teure SAP-Support "nur in sehr geringem Umfang genutzt werden kann."
 
Die Forderungen
Die Forderungen der CIOs, die sich als "stellvertretend für Hunderte" von CIOs in der DACH-Region sehen, sind einfach.
 
Sie verlangen erstens, dass SAP auf die Erhöhung des Preises für den Standard-Support verzichtet. Zweitens sollen Altkunden nicht gegenüber Neukunden benachteiligt werden. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn es ist ein offenes Geheimnis, dass SAP in der jetzigen Wirtschaftslage bei Neuabschlüssen wesentlich flexibler verhandelt, als bei bestehenden Kunden, die sich keine Migrationsprojekte aufhalsen können und wollen. Drittens soll SAP in "einen ernsthaften Dialog über den Bedarf an Support-Leistungen" treten und viertens soll die Walldorfer zur "Entwicklung erstklassiger Produkte zurückfinden."
 
Es scheint, als habe SAP mit der zwangsweisen Einführung des teureren "Enterprise Supports" respektive der Erhöhung der Preise für die Standard-Support eine Büchse der Pandora geöffnet. Heraus kam Kritik an der übermachtig gewordenen Stellung des ERP-Herstellers. (Christoph Hugenschmidt)
 
Das dreiseitige Papier "Preiserhöhung für den SAP Standard Support - Positionspapier der in der DSAG vertretenen CIOs" ist im Internet verfügbar (Klick öffnet PDF).
 
(Foto: Der rebellische CIO-Fachbereit zusammen mit Mitgliedern des DSAG-Vorstands. v.l.n.r: Prof. Dr. Karl Liebstückel (DSAG-Vorstandsvorsitzender), Dr. Simone Rehm (Trumpf GmbH & Co. KG), Thorsten Steiling (EJOT Holding GmbH & Co. KG), Otto Schell (DSAG-Vorstandsmitglied, Fachressort Branchen), Johannes Truttmann (Krombacher Brauerei Bernhard Schadeberg GmbH & Co. KG), Beate Werner (DSAG-Vorstandsmitglied und Schatzmeisterin), Werner Schwarz (Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG), Stefanie Kemp (Vorwerk & Co. KG), Michael Nippel (Viega GmbH & Co. KG), Christian Zumbach (DSAG-Vorstandsmitglied, Ressort: Schweiz), Dr. Marco Lenck (DSAG-Vorstandsmitglied, Fachressort Technologie und CIO-Fachbeirat, Rhein Chemie Rheinau GmbH)