Skandale, Fusionen und viele "Never Ending Stories". Und natürlich immer wieder Krise, Krise, Krise.
Das IT-Jahr 2009 begann gleich mit einem Skandal: Der Chef des indischen IT-Riesen Satyam musste zugeben, die Bilanzen des Unternehmens seit Jahren
manipuliert zu haben. In der Folge wurde Satyam von Tech Mahindra
übernommen und inside-it.ch hatte später die Gelegenheit, mit dem neuem Chef von Mahindra Satyam
zu sprechen.
Lauter "Bad News"Wenige Tage nach dem Satyam-Kracher folgte noch im Januar die nächste Hiobsbotschaft, diesmal aus Kanada: Der Telekom-Ausrüster Nortel flüchtete in den
Gläubigerschutz gemäss "Chapter 11". Daraufhin wurde die Zerlegung des einstigen Börsenlieblings beschlossen. Die Filetierung von Nortel ist bis heute
noch nicht abgeschlossen.
Im Verlauf der Monate wurden die Nachrichten im Allgemeinen nicht besser. Die Wirtschaftskrise
machte sich bald auch in der IT bemerkbar. Schlechte Quartalszahlen
häuften sich. Doch nicht nur Informatik-Unternehmen waren und sind betroffen, auch die grösseren und kleineren IT-Abteilungen von Unternehmen
unterschiedlicher Branchen mussten zurückstecken. Selbst beim Staat –
Stichwort VBS - zeigte sich in der Krise, dass die Informatik in der Öffentlichkeit vor allem als Kostenfaktor angesehen wird.
Finanz-ITNicht überraschend: Finanzdienstleister wie
UBS,
ZKB oder
Swiss Life lieferten die meisten Negativ-Schlagzeilen. Auffallend war auch, dass besonders viele CIOs ausgewechselt wurden, nicht nur in der Finanzbranche.
Postfinance und ZKB,
Migros und
SBB oder auch
UBS sind nur einige Beispiele.
In der Finanzindustrie mussten aufgrund der Krise noch stärker Kosten gesenkt werden. Dies geschah etwa durch den
Verkauf gewisser IT-Einheiten oder – der Wunschtraum aller Outsourcer – durch Auslagerung der IT: Die Vertragserweiterung zwischen
Zurich Financial Services und CSC im Wert von fast 3 Milliarden Dollar war der grösste Schweizer IT-Outsourcing-Deal seit Jahren.
Für den seit einiger Zeit gegen Kundenschwund kämpfenden IT-Dienstleister RTC war es wiederum ein schwieriges Jahr. Zwar ging im Juni die lang ersehnte neue Version der Bankensoftware IBIS
live, doch mittlerweile wurde die
Geschäftsleitung ausgewechselt und es zeichnet sich ein Verkauf des Unternehmens ab. Gleichzeitig ging es den Konkurrenten B-Source und Swisscom IT Services gar nicht mal so schlecht: Sie konnten sich sogar
einige Zukäufe leisten.
KonsolidierungTrotz – oder wegen – der Krise ging die Konsolidierung im IT-Business weiter. Der aufsehenerregendste Deal war hierzulande sicher der
Kauf von Sunrise durch Orange. Aber auch international tat sich einiges: IBM schnappte sich SPSS
für 1,2 Milliarden. Für den gleichen Betrag kaufte Emerson
Avocent. Fast das Doppelte bezahlte EMC für
Data Domain. HP griff für 2,7 Milliarden Dollar nach
3Com, Dell blätterte für Perot Systems
fast 4 Milliarden hin und Xerox bezahlte für ACS
6,4 Milliarden Dollar.
Eine grosse Überraschung war die Ende April angekündigte
Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle für 7,4 Milliarden Dollar. Zuvor sah es nämlich aus, als würde IBM das Rennen machen. Oracle konnte den Kauf bis dato nicht abschliessen:
Die EU befürchtet, dass Oracle die Open-Source-Datenbank MySQL nicht weiterentwickelt wird.
Fast so viel wie Oracle für Sun bezahlen will, liess Cisco
für Tandberg und Starent springen. Eine Kampfansage an die bisherigen Partner IBM und HP war aber Ciscos
Einstieg in den Server-Markt.
Immer wieder: Microsoft vs. alle anderenEbenso kampfeslustig gaben sich die ewigen Rivalen Microsoft und Google. Im Sommer gab es von Google mit der Ankündigung der Lancierung eines eigenen Betriebssystems einen
Generalangriff auf Microsoft. Microsoft hatte schon zuvor die neue Suchmaschine
Bing angekündigt und verbündete sich im Juli mit dem Google-Konkurrenten
Yahoo.
Wenn man Betriebssystem sagt, muss man natürlich Windows 7 erwähnen. Der Name des Vista-Nachfolgers tauchte bereits im Sommer 2007
erstmals auf. Am 22. Oktober 2009 war dann das
offizielle Launchdatum des neuen Betriebssystems aus Redmond. Es scheint sich
besser als Vista zu verkaufen und provozierte auch weit positivere Reaktionen verglichen mit dem Vorgängerprodukt.
Die "Never Ending Stories"Reaktionen ausgelöst hat in diesem Jahr auch die Berichterstattung über die
ausschreibungslose Auftragsvergabe des Bundes an Microsoft. Das Bundesverwaltungsgericht muss nun – nachdem der Bund und diverse Open-Source-Firmen monatelang verhandelt haben -
einen Entscheid fällen.
Weitere "Never Ending Stories" waren etwa der
Bau von Glasfasernetzen, der
Streit um den Enterprise-Support von SAP sowie die
Auseinandersetzung zwischen Google und dem Eidgenössischen Datenschützer.
Auch 2009 gab es auf der technologischen Ebene neue Trends.
E-Book-Reader wurden lanciert,
Cloud Computing wurde als bahnbrechende Methode angepriesen und die kleinen
Netbooks waren in der Krise besonders beliebt.
IT-Neuigkeiten wird es sicher auch 2010 geben. Wenn Sie jetzt schon wissen wollen, was das nächste Jahr bringt, lesen Sie
hier unsere Prophezeiungen für das IT-Jahr 2010. (Maurizio Minetti)