CSC verspricht: "Kein Stellenabbau" wegen Zurich-Deal

Paul Glutz, Chef der Schweizer Niederlassung des US-Outsourcing-Konzerns CSC erklärt im Exklusiv-Gespräch mit inside-it.ch, was die Übernahme des Rechenzentrums der Zurich Financial Services in Schlieren für die Informatiker der Versicherung bedeutet.
 
Vor knapp einem Jahr wurde bekannt, dass die grosse Versicherungsgruppe Zurich Financial Services (ZFS) einen zehnjährigen Outsourcing-Deal mit dem US-IT-Dienstleister CSC eingeht. Im Januar hat CSC nun die lokalen Vereinbarungen mit der Zurich Financial Services (ZFS) zur Übernahme der Rechenzentrums-Dienstleistungen unterschrieben. Damit tritt die Umsetzung des globalen Outsourcing-Rahmenvertrags vom November 2009 in Kraft. CSC wächst mit diesem 2,9 Milliarden Dollar schweren Auftrag weltweit um 850 Mitarbeiter, die von ZFS zu CSC wechseln. Am 1. April übernahm CSC den Betrieb des Rechenzentrums der ZFS in Schlieren. Im Exklusiv-Interview mit inside-it.ch erklärt Paul Glutz, der seit November 2007 die Verantwortung für CSC in der Schweiz trägt, die neue Situation und die generelle Bedeutung des Grossauftrags für die Schweiz. Glutz: "Wir werden kräftig investieren, das Rechenzentrum ausbauen und keine Stellen streichen." Das Interview wurde bereits im Februar 2010 geführt, wir erhielten die Autorisierung aber erst jetzt.
 
Was steht in dem schweizspezifischen Vertrag zwischen CSC und ZFS?
Paul Glutz: Die Vereinbarung ist Teil des Rahmenvertrags im Umfang von 2,9 Milliarden Dollar, der im letzten November zwischen CSC und ZFS abgeschlossen wurde. CSC wird demnach weltweit die Datencenter-Services von ZFS übernehmen. Seit dem 1. April 2010 betreibt CSC unter anderem auch das Datacenter in Schlieren und hat in der Schweiz fast 240 Mitarbeiter von ZFS übernommen. Laut Vertrag werden wir in Schlieren in Zukunft auch Services konsolidieren, die zurzeit noch in anderen europäischen Ländern erbracht werden.
 
Bleibt denn das Management des Datacenters bei der ZFS?
Paul Glutz: Wir haben das gesamte operative Geschäft übernommen, einschliesslich der dortigen Mitarbeiter und eines grossen Teils des bestehenden Managements. ZFS beschäftigt jedoch weiterhin eigene Mitarbeiter als Ansprechpartner für CSC.
 
Wieso kann CSC, wenn alles beim Alten bleibt, das Datacenter nun billiger betreiben als ZFS?
Paul Glutz: CSC kann aus zwei Gründen kosteneffiziente Dienstleistungen anbieten: Einerseits kann CSC die zur Verfügung stehenden Ressourcen, wie Mitarbeiter, Gebäude und Infrastrukturen auch anderen Kunden zur Verfügung stellen, so dass die Kosten geteilt werden können. Andererseits kann CSC durch Global Sourcing Synergien erzielen.
 
Welche Synergien sind das konkret?
Paul Glutz: CSC verfügt über reichhaltige Erfahrungen mit Projekten aus aller Welt; dieses Wissen wird ständig aktuell gehalten, um auch die neusten Technologien einzubeziehen. Wir übernehmen solche Aufgaben einfach viel öfter, und deswegen sind sie für uns weniger kostspielig als für ZFS.
 
Aber in der Schweiz haben Sie keine solche Erfahrungen?
Paul Glutz: Nein, in der Schweiz haben wir bisher kein Datacenter betrieben. Als globaler Konzern hingegen sind wir Spezialisten dafür. Hier profitieren wir in der Schweiz von dem grossen Know-how unserer Kollegen in Sachen Technologie und Services.

Welche Position nimmt CSC künftig im Schweizer Markt ein?
Paul Glutz: Klar ist, dass wir dank des Deals erheblich wachsen und an Bedeutung gewinnen. Wir erwarten Zuwachs durch Neugeschäft, das auch von ausserhalb der Schweiz kommen wird. Konkret sind in der Schweiz bereits Verträge mit neuen Kunden abgeschlossen worden. Beispielsweise wird PartnerRe mit rund 500 Mitarbeitern einen Teil seiner Services von uns beziehen. Angesichts der positiven Erfahrungen der Zurich wird es auch für andere Versicherungen in der Schweiz reizvoll sein, zu CSC zu wechseln.
 
Wird CSC Arbeitsplätze abbauen?
Paul Glutz: Die Arbeitsplätze der ZFS-Mitarbeiter sind vertraglich für die ersten zwölf Monate garantiert. Was die Zeit danach betrifft, denken Sie bitte daran, dass wir neues Geschäft generieren wollen. Ohne speziell qualifizierte Kollegen, die auch das Engineering und die jeweiligen Branchen gut kennen, wird das nicht möglich sein. Ein Abbau ist also keineswegs geplant. Hinzukommt, dass der Vertrag mit ZFS mit 10,5 Jahren eine relativ lange Laufzeit hat. Das erlaubt uns auch im Hinblick auf die Mitarbeiter langfristig zu planen. Wir können den Kollegen im Datacenter neue Karrierewege anbieten: Sie arbeiten künftig in einem Umfeld, in dem neue Kunden mit neuen Aufgaben ihren bisherigen Job interessanter machen werden.
 
Lohneinbussen sind nicht zu erwarten?
Paul Glutz: Nein, es gibt keine Kürzungen. Wir wollen und können die Löhne nicht reduzieren. Gemäss Vertrag ist der Lohn Teil der garantierten Besitzstandwahrung, was übrigens auch für die Pensionskasse gilt. Hier bieten wir den Kollegen ein Paket, das den Leistungen ihres bisherigen Arbeitgebers entspricht. Noch mal: Mit der Übernahme hatten die Mitarbeiter weder Lohnkürzungen noch irgendwelche sonstigen Einbussen hinzunehmen.
 
Und wie sieht es bei Ihren bestehenden Mitarbeitern aus?
Paul Glutz: In der Schweiz beschäftigten wir nun insgesamt etwa 700 Mitarbeiter, und wir suchen laufend neue Leute. Derzeit sind mindestens 15 Stellen offen.
 
Dann ist also nicht die Rede davon, Aufträge nach Indien oder in andere Tieflohnländer zu vergeben?
Paul Glutz: Doch. Der Bereich Offshoring ist Teil unserer Pläne, aber nicht nur in diesem speziellen Projekt. Das ist heute im Outsourcing generell so und gilt auch für andere Anbieter. Will man als Outsourcer die ganze Lieferkette anbieten, kann man auf Offshoring-Angebote nicht mehr verzichten. Dennoch hat das, wie gesagt, in der Schweiz keinen Stellenabbau zur Folge, sondern ist integraler Bestandteil des CSC-Angebotes. Wir wollen ja mit den nun vorhandenen Mitarbeitern auch Neukunden bedienen und schaffen uns über das Offshoring von Teilen des heutigen Geschäfts die dafür nötigen Kapazitäten. Kommt hinzu, dass wir im letzten Geschäftsjahr doppelt so viele Anfragen hatten wie im Jahr zuvor. Da brauchen wir auch im Consulting und in der Systemintegration jeden Mitarbeiter, weil wir weiterhin als Komplettanbieter im Markt agieren. CSC zeichnet sich ja durch eine Breite des Angebots aus, die nur wenige Anbieter zur Verfügung stellen können.
 
Was hat sich für Sie persönlich geändert?
Paul Glutz: Zunächst bestätigt mir dieser Vertrag, dass ich offensichtlich bei der richtigen Firma arbeite. Denn dass wir organisch wachsen, ist heute keineswegs mehr eine Selbstverständlichkeit. Ausserdem freut es mich natürlich, dass CSC Schweiz auf Konzernebene nun eine bedeutendere Rolle spielt. (Das Interview führte Volker Richert)