Das Bewusstsein für E-Government in der Schweiz nimmt zu. Die Verwaltungen sind damit überfordert: Es fehlt an Geld, Zeit und Personal.
Mittlerweile ist E-Government bei der Bevölkerung angekommen. Grund dafür sind Angebote, die in gewissen Regionen schon seit geraumer Zeit bestehen und das Leben erleichtern. Immer mehr Bürger wollen mit der Verwaltung elektronisch – und damit schneller und unkomplizierter – interagieren. Kantone und Gemeinden nehmen eine steigende Nachfrage der Bürger nach E-Gov-Leistungen wahr, doch sie können sie wegen knapper finanzieller und personeller Ressourcen nicht befriedigen. Die Verwaltungen haben zudem Mühe mit dem steigenden Zeit- und Verwaltungsaufwand für die Durchführung von E-Gov-Vorhaben.
Gestern wurde die dritte Ausgabe der Studie
"E-Government und Verwaltung" veröffentlicht. Die von der Staatsschreiberkonferenz und vom Informatikstrategieorgan Bund (ISB) in Auftrag gegebene und vom Forschungsinstitut gfs.bern durchgeführte Studie kommt zum Schluss, dass das E-Gov-Angebot in der
Schweiz mit den steigenden Bedürfnissen der Bevölkerung nicht mithalten kann. Zwar ist vielerorts der Ausbau des Angebots geplant, doch scheint die Umsetzung und somit die E-Gov-Entwicklung zu stocken. Gefordert sei nun die Unterstützung von "übergeordneten Instanzen", um neuen Schwung ins E-Government zu bringen, heisst es in der Studie.
Während E-Gov-Vorgaben von den Bundesämtern, Kantonen und grossen Gemeinden unverändert gut befolgt und eingehalten werden, sind die kleinen Gemeinden strategisch nach wie vor ungenügend abgestützt und verfügen kaum über E-Gov-Ressourcen. Datenschutzvorgaben und eCH-Standards werden nicht überall berücksichtigt, heisst es in der Studie.
Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter sind gemäss der Studie ein typisches Beispiel für die aktuelle Entwicklung von E-Gov. Zwar werde das Thema diskutiert und erscheine wichtig – Sinn und Zweck wird aber nicht überall gesehen, Vorgaben scheinen oft zu fehlen und umgesetzt ist erst wenig. Wichtiger scheint die Realisierung des elektronischen Identitätsnachweises SuisseID. Zurzeit besteht verbreitet Optimismus, dass dank dieser Identifikations-Grundlage eine sinnvolle und strategisch ausgerichtete Weiterentwicklung von E-Gov möglich wird. (Maurizio Minetti)