Die Crealogix-Schulverwaltungslösung Evento hat den Berner Berufsschulen und Gymnasien seit der Einführung vor sechs Jahren viel Ärger gemacht.
Viel gekostet und viele Probleme gebracht: So lassen sich die
Berner Erfahrungen mit der Schulverwaltungssoftware Evento des Zürcher Herstellers Crealogix zusammenfassen. Die grösste Berufsschule im Kanton hat jetzt genug. Heute kommt es zur Aussprache zwischen der Leitung der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (Gibb) und den Verantwortlichen im kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA), das in der Erziehungsdirektion für das Informatikprojekt zuständig ist.
Wie die 'Berner Zeitung'
berichtet, stellt die Schulleitung der Verwaltung ein Ultimatum. Bis zum Notenschluss im Januar sollen die seit Jahren bekannten Fehler von Evento behoben sein, sonst will die Gibb nach einer eigenen Lösung suchen. Ein Ausstieg der Gibb, mit ihren 7000 Schülern
grösste Schule im Kanton, könnte dem Projekt die Legitimation für die hohen Kosten entziehen.
Crealogix bekräftigt gegenüber inside-it.ch, man habe mit den zuständigen Berner Verwaltungsstellen ein "normales Kundenverhältnis". Für den Berner Evento-Deal haben die Zürcher Entwickler nach eigenen Angaben eine Summe im "unteren einstelligen Millionenbereich" erhalten.
2003 hatte die Berner Erziehungsdirektion begonnen, die Administration der 44 Gymnasien und Berufsschulen zu vereinheitlichen und zu zentralisieren. Zu den ursprünglichen 23 Millionen Franken für Evento mussten 2008 zusätzliche 7,2 Millionen Franken gesprochen werden. Doch Evento ist nicht nur teurer, als anfänglich angenommen. Auch bei der Anbindung der Schulen harzt es. Nach fünf Jahren hatten erst 13 statt der geplanten 22 Schulen umgerüstet, mittlerweile sind es 19.
Probleme tauchten insbesondere bei der Anpassung der Software auf die Bedürfnisse der verschiedenen Schulen auf. Evento hatte sich zuvor lediglich an Hochschulen bewährt. So fragte sich der Chef des MBA letztes Jahr im
'Bund', ob es ein grundsätzlicher Fehler gewesen sei, sich für die Crealogix-Lösung zu entscheiden. Unverblümter drückte sich im selben Blatt ein anonymer Kritiker aus. Das Projekt sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen, man habe sich vom Hersteller unter Druck setzen lassen. (Amir Ali)