Was die Weko zum Schweizer SAP-Support sagt

Endlich hat die Wettbewerbskommission den Bericht zur mittlerweile eingestellten Voruntersuchung gegen SAP Schweiz veröffentlicht.
 
Die Wettbewerbskommission (Weko) hat in ihrem soeben erschienenen Publikationsorgan "Recht und Politik des Wettbewerbs" (RPW) den lange erwarteten Schlussbericht zur Vorabklärung betreffend SAP-Wartungspreiserhöhung veröffentlicht. Beim Schlussbericht vom 28. Januar 2010 handelt es sich allerdings um ein "geschäftsgeheimnisbereinigtes" Dokument, wie es bei der Weko heisst. Die Weko hatte Anfang 2010 die Vorabklärung zum Schweizer SAP-Support-Markt ohne Folgen wieder eingestellt, da nicht genügend Anhaltspunkte für die Eröffnung einer Untersuchung vorlagen.
 
Die Veröffentlichung des Berichts zur Vorabklärung verzögerte sich bis heute, weil SAP gewisse Passagen streichen wollte – was nun auch geschehen ist. Das Bundesverwaltungsgericht befand, der Bericht könne veröffentlicht werden. Sehr brisante Informationen enthält der Bericht damit nicht, jedoch einige interessante Erkenntnisse. Anhand einer Gartner-Tabelle aus dem Jahr 2007 wird etwa deutlich, dass SAP den Schweizer ERP-Markt mit einem Marktanteil von 50 bis 60 Prozent mit grossem Abstand zum nächsten Mitbewerber anführt. Für den Wartungsmarkt gibt es jedoch keine offiziellen Marktanteilszahlen.

SAP: Bericht irrelevant
In einem Statement gegenüber inside-it.ch schreibt SAP Schweiz nun, die Grundlage des Schlussberichts der Weko sei heute überhaupt nicht mehr gegeben, zumal SAP-Kunden heute die freie Wahl zwischen Standard- und Enterprise-Support hätten. Freilich war dies Anfang 2009, als die Voruntersuchung eingeleitet wurde, nicht so. Involvierte Personen sind überzeugt, dass erst die Voruntersuchung der Weko SAP dazu bewogen hat, den Standard-Support in der Schweiz wieder einzuführen.
 
SAP ist der Meinung, dass der nun veröffentlichte Bericht, der sich auf Marktdaten aus dem Jahr 2007 stütze, einige Aussagen enthalte, die die aktuelle Situation nicht zutreffend bewerten. "Da dem internen Bericht nur eine oberflächliche Prüfung und keine detaillierte, abschliessende Auseinandersetzung mit dem SAP-Support voranging, stellt er auch kein zutreffendes Bild der Situation dar", so SAP in dem Statement.
 
SAP habe im relevanten Markt keine dominante Stellung. Insbesondere seien Hauptwettbewerber in der Schweiz in der vorläufigen Beurteilung der Weko nicht berücksichtigt worden. Schliesslich, so SAP, sei der relevante geografische Markt gemäss den Erkenntnissen der Europäischen Kommission und des deutschen Bundeskartellamts "mindestens europaweit abzugrenzen". Erst im Juli 2010 hätten die europäischen und amerikanischen Wettbewerbsbehörden SAP in einem grossen Fusionskontrollverfahren attestiert, dass auf allen relevanten SAP-Märkten reger Wettbewerb herrscht.

IG SAP Wartung CH zufrieden
Die "Interessengemeinschaft SAP Wartung CH", welche an vorderster Front für die Wahlfreiheit beim SAP-Support kämpfte und Ende 2008 die Weko einschaltete, ist zufrieden mit dem Endergebnis. Der Bericht enthalte neben den rechtlichen Grundlagen einige Aussagen, die SAP dazu bewegen müssten, bei zukünftigen einseitigen Veränderungen von Software-Produkten oder Services etwas bedachter vorzugehen.

Man habe die Weko auf ein Thema aufmerksam gemacht, das bislang wettbewerbsrechtlich im Dunkeln lag, meint die IG. SAP sei wachgerüttelt worden und werde weitere Veränderungen des Preis-/Wartungsmodells mit Vorsicht angehen, da der Softwarehersteller nun "auf dem Radar der Wettbewerbsbehörden" sei.

Betont wird zudem, dass von Anfang an eine klare Abgrenzung zur deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) bestanden habe, sei es doch unter anderem undenkbar gewesen, dass die DSAG für den Gang an die Weko bereit gewesen wäre. Will heissen: Die IG hat eine Daseinsberechtigung als Wachhund der Schweizer SAP-Kunden. Gleichzeitig betont man bei der IG, dass man nach wie vor in engem Kontakt mit SAP stehe und auch in Zukunft das Gespräch suchen wolle. Die IG SAP CH besteht aus 50 Unternehmen mit einem SAP-Lizenzvolumen von 250 Millionen Franken, weitere Mitglieder sind gemäss IG-Sprecher Peter Hartmann jederzeit willkommen. (Maurizio Minetti)