Asien und Europa gehen die IPv4-Adressen aus

Ripe-Geschäftsführer Pawlik: "Das wird sich wohl stärker bemerkbar machen als einst Y2K".~
 
Spätestens im vierten Quartal 2011 gehen der für den asiatisch-pazifischen Raum zuständigen Regional Internet Registry (RIR) APNIC die IPv4-Adressen aus. Nach einer Schätzung des APNIC-Chefwissenschaftlers Geoff Huston könnte es bereits im Juni kommenden Jahres so weit sein. "Auch uns werden die IPv4-Adressen wohl im zweiten Halbjahr 2011 ausgehen", meint Axel Pawlik, Geschäftsführer des europäischen RIPE NCC im Gespräch mit pressetext.
 
Damit gehen die alten Adressen schneller zu neige, als zu Jahresbeginn erwartet. In seiner Funktion als Chairman der Number Resource Organization (NRO), Koordinierungsstelle der fünf RIRs, war Pawlik davon ausgegangen, dass die IPv4-Vorräte der lokalen Registries bis 2012 ausreichen. Das unterstreicht, wie dringlich die noch etwas schleppend laufende Umsetzung des neuen Standards IPv6 ist.
 
Kleine Vorräte
Nach konservativen Schätzungen werden APNIC die Adressen bis Ende 2011 ausgehen. Nach anderen Rechnungsmodellen ist bereits im September kommenden Jahres ein Ausgehen der Adressen wahrscheinlich und bereits im Juni 2011 denkbar. Mit dem nahenden kritischen Datum werden solche Schätzungen immer unsicherer. "Das liegt daran, dass wir nun mit relativ kleinen Zahlen arbeiten. Das ist wie bei einem Pub, das nur noch 100 Flaschen Bier vorrätig hat", erklärt Pawlik. Denn im Normalbetrieb mag das eine Zeit reichen. "Wenn der Stadtsäufer kommt, ist der Vorrat aber schnell weg", meint der NRO-Chairman.
 
Damit es bei IPv4-Adressen nicht allzu leicht zu bösen Überraschungen kommt, hat RIPE inzwischen die Vergaberegeln angepasst. Grosskunden wie Internet Service Provider (ISPs) und Telekom-Unternehmen müssen somit öfter Adressen anfragen und bekommen dabei kleinere Brocken. "Wir sehen aber keine Anzeichen für ein Horten von Adressen", betont der RIPE-Geschäftsführer. Hinter allen eingehenden Anfragen von Unternehmen stehe ein klar erkennbarer, realer Bedarf.
 
Umsetzungsdruck
Experten predigen schon seit Jahren, dass Unternehmen auf den Nachfolgestandard IPv6 umsteigen müssen, um Probleme zu vermeiden. "Wir sehen immer mehr Rollouts, was ein gutes Zeichen ist", sagt Pawlik. Allerdings ist es noch eine Minderheit unter den ISPs und anderen Grossunternehmen, die IPv6 wirklich umgesetzt hat. Dabei ist es im Zweifelsfall nur wichtig, nach aussen via IPv6 sichtbar zu sein, während die interne Infrastruktur noch mit dem alten Standard arbeiten kann. "Manche werden das aber verschlafen. Das wird sich wohl stärker bemerkbar machen als einst Y2K", so der NRO-Chairman. Wirkliche Sorgen macht er sich aber nicht. "Das Internet wird weiter laufen."
 
Wie wenige IPv4-Adressen verbleiben, zeigt jedenfalls das japanische INTEC Systems Institute mit einem Online-Counter. Nach dieser Schätzung sind heute nur noch rund 90 Mio. Adressen frei. Der Zähler liefert zudem eine Prognose, wann die den RIRs übergeordnete Internet Assigned Numbers Authority (IANA) den regionalen Vergabestellen die letzten fünf freien Adressblöcke vergeben wird. Dazu dürfte es schon im Februar 2011 kommen. (pte/bt)