ICT-Berufsbildung Schweiz frischt Ausbildungsangebot auf

Mediamatiker-Lehre neu positioniert. Attestausbildung zum Informatikpraktiker lanciert.
 
Passend zu den in der unlängst vorgestellten Berufsfeldanalyse des Berufsfeldes Informatik und Kommunikation kündigt ICT-Berufsbildung Schweiz das Inkraftsetzen von zwei neuen Bildungsverordnungen mit dem Segen des Bundesamtes für Berufsbildung und Kommunikation an. Beide Berufe werden eine wichtige Rolle spielen bei der Ausbildung von Fachleuten für das immer wichtiger werdende Berufsfeld.
 
Neu positionierte Lehre Mediamatiker/-in
Auf den 1. Januar 2011 wurde die Revision der Berufslehre Mediamatiker/-in in Kraft gesetzt. Diese vierjährige Ausbildung mit Fokus auf die All-Media-Kommunikation soll dazu beitragen, den in der Berufsfeldanalyse aufgezeigten grossen Bedarf an Fachleuten in diesem Bereich abzudecken. Die Ausbildung umfasst das Produzieren und Aufbereiten von multimedialen Informationen (Ton, Bild, Text, Grafiken usw.), Ausführen von Gestaltung und Design, den Einsatz von ICT-Mitteln in diesem Zusammenhang (HTML, CSS, PHP, Datenbankerweiterungen), Marketing und Kommunikation sowie das Mitgestalten von Projekten. Dank einer KV-ähnlichen Ausprägung der Allgemeinbildung mit viel Wirtschaft und Sprachen erwerben angehende Mediamatiker ideale Voraussetzungen für die Bearbeitung von Informationen über elektronische Medien, wie auch über den Papierweg. Mediamatiker können in allen Wirtschaftszweigen ausgebildet werden. Ideale Dienste leisten sie in Webfirmen und in Unternehmungen mit Kommunikationsbedürfnissen in allen möglichen Medien. In grossen Unternehmen können sie in Bereichen wie Marketing, Multimedia-Management, Kommunikation oder Verkauf ihr vielseitiges Wissen einbringen. Auch in Medienhäusern, Schulverwaltungen etc. finden sie ihren Platz.
 
Informatikpraktiker mit eidg. Berufsattest
Die Attestausbildung Informatikpraktiker wurde für den Aufgabenbereich Support der Benutzer, Technischer Support, Rollout, Wartung und Reparaturen und Tagesbetrieb der Systeme geschaffen. Angesichts des sich noch zuspitzenden Fachleutemangels sollten Informatik-Lernende und -Absolvent/-innen für den wirklichen Systemtechnik-Bereich vorgesehen werden. Für die einfacheren Aufgaben ist die Attestausbildung der richtige Ansatz - und zudem eine ideale Einstiegsmöglichkeit für junge Leute, die den Anforderungen der Systemtechnik- oder Supporter-Lehre nicht genügen. ICT-Berufsbildung denket dabei an Leute mit sprachlichen oder mathematischen Schwächen - die aber handwerklich und im Auftreten absolut für die Informatik geeignet sind. Die Informatik kann sich diesen Leuten nicht verschliessen - das wäre ein sich rächender Fehler angesichts des auf uns zukommenden Fachleutemangels. Mit dieser Ausbildung kann auch der Einsatz von Ungelernten umgangen werden - auch das würde der Qualität der Dienstleistungen sicherlich nutzen.
 
Die Ausbildung dauert 2 Jahre. Für die Betriebe ist diese Ausbildung auch wegen der Absenzen attraktiv: Die Auszubildenden gehen nur einen Tag pro Woche an die Berufsschule, stehen also dem Betrieb an 4 Tagen pro Woche zur Verfügung. Seit 2007 bestand in den Kantonen Bern und Zürich ein Pilotbetrieb unter der Bezeichnung “Infopraktiker“. Die Ergebnisse sind durchwegs positiv, die Betriebe waren offenbar zufrieden, sie haben nämlich wiederholt solche angestellt. Die jungen Leute haben sich sehr eingesetzt und die gleichen Module durchlaufen, wie Informatiker/innen des Schwerpunkts Support im 1. Lehrjahr. Das Gros hat nach der Infopraktikerausbildung noch eine normale Supporter-Lehre folgen lassen. Teilweise wurden sie sogar in die 2. Klasse dieser Lehre genommen. Im Kanton Zürich wird im Juni von der Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik immer eine Umfrage bei den Absolvent/-innen durchgeführt. Die Infopraktiker hatten zu dieser Zeit schon alle ihre Nachfolgelösung. Basierend auf diesen guten Resultaten wurde die definitive Einführung in allen Kantonen beschlossen - ein Prozess der nun anläuft.
 
Lehrstellenförderung nun zentrales Projekt
Auf 170'000 Informatikerinnen und Informatiker in diesem Lande kommen heute jährlich neue 2300 Lernende, insgesamt sind es heute 9'000. Bis im Jahr 2017 werden der Schweiz 32'000 Fachleute fehlen. Es geht nun darum, die Anzahl Lehrstellen deutlich zu erhöhen und einen Teil der Bedürfnisse aus Eigenleistung bereitzustellen. Würden alle Informatiker/-innen 40 Jahre tätig bleiben, müssten wir, nur schon um die zu Pensionierenden zu ersetzen, jährlich ungefähr doppelt soviele ausbilden. Aber der Bedarf ist deutlich höher.
 
Wer kann ausbilden? Das ist relativ einfach zu sagen: Informatik- und Mediamatik-Profis mit Aufgaben im entsprechenden Gebiet können das tun: Supportbereich, System- und Netzwerktechnik, Applikationsentwicklung (Programmierung) oder im All-Media-Bereich. Die kantonalen Lehrmeistervereinigungen oder ICT-Berufsbildung Schweiz geben gerne Auskunft. (Alfred Breu, Präsident der Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik)