Level 3 und Global Crossing: Hochzeit in Rot

Der Internet-Carrier Level 3 möchte seinen Konkurrenten Global Crossing für rund 1,9 Milliarden Dollar übernehmen. Schon der Kaufpreis allein ist ein Zeichen dafür, wie sich die Zeiten geändert haben. Im Jahr 2000 hatte Global Crossing noch einen Börsenwert von über 20 Milliarden Dollar.
 
Die beiden Verwaltungsräte haben sich geeinigt, nun müssen, falls sich nicht ein anderer Käufer meldet, noch die Aktionäre und die zuständigen Behörden zustimmen.
 
L'amour en rouge
Die Übernahme soll zwei der Unternehmen zusammenbringen, welche die grossen, Länder und Kontinente verbindenden Glasfaserkabel, die das "Rückgrat" des Internets bilden, besitzen. Gleichzeitig soll sie die beiden Carrier aufgrund der dadurch erhofften Einsparungen endlich einmal in die schwarzen Zahlen bringen. Beide leiden unter ähnlichen Problemen. Der Bau ihrer Netzwerke erforderte einst riesige Investitionen und brachte eine hohe Verschuldung, während der Preis für die Vermietung von einzelnen Fasern und Transferkapazitäten aufgrund technologischer Fortschritte und den entstandenen Überkapazitäten viel schneller sank, als man vor dem Jahr 2000 erwartete.
 
Level 3 will den gesamten Kaufpreis mit eigenen Aktien bezahlen – kein Wunder, denn in der Kasse von Level 3 dürfte nicht viel Bares vorhanden sein. Das Unternehmen hat seit 1998 noch nie ein Geschäftsjahr mit einem Reingewinn beendet. Letztes Jahr betrug der Verlust 622 Millionen Dollar. Level 3 konnte allerdings, im Gegensatz zu Global Crossing, bisher einen Konkurs vermeiden. Global Crossing musste im Januar 2002 in den USA Gläubigerschutz beantragen. Im Jahr danach schrieb Global Crossing seinen ersten und einzigen Jahresgewinn, operierte danach aber wieder in den roten Zahlen. Letztes Jahr betrug der Verlust 172 Millionen Dollar. (hjm)