Swisscom IT Services verliert Outsourcing-Vertrag mit Tamedia

Der Zürcher Verlag verlängert den 2012 auslaufenden Vertrag nicht. Swisscom IT will dies mit neuen Aufträgen kompensieren. Bei Tamedia übernimmt Edipresse-Mann Rafael Corvalan die Leitung der internen IT.
 
Gestern teilte Swisscom in einer Mitteilung nicht ohne Stolz mit, dass Swisscom laut einer IDC-Studie für Schweizer Unternehmen der beste ICT-Dienstleister der Schweiz sei. Der Chef von Swisscom IT Services (SITS), Eros Fregonas, liess sich in der Mitteilung mit der Aussage zitieren, dies sei ein "grosser Vertrauensbeweis und eine äusserst motivierende Bestätigung unserer guten Arbeit, welche unsere Mitarbeitenden täglich im Sinne unserer Kunden erbringen." Zumindest ein Vorzeigekunde scheint aber anderer Meinung: Der Zürcher Verlag Tamedia hat sich entschieden, den im September 2012 auslaufenden Vertrag mit SITS nicht zu erneuern.
 
"Lücke mit neuen Aufträgen vollumfänglich kompensieren"
Tamedia hatte die IT 2004 an SITS ausgelagert. Die Zusammenarbeit war allerdings von Anfang an nicht zufriedenstellend, um es mal euphemistisch auszudrücken. Jahrelang schnitt die nicht ausgelagerte IT der Berner Tamedia-Tochter Espace laut internen Umfragen besser ab. Wie Roger Semprini, Leiter IT-Outsourcing bei SITS, gegenüber inside-it.ch nun aber sagt, waren die Umfrageresultate in den letzten 18 Monaten jedoch "sehr gut". Offenbar kam diese Verbesserung aber zu spät.
 
Semprini betont, dass SITS zwar einen Vertrag verloren habe, jedoch "nicht einen Kunden". SITS habe nämlich neben dem Infrastruktur-Outsourcing immer auch diverse kleinere Projekte bei Tamedia durchgeführt. Man sei auch weiterhin bereit, solche Projekte durchzuführen, so Semprini. Der Verlag betont andererseits, dass man im Kommunikationsbereich (Unified Communications, Mobiltelefonie) weiterhin mit Swisscom (nicht aber mit SITS) zusammenarbeiten werde.
 
Finanziell, glaubt SITS, werde man den Weggang von Tamedia verkraften können. "Wir werden alles daran setzen, die Lücke mit neuen Aufträgen vollumfänglich zu kompensieren", ist Semprini überzeugt. Bei Tamedia geht man davon aus, dass die IT-Kosten durch das Insourcing im zweistelligen Prozentbereich sinken werden.
 
Tamedia wird "digitaler" - IT wird wichtiger
Als Grund für den Entscheid zum Insourcing gibt Tamedia an, dass man sich vermehrt in Richtung digitale Medien orientiere und dabei eine starke interne IT immer wichtiger werde. Bislang hatte Tamedia die IT von Espace in Bern und Edipresse Schweiz in Lausanne selber betrieben. Das Insourcing in Zürich sieht man bei Tamedia als Folge des Zusammenschlusses der drei Verlage. Die gesamte Informatik wird nun schrittweise vereinheitlicht und ab 2013 vollständig im Eigenbetrieb geführt. Die neue IT werde, aufbauend auf den bestehenden Kompetenzen in Bern und Lausanne, mit dezentralen Teams in Bern, Lausanne und Zürich bei ihren internen Kunden vor Ort sein, wie Tamedia in einer Mitteilung schreibt.
 
Die Transition von SITS zu Tamedia hat noch nicht begonnen, bis Ende 2012 wird SITS den Betrieb aufrecht erhalten, wie Semprini betont. Zurzeit kümmern sich um die 40 Personen bei SITS um Tamedia, davon ist allerdings eine Vielzahl auch für andere Kunden zuständig. Sowohl SITS als auch Tamedia gehen davon aus, dass man einigen Angestellten ein Jobangebot unterbreiten werde.
 
Durch die Übernahme der IT in den Eigenbetrieb werden bei Tamedia rund 20 neue Stellen geschaffen. Insgesamt beschäftigt Tamedia damit zirka 100 Personen in der Informatik-Abteilung. Der bisherige IT-Chef von Edipresse in Lausanne, Rafael Corvalan, wird oberster IT-Verantwortlicher. René Haiss, bislang IT-Chef von Tamedia, und Olivier Guyer, IT-Chef von Espace, sind ihm unterstellt. (Maurizio Minetti)