Die Ziele der Genfer Kantonsregierung waren hoch gesteckt: E-Government sollte Amtshandlungen für die Bürgerinnen und Bürgern vereinfachen und gleichzeitig die Verwaltung leistungsfähiger und günstiger machen. Vor drei Jahren sprach der siebenköpfige Conseil d'Etat darum 26 Millionen Franken, um ein Paket aus zehn E-Government-Projekten mit dem Namen "administration en ligne" (AeL) umzusetzen.
Bei der Planung seien die Prioritäten für die Teilprojekte falsch gesetzt worden. So können heute zwar Demobewilligungen (nach einer Registrierung, die für alle AeL-Dienste gilt) übers Internet beantragt werden, die digitale Steuererklärung muss aber weiterhin um einen Zettel mit Unterschrift per Post ergänzt werden. Dies, so die Rechnungsprüfer, weil nur ungenügende juristische Vorabklärungen gemacht worden seien.
Beim Informatikamt werden die Vorwürfe der Rechnungsprüfer nicht bestritten. Der DICT-Chef Robert Monin relativierte sie allerdings gegenüber der 'Tribune de Genève'. Die Fehlgriffe mit den externen Beratern seien "isolierte Fälle", zudem habe man nicht immer vorgängig die notwendigen Informationen, um einen Auftrag genau zu definieren und seine Umsetzung zu kontrollieren. "Da geht man immer Risiken ein", so der Chef des IT-Amtes.
Die Rechnungsprüfer kommen schliesslich zum Schluss, dass es für die Einzelbudgets der einzelnen Teilprojekte keine solide Basis gegeben habe und jetzt Zusatzkredite nötig werden könnten, um das AeL-Programm doch noch auf den richtigen Weg zu bringen. Sie haben auch Empfehlungen gegeben für die Fortführung des Projektes, das jetzt "AeL2" heisst. (Philippe Kropf)
