Mobilfunkbranche wehrt sich gegen WHO

Gestern hat die WHO die Mobilfunktechnologie als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Der Welt-Handy-Verband CTIA will davon nichts wissen.
 
Die Wissenschaftler der internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben an einem Treffen in Lyon die gesamte verfügbare Literatur zu den Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung bewertet. Gestern haben sie die Ergebnisse bekannt gegeben: Sie kamen zum Schluss, dass die WHO Mobiltelefone als "möglicherweise krebserregend" einordnen soll.
 
Diese so genannte Kategorie 2B ist die dritthöchste von insgesamt fünf Kategorien, die von "krebserregend für Menschen" bis zu "wahrscheinlich nicht krebserregend" reichen. In der Kategorie 2B finden sich über 250 Substanzen und Tätigkeiten. Die Einteilung in diese Kategorien gilt als vorläufig, neue Forschungsergebnisse können ein Umteilung notwendig machen.
 
"Es ist wichtig, dass zusätzliche Forschung den langfristigen, intensiven Gebrauch von Mobiltelefonen untersucht", sagte IARC-Direktor Christopher Wild. "Bis diese Informationen vorliegen, müssen pragmatische Massnahmen die Strahlung reduzieren, beispielsweise durch den Gebrauch von Headsets oder dem Verschicken von SMS."
 
Welt-Handy-Verband wehrt sich
Der Verband der internationalen Mobilfunkindustrie (CTIA) wehrt sich gegen die Einteilung und kritisiert den Entscheid heftig. Insbesondere, dass keine neue Forschung durchgeführt wurde, sondern nur bisherige Ergebnisse beurteilt worden seien. "Diese Klassifizierung bedeutet nicht, dass Mobiltelefone Krebs auslösen", betonte die CTIA in einer Mitteilung. "In der Kategorie 2B sind auch eingelegtes Gemüse und Kaffee aufgeführt."
 
Ein Blick auf die Liste bestätigt dies, allerdings wird die Liste doch dominiert von Substanzen wie PCB-126, Silikonstaub oder Gammastrahlen.
 
Handy als Heizung
Die WHO hat seit 1996 ein Auge auf die Auswirkungen von elektromagnetischen Strahlen auf die Gesundheit. In einem Grundsatzpapier aus dem vergangenen Jahr hielten die Mediziner fest, dass die im Mobilfunk verwendeten nicht-ionisierenden Strahlen zwischen 450 und 2700 Mhz keine chemischen Elemente aufbrechen oder Moleküle im Körper ionisieren, also durch die Entfernung von Elektronen positiv aufladen können. Dies im Gegensatz zu den ionisierenden Strahlen beim Röntgen.

Der wichtigste physiologische Austausch zwischen Mobiltelefon und Mensch sei die Erwärmung des menschlichen Gewebes. Allerdings würde die Haut den allergrössten Teil dieser Wärme absorbieren und so das Gehirn und alle anderen Organe im Körper nur vernachlässigbar erwärmt.
 
Dies sei die einzige Auswirkung auf den Körper, welche alle bisher durchgeführten Studien belegten. Tierversuche würden auch keinen Zusammenhang mit dem Entstehen von Gehirntumoren nahelegen. (Der Bericht verweist an dieser Stelle auf das nachgewiesen erhöhte Risiko von Unfällen beim Gebrauch von Mobiltelefon im Strassenverkehr.) (pk)