Megaprojekt: PostFinance migriert Zahlungsverkehr auf TCS BaNCS

Bald folgt auch der Entscheid über die Software-Erneuerung im Passivgeschäft. Verabschiedet sich PostFinance definitiv von Avaloq?
 
PostFinance steht vor einem der grössten IT-Projekte, die je beim Finanzdienstleister der Post durchgeführt worden sind. Für eine ungenannte Summe will das Unternehmen seine bald zwanzig Jahre alte Software für die Kontoführung und den Zahlungsverkehr ersetzen. Es dürfte sich um einen riesigen Auftrag handeln, wenn man bedenkt, dass PostFinance mit fast 900 Millionen Transaktionen pro Jahr die Nummer eins im Schweizer Zahlungsverkehr ist.
 
TCS BaNCS rein, Paranor raus
Den Auftrag zur Erneuerung der Systeme im Kerngeschäft gewonnen hat der indische IT-Anbieter Tata Consultancy Services (TCS), der auch in der Schweiz präsent ist und die Kernbankensoftware TCS BaNCS entwickelt. PostFinance spricht von einer "intensiven Evaluation", will aber nicht sagen, welche anderen Software-Anbieter sich zuletzt auf der Shortlist befanden. Betrieben wird TCS BaNCS in den Rechenzentren von PostFinance in Bern und Zofingen.
 
Die bestehenden Zahlungsverkehrssysteme für die Kontobewirtschaftung und Abwicklung der Transaktionen sind seit 1993 im Einsatz. Sie sollen, obwohl sie nach wie vor "sehr leistungsfähig, stabil und effizient" seien, in den nächsten vier Jahren schrittweise abgelöst werden. Grund dafür ist, dass Wartung und Weiterentwicklung der Software an ihre Grenzen stossen. Wie es auf Anfrage heisst, basieren die bestehenden Systeme auf Paranor.
 
Die Migration auf die neuen Systeme habe "Auswirkungen auf einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der PostFinance-Informatik." Es werde zu Verschiebungen in den Funktionen und Kompetenzen kommen, doch ein Stellenabbau sei nicht vorgesehen. Externe Mitarbeitende müssen sich jedoch auf ein reduzierteres Auftragsvolumen gefasst machen.
 
Wer gewinnt den Deal im Passivgeschäft?
PostFinance befindet sich zurzeit in einer IT-Erneuerungsphase. Erst Ende 2010 entschied man, im Kreditgeschäft von Avaloq auf WinCredit zu migrieren. Nach dem jetzigen Entscheid im Zahlungsverkehr stellt sich die Frage, welcher Softwarehersteller bei der Erneuerung im Passivgeschäft (Finanzanlagen, Devisengeschäft) zum Zug kommen wird. Hier setzt PostFinance zurzeit noch auf Avaloq, doch man prüfe zurzeit Alternativen, heisst es aus Bern. Es scheint sich also abzuzeichnen, dass PostFinance bald ganz auf Avaloq verzichten könnte. Entschieden ist aber noch nichts. (Maurizio Minetti)
 
(Interessenbindung: Avaloq ist als "Sponsor" ein Werbekunde unseres Verlags.)