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Donnerstag, 07.07.2011
In den Software-Fabriken Vietnams (II)

Nhung nguyen
Wie Nhung Nguyen mit vier Leuten in einem 27-Quadratmeter-Raum eine Software-Firma startete und warum sie den gleichen Traum träumt, wie Topmanager Hong Tran vom Software-Riesen TMA Solutions.
 
In Vietnam scheint alles jung: Die Bevölkerung, im Schnitt nur gerade 25 Jahre alt, die Firmen, denn erste Schritte in eine Form von Marktwirtschaft gab es erst ab 1989 und sowieso die Software-Industrie. Doch der Wandel ist schnell. Begannen 2006 noch 30'000 junge Leute ein Studium im IT-Umfeld so waren es 2009 bereits über 56'000. Und Software ist DAS Ding: 1997 mit sechs Ingenieuren und einem Kunden (Nortel) gegründet, so beschäftigt die zweitgrösse vietnamesische Software-Firma TMA Solutions heute über 1000 Ingenieure und bedient Kunden wie IBM, Avaya, Tata, NTT und NEC.
 
Auch Nhung Nguens Firma Orient Software Devolopment gibt es noch nicht lange. Nhung (Foto) hat in Singapur und Europa Chemie und später auch Business Administration studiert und gründete 2005 nach ihrer Rückkehr eine winzige Software-Firma. "Ich sah, dass IT die Zukunft für junge Menschen in Vietnam sein würde, denn die Nachfrage nach Outsourcing-Diensteistungen aus Nordamerika und Europa war steigend. Ich hatte Glück, denn damals konnte man sehr günstig Leute anstellen. Also startete ich meine Firma mit vier Leuten in einem 27 Quadratmeter kleinem Büro. Am Anfang habe ich noch jeden Tag für meine Leute gekocht," erzählt Nhung. Sie ist heute nicht nur CEO ihrer eigenen Firma, sondern leitet auch die über 100-köpfige vietnamesische Niederlassung der Schweizer Axon Active als Managing Director
 
Ausprobieren, scheitern, wieder ausprobieren
Bis aus Orient Software Development etwas wurde, haben Nhung und ihre Leute vieles ausprobiert. Sie entwickelten eine Lösung für Lizenzenmanagement, die noch heute gerne heruntergeladen wird, für die aber niemand zahlen will, dann bauten sie Webseiten und versuchten sich sogar mit der Vermittlung von Freelancern.
 
Dann lernte Nhung, dass sie mehr investieren musste, wenn sie Erfolg haben wollte. Denn ein koreanischer Kunde mit Potential zum Grosskunden lehnte den Vertrag nach einem Besuch in Ho Chi Minh City ab, da er der Kleinfirma in dem winzigen Büro nicht traute. "Er fragte mich, wie ich denn in diesem winzigen Büro zusätzliche Leute anstellen wolle," erzählt Nhung lachend. Also investierte sie mehr und zog in ein "respektableres" Büro um. "Seitdem vertrauen uns die Kunden und die Mitarbeiter sind auch glücklicher," sagt sie lapidar.
 
Der Traum von der eigenen Software
Wann wird man in Vietnam nicht nur Software für die IBMs, Avayas und Sorecos dieser Welt herstellen, sondern mit eigenen Produkten die Welt oder mindestens das eigene Land erobern?
 
Nhung antwortet genau gleich auf diese Frage, wie Hong Tran, Vice President und Verantwortlicher für Business Development von TMA Solutions: "It is a dream".
 
Ein Traum, der vielleicht schneller in Erfüllung gehen könnte, als man denkt. Denn der Markt für Software für mobile Geräte ist "für alle neu", wie Hong sagt: "Es ist für uns sehr schwierig, in etablierten Märkten Fuss zu fassen. Aber mobile Lösungen sind neu und alle haben die gleichen Voraussetzungen. Deshalb investieren wir nun sehr viel in Software für mobile Geräte. Wir werden zuerst Produkte für den lokalen Markt entwickeln."
 
Auch Orient Software bietet die Entwicklung von Software für mobile Plattformen (Android, iPhone, Windows Mobile) an. Doch für Nhung ist die Entwicklung eines eigenen "Produkts" noch in weiter Ferne: "Um für den Weltmarkt zu produzieren, braucht man eine gute Idee. Und man muss sehr viel in Sales, Marketing, After-Sales-Services und Unterhalt investieren können. Im Moment können wir uns solche Investionen nicht leisten. Aber sagen sie es uns doch, wenn sie eine Idee haben...".
 
"Europäer und Nordamerikaner konkurrenzieren"
Indische Firmen entwickeln heute in Vietnam, weil die Löhne der Software-Ingenieure tiefer und die Fluktuation geringer sind. Doch wohin verlagert ein grosser Outsourcer wie TMA Solutions die Produktion, wenn die Löhne in Vietnam steigen - ein Prozess der bereits in Gange ist.
 
Die Antwort von Hong ist überraschend und könnte typisch vietnamesisch sein. Er findet es nämlich gut, wenn immer mehr ausländische Grossfirmen in Vietnam Entwicklungszentren eröffnen und wenn dadurch die Löhne steigen. Hong: "Die Löhne steigen, aber unsere Kosten steigen nicht. Wir müssen halt effizienter werden und unsere Prozesse verbessern. Und wir müssen höherwertige Dienstleistungen anbieten, die höhere Preise erzielen. Dann können wir europäische und nordamerikanische Firmen konkurrenzieren."
 
Auf für Nhung ist Offshore-Entwicklung eher der Weg denn das Ziel. Heute sei der vietnamesische Software-Markt noch sehr unreif, sagt Nhung. Kunden könnten Requirements nur schlecht formulieren, hätten überissene Erwartungen und kein Geld. "Vietnam ist heute dort, wo Europa in den 70er Jahren war. Doch es ist eine Frage der Zeit. Vielleicht wird es in 10 Jahren einen starken vietnamesischen Software-Markt geben - und wir werden dort sein. (Christoph Hugenschmidt)
 
(Interessenbindung: Der Journalist wurde von Soreco, einem Kunden von Axon Active nach Ho Chi Minh Stadt (Economy Flug und Hotel) eingeladen.)
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