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Freitag, 07.10.2011
Exklusiv! InCore migriert auf Finnova

Die Transaktionsbank InCore verzichtet auf Legando & Co. und wird ihre Kunden auf die Bankensoftware der Aargauer Finnova migrieren. InCore-CEO Jack Hertach zurückgetreten.
 
Ist "Best-of-Breed" im Schweizer Bankensoftwaremarkt definitiv ein Auslaufmodell? Dem Beispiel anderer Akteure folgend, hat sich jetzt auch die aus der Privatbank Maerki Baumann hervorgegangene Transaktionsbank InCore entschieden, auf eine Standardlösung zu migrieren und sich so vom Prinzip zu verabschieden, verschiedene Module von verschiedenen Herstellern zu beziehen. InCore verwendete bisher die Komponenten OTMS (Frontsystem von IBM), SAP (Buchhaltung) und Legando (Kernprodukt). Doch nun will man auf die Kernbankensoftware von Finnova migrieren. Legando-CEO Marc Linder bestätigt gegenüber inside-it.ch: "Ja, InCore hat sich entschieden, auf Finnova zu migrieren." Für Legando bedeute dieser Entscheid aber keineswegs der Untergang: "Wir bedienen nach wie vor Entris Operations, die Berner und die Jurassische Kantonalbank. Ausserdem haben wir ein paar interessante Leads", so Linder. Maerki Baumann hatte Legando vor drei Jahren an die Berner Kantonalbank verkauft.
 
Hertach gibt CEO-Funktion ab
InCore-CEO Jack Hertach, der das Unternehmen seit der Gründung führt, wollte die bevorstehende Migration auf Finnova schon vor einigen Tagen gegenüber inside-it.ch nicht kommentieren und verwies auf Arthur Bolliger, Präsident des Verwaltungsrates von InCore, der allerdings ebenfalls keinen Kommentar abgeben wollte. Gestern nun gab InCore den Rücktritt Hertachs per 31. Dezember bekannt. Per 1. Januar 2012 wird André Bitzi, derzeit stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung, die InCore-Bank als CEO führen. Er werde dabei von seinen Geschäftsleitungs-Kollegen, Mark Dambacher, René Hertach und Werner Metzger unterstützt, heisst es in der Mitteilung.
 
Man könnte annehmen, dass der Rücktritt Hertachs mit der Strategieänderung von InCore zusammenhängt. Zudem musste erst Anfang Jahr die Falcon Private Bank ein InCore-Projekt abbrechen. Musste Hertach deswegen und für das Festhalten an der Best-of-Breed-Strategie über die Klinge springen? Hans G. Syz, Verwaltungsratspräsident von Maerki Baumann, dementiert: "Das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nichts zu tun." Hertach sei einer der dienstältesten Mitarbeiter der Maerki-Baumann-Gruppe und seit 41 Jahren dabei. Ausserdem werde er weiterhin im Unternehmen tätig bleiben. "Gäbe es Meinungsverschiedenheiten, wäre er sicher nicht geblieben", untermauert Syz, dessen Familie Maerki Baumann und damit auch InCore kontrolliert. Hertach scheint also schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt zu haben, künftig kürzer zu treten.
 
Was die bevorstehende Migration auf Finnova betrifft, wollte Syz keinen Kommentar abgeben: "Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt."
 
Sieg für Finnova / Niederlage für Legando und HP
Der Entscheid von InCore und deren Besitzerin Maerki Baumann, die bisherigen Systeme, zu denen übrigens auch noch eine Hostlösung gehört, durch Finnova abzulösen, bedeutet viel für den Lenzburger Software-Hersteller. Denn mit Maerki Baumann ist Finnova definitiv der Schritt in den Markt der Privatbanken gelungen. Bereits 2006 sagte Finnova-Chef Charlie Matter im Gespräch mit inside-it.ch, er strebe die Rückkehr in den Privatbanken-Markt an, um das längerfristige Wachstum der Firma zu sichern. Dies ist zwar gelungen, doch konnte Finnova bisher erst eher kleinere Privatbanken überzeugen.
 
Hingegen ist der Verlust von InCore für Legando und damit indirekt auch für Hewlett-Packard ein schwerer Schlag. Die Entwicklung von Legando wurde ürsprünglich von Maerki Baumann initiiert. 2008 übernahm die Berner Kantonalbank die Software-Firma, deren Lösung Teil der neuen Berner Kernbankenlösung IBIS3G ist. Diese wiederum wird seit der überraschenden Übernahme der meisten Assetts des Berner Rechenzentrums RTC durch Hewlett-Packard, von HP weltweit vertrieben - bisher mit wenig Erfolg. Wenn nun die Zahl der Legando-Anwender sinkt, so wird die Wartung und Weiterentwicklung nicht nur der Wertschriftenlösung, sondern auch von IBIS3G teurer, was die sowieso schwierige Aufgabe, eine neue Kernbankenlösung in den Markt zu bringen, nicht einfacher machen wird. (Christoph Hugenschmidt / Maurizio Minetti)
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