Bund kauft Microsoft-Wartung für 30 Millionen - Euro

Diesmal keine freihändige Vergabe, sondern ein Händlerwettbewerb: Die Bundesverwaltung bezieht vom LAR SoftwareOne ein neues Microsoft Enterprise Agreement für die Dauer von drei Jahren.
 
Gestern wurde auf der Beschaffungsplattform simap.ch ein Zuschlag der Schweizerischen Bundesverwaltung an SoftwareOne publiziert. Der Large Account Reseller (LAR) mit Sitz in Stans gehört hierzulande zu den erfolgreichsten Businesspartnern von Microsoft und liefert dem Bund nun Microsoft Software Assurance für die Jahre 2012 bis 2014. Der Auftrag hat einen Wert von knapp 30 Millionen Euro (exkl. MwSt). Der Zuschlag erfolgte nach einem offenen Verfahren.
 
Händlerwettbewerb
Wie es in den Unterlagen zur Ausschreibung heisst, hat der Bund zurzeit ein Microsoft Enterprise Agreement (EA), das bis zum 31. Dezember 2011 gültig ist. Mit der Ausschreibung wurde nun ein Microsoft-LAR gesucht, der ein neues, indirektes EA anbietet. Als die ausschreibungslose Beschaffung eines solchen EA über Microsoft Irland im Mai 2009 bekannt wurde, gab es eine grosse Aufregung im Open-Source-Lager, das daraufhin den Rechtsweg einschlug. Man war der Meinung, dass der Bund den Auftrag Hersteller-neutral auszuschreiben hätte. Zwar schmetterte das Bundesgericht im März 2011 die Beschwerde ab, doch der Bund scheint seitdem gewillt, bei Beschaffungen transparenter aufzutreten.
 
Das für Beschaffungen zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) präzisiert auf Anfrage von inside-it.ch, dass im aktuellen Fall nicht neue Produkte, sondern die Wartung aller in der Bundesverwaltung bereits im Einsatz stehenden Microsoft-Produkte beschafft wurde. Der nun publizierte Zuschlag sei das Ergebnis eines offenen WTO-Vergabeverfahrens unter den autorisierten Händlern (sog. Händlerwettbewerb). Der Abschluss eines EA in einem Händlerwettbewerb stelle zudem "die wirtschaftlich günstigste Variante dar, die nachgefragte Wartung sicherzustellen".
 
War der Entscheid, einen Händlerwettbewerb durchzuführen statt den Auftrag freihändig an Microsoft zu vergeben, eine Folge des Rechtsstreits? "Nein, nicht in erster Linie", lautet die Antwort des BBL. Man sei bei allen Beschaffungen bestrebt, "den Wettbewerb soweit wie möglich spielen zu lassen". Seit der Vergabe des EA im Jahr 2009 habe der Softwarehersteller Microsoft sein Vertriebsmodell insofern angepasst, als er für Geschäfte mit der öffentlichen Hand nicht mehr nur direkte EAs mit Microsoft als Hersteller, sondern auch den Abschluss von (indirekten) EAs über seine Wiederverkäufer (LAR) zulasse. "Nachdem dadurch ein Händlerwettbewerb möglich wurde, war es für das BBL selbstverständlich, diesen Wettbewerb für die Vergabe des EA 12 mit einem offenen WTO-Verfahren auch spielen zu lassen", heisst es in der Stellungnahme des BBL. Und: "Dass mit diesem Vorgehen auch aufgezeigt werden kann, dass mit dem Rechtsmittelverfahren gegen die erwähnte Vergabe im Jahre 2009 offene Türen eingerannt wurden, begrüssen wir natürlich."
 
Euro-Preise "interessanter"
Eine Hersteller-neutrale Ausschreibung sei in diesem Fall nicht möglich, schreibt das BBL in der Stellungnahme. "Es war nicht möglich, weil die Schweizerische Eidgenossenschaft mit der vorliegenden Beschaffung die bereits erworbenen und im Einsatz stehenden Microsoft-Produkte aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht ersetzen, sondern lediglich deren ununterbrochene Funktionstüchtigkeit mittels Wartung für die Jahre 2012 bis 2014 sicherstellen will." Im Übrigen weist das BBL darauf hin, dass das Vergabeverfahren erst mit unbenütztem Ablauf der 20-tägigen Rechtsmittelfrist gegen den soeben publizierten Zuschlag abgeschlossen ist.
 
Auf die Frage, warum die Beschaffung in Euro erfolgte, antwortet das BBL lakonisch: "Die Euro-Preise sind aus Schweizer Sicht zurzeit wirtschaftlich wesentlich interessanter." (Maurizio Minetti)