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Mittwoch, 09.11.2011
"Ich bin auch ein Webserver"

Energy Valve Belimo
Dieses "intelligente" Ventil ist auch ein Linux-Webserver. Es kann andere Ventile Steuern, Temperaturen messen und den Fluss von Warm- oder Kühlwasser optimieren.
 
Würde man den Rohren der Gebäudetechnik des Empire State Buildings, des Burj Dubai, der British Library oder des Shangri-La Hotels in Guangzhou entlang kriechen, so würde man da und dort auf kleine orange Kästchen stossen, auf denen neben Barcodes und technischen Angaben irgendwo auch das Logo von Belimo und der Schriftzug "Made in Switzerland" zu finden sind. Es sind Antriebe für das Öffnen und Schliessen von Klappen in den Klima- und Lüftungsanlagen und Motörchen für den Betrieb der Ventile für Heizung und Klimaanlagen.
 
Belimo ist mit grossem Abstand vor den nächst kleineren Herstellern Weltmarktführer in seinem Spezialgebiet. Nur ein sehr kleiner Teil des Umsatzes wird in der Schweiz erzielt, produziert werden die jährlich etwa vier Millionen Antriebe aber zu drei Vierteln in Hinwil. Wer in der Schweiz forscht, entwickelt und herstellt, muss bessere Ideen besser umsetzen als die Konkurrenz. Belimo scheint dies zu gelingen: 2010 setzte der Konzern mit über 1100 Mitarbeitenden 426 Millionen Franken um und erzielte dabei einen Reingewinn von 61 Millionen Franken.
 
"Mehr Intelligenz in den Antrieben"
Belimo muss seine Produkte also dauernd erneuern und weiter entwickeln, um den Kunden einen Mehrwert zu bieten, der Preisunterschiede zu anderen Anbietern - etwa aus China - rechtfertigt. Die Idee bei der künftigen neuen Generationen der Antriebe aus Hinwil ist, mit dezentraler Logik die Steuerung von Heizung, Lüftung und Klima in Gebäuden zu verbessern, den Ressourcenverbrauch (Energie, Wasser) zu verringern und mehr Transparenz über die Prozesse in einem Gebäude zu schaffen.
 
Um dieses Ziel zu erreichen haben die Elektroingeniere die Unterstützung von Informatikern gesucht: "Wir hatten kein Know-How von Betriebssystemen, Webservern und Ethernet", sagt Entwicklungsleiter Peter Schmidlin. Also startete Belimo vor fünf Jahren ein Entwicklungsprojekt gemeinsam mit der Zürcher Ergon, um aus konventionellen Antrieben und Ventilen "intelligente" zu machen. So hat der Antrieb für das oben abgebildete "Energy Valve" nicht nur ein Elektromotörchen und ein Zahnradgetriebe, sondern er ist auch ein Linux-Computer und ein Webserver und kann Daten sammeln und weitergeben.
 
Die Investitionen von Belimo sind beträchtlich: Der Konzern investierte letztes Jahr über 25 Millionen Franken in Forschung und Entwicklung - und 10 bis 15 Prozent des F&E-Budgets fliessen in die Entwicklung von "intelligenten" Antrieben und Ventilen.
 
Elektrotechnik meets Informatik
"Wir wussten am Anfang des Projektes nicht, wo wir stehen und mussten neue Entwicklungsprozesse lernen. Beim Entwickeln von neuen Technologien ist uns die IT voraus. Dass unsere Produkte wartungsfrei während 10 oder 15 Jahren funktionieren müssen, war hingegen eine Herausforderung für die Informatik", so Schmidlin. So kann man den "Computer", der auch (und vor allem) der Motor für ein Ventil für Warmwasserleitungen ist, nicht einfach mit Updates patchen oder neu starten, wenn er nicht mehr will.
 
Anfang 2012 wird Belimo 'Energy Valve' im Weltmarkt lancieren. Das "Ventil, das auch ein Linux-Computer ist", kann etwas, was bisher noch gar nicht möglich war: Es kann den Durchfluss von Wasser optimieren, so dass der gewünschte Effekt zur Heizung oder Kühlung mit einem möglichst geringen Verbrauch von Wasser erzielt wird. "Da kann man richtig viel Energie einsparen", sagt Schmidlin.
 
Damit ist dann auch wieder ein "Schweizer" Preis zu rechtfertigen. Eine "Energy Valve" wird etwa doppelt so viel kosten wie eine konventionelle Version.
 
"Industrie hat Potential für die Informatik"
Für Pat Burkhalter von Ergon könnte der Entwicklungsauftrag für Belimo erst ein Anfang sein. "Die Industrie hat nicht genug Know-How, um Software zu entwickeln. Software ist wartbarer als Elektronik und Softwareingenieure sind anders als Elektroingenieure. Ich denke, Ergon wird noch mehr für die Industrie machen können", erzählt Burkhalter auf dem Weg nach Hinwil zu Belimos Innovations-Verantwortlichem Schmidlin.
 
Doch auch schon die Zahlen aus dem Belimo-Projekt allein sind eindrücklich: Mittelfristig soll etwa ein Zehntel der von Belimo produzierten Antriebe "intelligent" sein. Damit würden dann jährlich etwa 400'000 Linux-Computer "made an der Zürcher Dufourstrasse" von Hinwil aus in die ganze Welt verschickt.
 
Soll mal einer sagen, die Schweiz habe keine IT-Industrie. (Christoph Hugenschmidt)
 
(Interessenbindung: Ergon ist als Technologiepartner sowohl ein wichtiger Kunde wie auch Technologie-Lieferant unseres Verlags.)
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