Exklusiv! So wird das IT-Jahr 2012

Lesen Sie bereits heute, was sie 2012 beschäftigen wird.
 
Was Gartner kann, können wir schon lange: Prophezeien. Und ganz im Gegensatz zu anderen Propheten, die nach dem Prinzip "Never ask me about the bullshit I told you yesterday" nur ungern an ihre Prophezeiungen der Vergangenheit erinnert werden und nicht eingetretene Voraussagen mit der auch bei Politikern und Managern beliebten Behauptung "Die Medien haben mich falsch zitiert" der Gnade der Vergesslichkeit anheimfallen lassen wollen, stehen wir zum Mist, den wir letztes Jahr prophezeit haben. Müssen wir ja auch, denn wir sind das Medium.
 
So wurde Daniel Heinzmann nicht Chef des BIT, sondern Giovanni Conti bekam den grossen Besen in die Hand gedrückt. Trotzdem bleiben wir bei der Prophezeiung, dass aus dem Stadtzürcher Informatik-Boss spätestens 2012 etwas wird.
Wahrscheinlichkeit: 49,9 % Aus dem Mann wird ganz sicher ein grosses Tier. Aber wann?
 
In der Informatik des Bundes bricht die Hölle aus
Wahrscheinlichkeit: 99,9 %. Die geplante Zentralisierung und Standardisierung der Informatik der Schweizerischen Eidgenossenschaft wird zu erbitterten Grabenkämpfen zwischen den IT-Abteilungen der verschiedenen Departemente, dem BIT und dem BBL führen. Vor allem die Durchsetzung einer österreichischen Standard-Lösung für die papierlose Bundesverwaltung wird zum Eclat führen. VBS-Chef Ueli Maurer wird darauf beharren, dass sein Departement weiterhin mit ihrer eigenen Schweizer Lösung arbeiten dürfe, von "gebrochener GEVER-Konkordanz" reden und mit der Aktivierung von 20 im neuen VBS-SAP verloren gegangenen Leopard-Panzern drohen. Die Panzer werden auch tatsächlich in Bure aus dem SAP geholt und in Richtung Finanzdepartement in Marsch gesetzt, aber beim Übergang über den Jura duch einen todesmutigen Trupp der parlamentarischen Gruppe digitale Nachthaltigkeit, die sich als Demonstration für eine Open-Source-Lösung in Gänsbrunnen vor die Panzer setzen, aufgehalten.
 
In der Informatik des Bundes bricht nochmal die Hölle aus.
Wahrscheinlichkeit: Die restlichen 0,01% Ruedi Noser, der von der mächtigen Lobbygruppe "Glasfaser Schweiz" kurz vor Weihnachten unter wenig öffentlichem Aufsehen zum "ICT-Präsident" der Schweiz ausgerufen wurde, übernimmt im Herbst als Kopf eines Triumvirats die Macht über die Schweizer Wirtschaft. An seiner Seite stehen Thomas Flatt, der nun den Titel "Präsident-ICT" tragen darf und Andi Knöpfli, der auf einen Titel verzichtet, und lieber die graue Eminenz im Hintergrund gibt.
 
Natalie Rickli, deren Verlangen als Superministerin für das Web, die Medien und überhaupt alles andere mitzuregieren, abgelehnt wird, beschuldigt die drei darauf, die Konkordanz gebrochen zu haben und verschanzt sich im neuen Rechenzentrum im Bundeshauskeller. Da der Bundesrat seine Sitzungen seit Mai papierlos per Computer führt, ist sie dort ideal positioniert, um die Bundesratsbeschlüsse hin- und wieder heimlich – natürlich immer im Sinne der Konkordanz – zu "verbessern". Als der Bundesrat dies nach wenigen Monaten merkt – weil er feststellt, dass er offenbar beschlossen hat, die SRG für 1 Franken an Goldbach Media zu verkaufen - wendet er sich hilfesuchend an das Triumvirat. Knöpfli, der über seine alten Sun-Kontakte einen Tipp darüber erhalten hat, wie Oracle besonders renitente Hardware-Kunden zur Raison bringt, die keinen neuen Wartungsvertrag unterschrieben wollen, kann die Oracle-Server im Bundes-RZ durch ein Fernwartungs-SMS zum Glühen bringen, was Rickli aus dem Keller vertreibt.
 
Der Bundesrat unterschreibt darauf einen Oracle-Wartungsvertrag für die ganze Schweiz inklusive Matterhorn, kann aber den Verkauf der SRG nicht mehr rückgängig machen. Die Wahl von Natalie Rickli zur neuen SRG-Chefin lässt sich nicht mehr verhindern.
 
Swisscom wird die Gemeinde Lungern, inklusive Bürglen aber ohne Hinti mit Glasfasern versorgen und dies mit einer ausführlichen Medienmitteilung kund tun.
Wahrscheinlichkeit: 100 % Swisscom wird weitere 219 Schweizer Gemeinden, so etwa Riementstalden, Tomils, alle 7 Schwendis, Haggentobel, Fruthwilen, Uhwiesen, Sédeilles, Etagnières und Sonvico mit Glasfasern versorgen und die Bevölkerung mittels Medienmitteilungen über ihre ausgedehnte Wohltätigkeit informieren. Die Frage, was man mit den vielen Bits tun soll, die auf den Glasfasern in die Wohnung sausen, bleibt hingegen unbeantwortet.
 
Weil es keine zentrale IT-Messe mehr gibt, werden nach IBM, Microsoft, Cisco, EMC, NetApp, HP, Lenovo, Fujitsu, Canon, Sony und Swisscom nun auch Meier Informatik, Rüdisühli IT und Müller-Erb Telekom sowie weitere 2'419 ICT-Firmen Hausmessen an originellen Standorten veranstalten. Sie alle werden "die Medien" dazu einladen und per Telefon nachfragen, ob wir nicht über ihre von Ex-Vize-Miss-Graubünden Fränzi Clalüna moderierte Veranstaltung im Kurhotel Bad Ramsach berichten wollen.
Wahrscheinlichkeit: 100 % Zu den 2423 Hausmessen kommen noch 18 Security-Kongresse, sechs Veranstaltungen von Marktforschern, 12 IT-Awards und 21 "CIO-Foren".
 
Samsung verliert alle Patentstreitigkeiten gegen Apple
Wahrscheinlichkeit: Gottseidank nur 10 % Tritt diese Prophezeiung ein, so darf Samsung keine viereckigen Tablets und Smartphones mehr herstellen, da die Viereckigkeit der Geräte von Apple bei einem texanischen Patentamt patentiert worden ist. Samsung versucht es darauf mit runden Tablets und dreieckigen Smartphones, hat aber keinen Erfolg und wird an die Yakuza verkauft.
 
Was auch noch passieren wird
Und hier noch die einfachen Prophezeiungen, jene kommende Ereignisse also, die eigentlich jeder schon kennt: Oracle wird die Wartungsgebühren für Software und Hardware um weitere 30 Prozent erhöhen und damit die eh schon geplagten Banken in Schwierigkeiten bringen. Diese werden die höheren Kosten für die Datenbanken auf ihre IT-Lieferanten abwälzen, die im März per einfachen Brief per B-Post informiert werden, dass sie ihre Dienstleistungspreise rückwirkend per Anfang Jahr um weitere 15 Prozent senken dürfen. Dies wird Julius Bär aber nicht daran hindern, endlich doch noch Avaloq einzuführen. HP wird überrascht feststellen, dass WebOS ein tolles Betriebssystem ist und eine Reihe von revolutionären Cloud-Smartphones mit integriertem Drucker ankündigen. Der HP-Börsenkurs wird rasant in die Höhe schiessen, da man HP-Druckertinte zum Telefonieren brauchen wird. (Christoph Hugenschmidt / Maurizio Minetti / Hans Jörg Maron)
 
(Illu: Ein exklusiver Einblick in die Recherchemethoden von inside-it.ch. Hans Jörg Maron (mit Axt), Christoph Hugenschmidt und Maurizio Minetti (in Trance) interpretieren den Flug der Laptops.)