Massiver Stellenabbau bei Avaloq (Update)

Rückschlag für die Schweizer Software-Industrie. Bankensoftware-Hersteller muss 120 Stellen abbauen. CEO Fernandez: "Schmerzhaft".
 
Die Bankenkrise und der überteure Franken treffen den Schweizer Software-Überflieger Avaloq hart. Wie die 'Handelszeitung' heute Mittag exklusiv berichtet, baut Avaloq 115 Vollzeitstellen ab. Die Mitarbeitenden werden heute Nachmittag über die heftige Massnahme unterrichtet. Mittlerweile (17 Uhr) hat Avaloq in einer Mitteilung den Abbau von 120 Stellen in Zürich und Thalwil bekannt gegeben. Wie viele Entlassungen es geben wird, ist noch nicht bekannt. Zuvor hatten Insider gegenüber inside-it.ch gesagt, dass die Gespräche über die möglichen Entlassungen in den nächsten Wochen geführt werden sollen. Der geplante Stellenabbau wird laut Avaloq durch einen Sozialplan abgefedert.
 
Erst vor einem halben Jahr eröffnete Avaloq ein Entwicklungszentrum mit geplanten 500 Stellen im schottischen Edinburgh. Avaloq betonte damals noch, man halte am Standort Schweiz fest und wolle auch hier weitere Arbeitsplätze schaffen. Der Software-Hersteller beschäftigt heute 650 Mitarbeitende, weitere 600 Mitarbeitende gibt es bei der Tessiner B-Source, an der Avaloq 51 Prozent besitzt.
 
Bankenkrise und Franken
Nun ist dem Software-Hersteller offenbar die Bankenkrise und der starke Franken dazwischen gekommen. Banken sind schweiz- und europaweit gezwungen, ihre Kosten rasch und massiv zu reduzieren, was den Preisdruck auf Avaloq erhöht und die Nachfrage senkt. Zudem ist der Schweizer Markt der Retailbanken weitgehend gesättigt, während Privatbanken besonders stark unter Kostendruck stehen.
 
Auch der starke Franken schadet dem Software-Entwicklungsstandort Schweiz massiv, denn die Entwicklungskosten in der Schweiz haben sich für Avaloq-Projekte im Ausland ohne jedes Zutun des Anbieters um mindestens 20 Prozent erhöht.
 
Abbau in der Schweiz, Aufbau im Ausland
In der Mitteilung spricht Avaloq genau diese beiden Faktoren an. Die Marktlage habe sich im Zuge der Finanzkrise und des starken Schweizer Frankens weiter verschärft. Kurzfristig verhielten sich potenzielle Kunden von Avaloq abwartend oder befänden sich in Strategieprojekten. Der Softwarehersteller will weiterhin seine Internationalisierungsstrategie fortsetzen. Deshalb werden nun Aufgaben der Zürcher Niederlassungen ins Tessin verlagert und Kapazitäten im Ausland ausgebaut.
 
Der geplante Stellenabbau sei nach 25 Jahren ungebremsten Wachstums schmerzhaft für ihn, lässt sich Avaloq-CEO Francisco Fernandez in der Mitteilung zitieren. Für die konsequente Umsetzung der Wachstumsstrategie im heutigen Wettbewerbsumfeld sei diese Massnahme aber nötig. Angesichts des Informatikermangels in der Schweiz meint Fernandez, dass die Avaloq-Spezialisten auf dem Stellenmarkt sehr nachgefragt sind. Die Avaloq-Gruppe wolle auch weiterhin aus eigener Kraft wachsen und ihre Investitionen in Produkte und Dienstleistungen auf hohem Niveau belassen. "Über 50 Prozent des Umsatzes wird weiterhin in die Innovation und Software-Entwicklung investiert", so Fernandez.
 
Noch kein Entscheid der Tessiner KB
Im Übrigen hat sich die Tessiner Kantonalbank, die vor einem Software-Entscheid steht, noch nicht entschieden, wie ein Mediensprecher auf Anfrage gegenüber inside-it.ch sagte. Die Evaluation sei noch in Gang. Im Rennen für den Auftrag der BancaStato sind neben Avaloq auch die Lenzburger Finnova und die Genfer Eri Bancaire. (Christoph Hugenschmidt)
 
(Interessenbindung: Avaloq ist als "Sponsor" ein Werbekunde unseres Verlags.)