Für den Aufbau des ASP-Angebots (ASP steht für Application Service Provider) hat SunGard vor etwas über einem Jahr Enzo Giannini, der als ehemaliger Manager bei B-Source, TKS und zuletzt Finaclear das Outsourcing-Geschäft gut kennt, an Bord geholt. In den letzten 12 Monaten hat SunGard in Zürich ein Dienstleistungszentrum aufgebaut und gemäss Giannini auch bereits zwei Kunden gewonnen, die er aber nicht namentlich nennen will. "Wir sind von einem Pasta-Hersteller zu einem Restaurant geworden", sagt Enzo Giannini.
Anbieter von Dienstleistungen und Lösungen für Privatbanken erleben interessante Zeiten, denn ihre Kunden müssen gleichzeitig neue Geschäftsmodelle entwickeln und Kosten reduzieren. Die Auslagerung von ganzen Geschäftsprozessen (Business Process Outsourcing) oder zumindest der IT-Systeme dürfte für mehr Banken als bisher zu einer Option werden. Zudem ist mit weiteren Übernahmen und Zusammenschlüssen zu rechnen, die wiederum den Bedarf nach neuen Kernbankensystemen auslösen können.
Der massive Stellenabbau beim Zürcher Software-Überflieger Avaloqlässt die Frage aufkommen, ob man angesichts des sehr teuren Frankens und der relativ hohen Lohnkosten in der Schweiz überhaupt noch Software für den ausländischen Bankenmarkt entwickeln kann. SunGard hat diese Frage, wenn auch primär aus Ressourcengründen, schon lange für sich beantwortet. Neben 45 Entwicklern in Genf arbeiten auch ungefähr gleich viele in Tunis an der Weiterentwicklung von Ambit. Tunesien habe ein ähnliches Schulsystem wie Frankreich mit guter technischer Ausbildung, ist in der gleichen Zeitzone wie die Schweiz und ab Genf sehr leicht zu erreichen, erläutert Bardini den Entscheid für ein Nearshore-Zentrum in dem arabischen Land. (Christoph Hugenschmidt)
