Technologie-Partner
Gold-Sponsor:
Dienstag, 13.03.2012
Windows 8: Schmackhaft für Entwickler und Anwender

Samsung Slate mit der Consumer Preview von Windows 8
Mit Windows 8 will Microsoft Apples Dominanz im Tablet-Markt brechen. Ob dies gelingt, hängt von Zahl und Qualität der Anwendungen ab - die Entwickler sollen's richten. App-Hersteller bekommen bei Microsoft ab einem gewissen Umsatz mehr als die bei Apple üblichen 70 Prozent des Umsatzes.
 
Microsofts gestrige Windows TechConference war punkto Zielgruppe zweigeteilt: An das IT-Fachpublikum, mit rund 60 Prozent der Löwenanteil der Teilnehmer – wie bei solchen Gelegenheiten üblich grossmehrheitlich männlichen Geschlechts, richteten sich die Referate zum Windows Server 8 und dessen Einsatz in der Unternehmens-IT. Die Windows-Server-Sessions von Markus Erlacher wurden mit viel Interesse und ordentlichem Applaus aufgenommen.
 
Entwickler sind angesprochen
Für Microsoft langfristig bedeutender dürfte aber die andere Hälfte des Anlasses sein: Windows 8 für Entwickler. Im Zentrum stehen hier sogenannte Apps für die Windows-8-basierten Tablets, mit denen Microsoft ab der Freigabe der neuen Systemversion, erwartet irgendwann im Herbst 2012, die erfolgsgewohnte Firma Apple das Fürchten lehren will.
 
Bisher hatte man von Redmond aus wenig Fortüne mit der noch von Steve Jobs postulierten "Post-PC"-Ära: Zwar gibt es seit mehr als zehn Jahren Tablet-PCs (man erinnert sich dunkel an die Windows XP Tablet Edition), die wegen exorbitanter Preise, schlechter Leistung und zu hohen Gewichts jedoch nur in Nischenanwendungen genutzt wurden. Und auch ein Smartphone-Betriebssystem hat Microsoft schon lange, aber erst mit Windows Phone 7.5 und der faktischen Übernahme des Nokia-Smartphonegeschäfts kommt die Sache so ganz allmählich in die Gänge.
 
Letzte Chance Windows 8
Mit Windows 8 soll sich dies nun radikal ändern. Das Ziel ist klar: Verglichen mit den 182 Millionen Mac- und iOS-Nutzern und auch mit den 247 Millionen Android-Usern sieht Microsoft in der installierten Basis von 500 Millionen Windows-Anwendern ein potentiell riegengrosses Publikum für Windows-basierte Tablets.
 
Wie kürzlich eine Umfrage zeigte, wollen die Windowsianer in den Unternehmen tatsächlich eigentlich Windows-Tablets und nichts anderes – aufs iPad hat man oft bloss wegen fehlender Alternativen zurückgegriffen oder bisher einfach zugewartet mit der Tablet-Einführung. Vor allem der IT-Abteilung ist die Integration von iPhones, iPads und Android-Geräten meist ein Graus. Da würde man sich doch lieber auf die bewährte Microsoft-Welt verlassen. Windows 8 bietet gewissermassen das Beste aus beiden Welten: Herkömmliche Windows-Programme laufen weiter wie gehabt auf einem Windows-7-ähnlichen Desktop, der sich in gewohnter Manier unternehmensweit verwalten lässt, die neue Tablet-Generation arbeitet mit modernen "Metro Style"-Apps.
 
iOS, Android und Windows 8?
Der zunehmende Trend zu mobileren Geräten und "Bring your own Device" hat bisher aber vor allem iOS-Geräte in die Unternehmen gespült. Ob Microsofts geplanter Sturm auf den Tablet-Markt die gewünschte Wende bringt, wird nicht zuletzt von der Anzahl und Qualität der verfügbaren speziell aufs Tablet angepassten Anwendungen bestimmt sein.
 
Gerade in diesem Aspekt hat der andere Apple-Konkurrent bis dato kläglich versagt: Es gibt heute zwar eine fast schon unüberschaubare Zahl von Android-Tablets, aber nach wie vor nur relativ wenige Apps, die auf den grösseren Screen angepasst sind – und manche davon sind qualitativ eher fragwürdig. Dass Android als Smartphone-OS begonnen hat, mag ein Grund sein. Aber Apple hat es ja schliesslich auch geschafft, aus einem Telefon-Betriebssystem eine mehr als brauchbare Tablet-Variante zu machen. Microsoft ist in dieser Hinsicht a priori besser gestellt: Windows 8 basiert auf einem ausgewachsenen PC-Betriebssytem, und Tablets sind dem PC näher als dem Smartphone. Christof Zogg, Director Devloper & Platform Group, zeigt sich zuversichtlich: "Im Smartphone-Markt ist Microsoft eher in der Herausforderer-Rolle, mit Windows 8 starten wir im Tablet-Markt jetzt richtig durch."
 
Apponomy mit Wahlmöglichkeit
Die Metro-Oberfläche vermag jedenfalls auf einem aktuellen Samsung-Slate voll zu überzeugen. Gestalterisch lehnt sich das Metro-Design an Bauhaus-Prinzipien an: Satte, flächige Farben, einfache Icons, klarer Text in wenigen Schriftvarianten. Nichts vom Leder- und Holzlook der neueren Apple-Betriebssyteme. Funktional bietet Metro alles, was ein Touch-basiertes Gerät braucht. Und flüssig läuft das Ganze auch, jedenfalls auf einem Gerät mit Core-i5-Prozessor. Wie sich Windows 8 auf einem ARM-basierten Gerät gebärdet, wird man allerdings erst noch sehen müssen. "Fast and Fluid" ist übrigens eine der Grundanforderungen, die Microsoft an Metro-Style Apps stellt.
 
Wie die Apple-Story lehrt, profitieren sowohl der Betriebssystemhersteller als auch die unabhängigen Entwickler von einem ins System integrierten Softwareladen. Zu Windows 8 gehört dementsprechend auch der Windows Store, aus dem man die Apps für sein Tablet ähnlich bequem kauft und herunterlädt wie in Apples App Store. Im Moment, das heisst mit der momentan verfügbaren "Consumer Preview" von Windows 8, ist der Store noch nicht allzu gut befüllt und bietet ausschliesslich Gratis-Apps, die aber durchwegs gelungen sind.
 
Bis zum offiziellen Start von Windows 8 soll sich das Angebot aber massiv ausweiten, deshalb macht Microsoft auch den Schweizer Entwicklern den Store schmackhaft. Dies unter anderem mit der Aussicht, dass ab einem gewissen Umsatz (25'000 Dollar) nicht mehr wie bei Apple 30, sondern nur noch 20 Prozent als Obolus nach Redmond gehen. Ausserdem kann man im Fall Windows 8 seine Apps über den Microsoft-Store verkaufen - man muss aber nicht. Bei Apple dauert es erfahrungsgemäss manchmal Wochen, bis eine App genehmigt ist und im Store erscheint. Dieser Approval-Prozess soll laut Christof Zogg und Developer Evangelist Sascha P. Corti beim Windows Store kürzer ablaufen, und der Entwickler könne jederzeit sehen, in welchem Stadium sich die App gerade befinde.
 
"Es sind interessante Zeiten für Entwickler, man kann heute mit wenig Aufwand vom Programmierer zum Softwareunternehmer werden", schloss die letzte Session der Windows TechConference. Der nächste Entwickler-Event von Microsoft folgt übrigens auf dem Fuss: Schon am 2. April findet die "App-Konferenz" Shape statt. Ein Teil der Shape-Agenda richtet sich ausdrücklich an iOS-Entwickler, die künftig auch Windows-8-Apps erstellen wollen. (Urs Binder)
 
Foto: Die Demo-Geräte (Samsung Slate mit der Consumer Preview von Windows 8) erfreuten sich an der Windows TechConference höchsten Interesses.
Kommentar schreiben
 
Newsletter abonnieren
E-Mail-Adresse
HOT Stories
Neu auf altText
Kolumnen
Features