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Mittwoch, 04.04.2012
IT-Alternativen zur Gemeindefusion

Konrad Walser Berner Fachhochschule
Front Office in Gemeinden, Back Office zentralisieren? Ein Gastbeitrag von Konrad Walser.
 
Gemeinden stehen künftig bezüglich verschiedenster Herausforderungen unter grossem Druck. Finanzielle Probleme, mangelnde personelle Ressourcen oder die Informatisierung von Leistungen und Prozessen sind nur einige der Gründe, welche Gemeinden oft dazu bringen, zu fusionieren. Nicht immer geht eine solche Gemeindefusion ohne Probleme über die Bühne. Im Gegenteil. Man muss davon ausgehen, dass die Herausforderungen nicht mit kommunalen Fusionen alleine gelöst werden können oder sollten.
 
Es gibt auf Basis technischer Möglichkeiten gute Alternativen zu Fusionen von Gemeinden oder Gebietskörperschaften, insbesondere für die verschiedenen technologisch unterstützbaren prozessualen Bereiche wie:
  • Front Office: Kommunikativ für die Betreuung von Bürger- und Unternehmensanliegen zuständig - Prinzip der Beratung und Kommunikation aus einer Hand, umfassende Beratung adaptiert auf die aktuellen Bedürfnisse des Kunden
  • Back Office: Für transaktionale Abwicklung von Geschäftsvorfällen - Ressortprinzip,
unter anderem basierend auf Registern
  • Unterstützende Prozesse: Personal, Finanzen, IT - Prinzip Effizienzsteigerung
Zu den Gestaltungsalternativen gehören (De-)Zentralisierungen, Bildungen von Kompetenzzentren, etwa für Steuern oder Bildung, aber auch die Bildung von Shared Service Centern sowie Virtualisierungen von Verwaltungseinheiten oder -aufgaben.
 
Kein "Rückzug aus der Fläche" nötig
Im Extremfall könnten nur noch (dezentrale) Front Offices in den einzelnen Gemeinden vorhanden sein. Back Offices, IT und Supportprozessbereich wären zusammenfassbar und, wo es die Gesetzgebung zulässt, gar an Externe vergebbar. Dies würde ermöglichen, dass die Körperschaft der Gemeinde erhalten bleibt. Schalter und Webseiten sowie telefonische Dienstleistungen stünden rund um die Uhr zur Verfügung. Jedoch würden die Gemeindeorganisationen im Hintergrund zentralisiert, neu gebündelt oder neu konfiguriert, ohne dass dies gegen aussen sichtbar wird. Bei Gemeindefusionen befürchten die Kleinen oft einen "Rückzug aus der Fläche", sprich dass Präsenzen von Gemeindeverwaltungen geschlossen werden. Doch das wäre damit nicht nötig.
 
Zu bedenken sind zweierlei Dinge: Die hier vorgeschlagenen Entwicklungen müssen zwingend mit gesetzlichen Anpassungen angegangen werden. Dazu ist ein breiter politischer Diskurs über die Verwaltung der Zukunft erforderlich. Es muss ermöglicht werden, dass das Zuständigkeitsprinzip oder Ressortprinzip aufgeweicht werden darf und dass Front Offices kundenorientiert Geschäftsvorfälle zwischen Back Offices und Unternehmen sowie Bürgern managen dürfen.
 
Die Privatwirtschaft ist mit den neuen technischen Möglichkeiten in einer laufenden Transformation hin zu E-Business begriffen. Es kann nicht sein, dass diese Transformation ausgerechnet vor der Verwaltung halt macht. Es sind dadurch in grossem Masse Transaktions- und Koordinationskosteneinsparungen möglich und damit Einsparungen von Steuersubstrat. Ähnliche Prinzipien könnten auch auf der Ebene der Kantone diskutiert werden. Durch entsprechende Reorganisationen resultieren neue und spannende Jobs.
 
Ein weiter Weg
Erlösen wir die Verwaltungslandschaft Schweiz aus dem Dornröschenschlaf, in dem sie seit der Bundesverfassung 1848 verharrt und befördern wir sie ins 21. Jahrhundert. Es wird unter anderem damit möglich sein, die Verwaltung jederzeit kontaktieren zu können, jederzeit Antworten auf Fragen an die Verwaltung zu erhalten, jederzeit und überall Geschäfte mit der eigenen Gemeindeverwaltung auch über die Distanz abwickeln zu können und zwar unabhängig vom Ort, an dem wir uns gerade befinden.
 
Zugegeben, bis zu dieser Vision ist es noch ein weiter Weg. Aber wenn wir die Vision nicht heute auf die Schiene bringen, wird die Verwaltung nie über ihren eigenen Schatten springen, zum Nutzen ihrer Bürger und Unternehmen, dank denen sie lebt. (Konrad Walser)
 
Konrad Walser (Foto) ist Senior Researcher im Kompetenzzentrum Public Management und E-Government an der Berner Fachhochschule.
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