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Donnerstag, 26.04.2012
Der Kanton Zug und seine Mühe mit der Software

Nach dem Debakel mit der Grundbuchamts-Software muss der Kanton Zug nun auch bei der Einwohnerkontrolle ein Softwareprojekt verschieben. Politiker hinterfragen die geltende Informatikverordnung.
 
Der Kanton Zug und seine Software - das scheint keine so glückliche Symbiose. Wie schon bekannt, hatten Zug und andere Kantone seit Jahren Probleme mit der von IBM gelieferten Grundbuchamts-Software, die Teil des Gemeindelösungs-Pakets ISOV (Informations-System für Öffentliche Verwaltungen) ist. Der Vertrag zwischen IBM und den Kantonen wurde letztes Jahr schliesslich aufgelöst, die Kosten für den Kanton Zug beliefen sich je nach Angabe auf 330'000 bis 850'000 Franken.
 
Wieder Probleme mit IBM-Software
Nun hat der Kanton Zug auch noch Probleme mit der Software für die Einwohnerkontrolle, wie diese Woche die 'Neue Zuger Zeitung' berichtete. Die geplante Migration auf eine neue Version verzögere sich seit Monaten. Im Dezember sei das Projekt verschoben worden. "Wir haben entschieden, noch nicht zu starten", begründet Regierungsrätin Manuela Weichelt, deren Departement für die Projektleitung der Software der Einwohnerkontrollen verantwortlich ist, den Stopp: "Es hat zu viele gravierende Mängel."
 
Im Artikel wird der Softwarehersteller nicht genannt. Wie Regierungsrätin Weichelt in einem E-Mail an inside-it.ch schreibt, handelt es sich um die Software EKV von IBM. Diese gehört ebenfalls zum ISOV-Paket von IBM. Der Kanton betreibt die Software für alle elf Gemeinden zentral. In den Gemeinden findet lediglich eine Client-Installation statt.
 
Die Version 4 laufe seit langer Zeit und nach wie vor sehr stabil, betont die Regierungsrätin gegenüber inside-it.ch. Sie entspreche allerdings nicht mehr dem Stand der Technik und müsse daher in der nächsten Zeit abgelöst werden. Das operative Geschäft der Einwohnerkontrollen der Zuger Gemeinden sei durch dieses Projekt "jedoch in keinem Zeitpunkt gefährdet oder behindert gewesen".
 
Die 'Neue Zuger Zeitung' schreibt, es werde gemunkelt, der Projektleiter habe gekündigt, und zwischen den involvierten Direktionen und Ämtern sei ein Kompetenzgerangel oder gar ein Machtspiel im Gang. Im Artikel kommt auch ein anonymer Softwarespezialist zu Wort, der die offenbar fehlende Projektleitung kritisiert. Das Gerücht der Kündigung des Projektleiters stimme nicht, sagt jedoch Weichelt gegenüber der Zeitung: Vielmehr sei es so, dass der externe Projektleiter seinen Vertrag nicht verlängert habe.
 
Parlamentarier schalten sich ein
Die Informatikprobleme des Kantons Zug haben mittlerweile auch das Parlament mobilisiert. Die beiden CVP-Parlamentarier Kurt Balmer und Georges Helfenstein stellten bereits letzte Woche der Regierung Fragen über die neueste Version des Programms für die Einwohnerkontrollen. Sie wollen vom Regierungsrat wissen, ob und wann diese Software noch zum Laufen gebracht werde und was der Regierungsrat für eine IT-Strategie verfolge.
 
Ein weiterer Parlamentarier, Andreas Hausheer, fragt nun gemäss der 'Neuen Zuger Zeitung', "ob es besser ist, Informatikprojekte grundsätzlich zentral zu betreuen oder, wie nach der geltenden Regelung, je nach Anwendungsfall beim Amt für Informatik und Organisation (AIO) oder bei den zuständigen Direktionen und Ämtern (bei Fachanwendungen)." Ein Mitglied des Regierungsrates wird im erwähnten Zeitungsbericht dahingehend zitiert, dass die aktuelle Regelung in der Informatikverordnung festgehalten sei und man diese anpassen müsse für eine Veränderung. Beide Modelle hätten wohl Vor- und Nachteile. Man müsse sich nun aber Gedanken darüber machen, ob die Verordnung noch richtig sei, so Hausheer. (Maurizio Minetti)
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