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Montag, 07.05.2012
Die Leiden der Linux-Bauern

Nationalrätin Edith Graf-Litscher setzt sich für die kleine Zahl der Bauern ein, die mit ihrem Linux-System nicht auf eine E-Gov-Plattform zugreifen können. Es geht aber um mehr.
 
Vor etwas mehr als einem Jahr hat Edith Graf-Litscher die Motion "Nichtdiskriminierende E-Government-Lösungen für Schweizer Landwirte" eingereicht, die etwas belanglos oder zumindest weit hergeholt scheint: Die SP-Nationalrätin verlangte im Wesentlichen, dass Bauern, die das Open-Source-Betriebssystem Linux verwenden, nicht diskriminiert werden sollen. Graf-Litscher ist Co-Präsidentin der Open-Source-freundlichen Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit.
 
In ihrer Motion schildert die Parlamentarierin das Problem so: "Seit Januar 2011 betreibt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die E-Government-Plattform Agate, mittels der in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) Nutztiere registriert werden können. Diese moderne Weise der Kommunikation mit Behörden ist zu begrüssen. Allerdings sollten auch heutige Standards wie Browser- und Plattform-Unabhängigkeit berücksichtigt werden. Das erwähnte Portal des BLW setzt Microsofts proprietäre Technologie Silverlight voraus, welche nur auf Windows oder Mac OS X einwandfrei funktioniert, allerdings Benutzer auf Linux-Systemen ausschliesst." Und als Anschauungsbeispiel erwähnt sie Fälle, "in denen ein Bauer deshalb seine Pferde nicht registrieren konnte."
 
Graf-Litscher forderte deshalb den Bundesrat auf, die neue Agate-Plattform müsse betriebssystemunabhängig zugänglich gemacht werden. Ausserdem - und das scheint der eigentliche Kern der Motion - müsse bei künftigen Neuentwicklungen und Neubeschaffungen von Software wie E-Government-Lösungen und Web-Portalen darauf geachtet werden, dass sie betriebssystem- und browserunabhängig voll funktionsfähig seien.
 
Der grössere Kontext
Abgesehen vom grösseren Kontext, um den es hier geht, kann man sich fragen, ob das oben beschriebene Problem relevant ist oder nicht. Immerhin können gemäss der Stellungnahme des Bundesrates vom 6. Juni 2011 schon heute mehr als 99,5 Prozent der User problemlos auf die TVD zugreifen. Auch der Zugriff mit bestimmten Linux-Derivaten in Kombination mit gewissen Browsern sei möglich. Im Allgemeinen achtet der Bund gemäss der Antwort bei Weiter- und Neuentwicklungen von E-Government-Anwendungen darauf, die Kompatibilität mit den verschiedenen Betriebssystemen und Browsern "bestmöglich zu gewährleisten." Die Regierung beantragte folglich die Ablehnung der Motion.
 
Am vergangenen Donnerstag aber hat der Nationalrat die Motion mit 96 zu 57 Stimmen angenommen. Geschlossen dagegen waren nur die BDP sowie - ausgerechnet - die Bauernpartei SVP. Die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit spricht in einer Mitteilung dazu von einem "wichtigen Signal", das damit ausgesendet werde. Letztlich geht es der Gruppe wie erwähnt darum, dass E-Gov-Anwendungen auf allen Betriebssystemen und Browsern voll funktionsfähig sind.
 
Das nächste Wort in der Sache hat nun der Ständerat. (mim)
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Kommentare:
Emilio Sabatino 07.05.2012 19:20 Was ich nicht verstehe, ist, dass man sich mit Silverlight das Leben so schwer macht und damit auch die Entwicklungskosten derart in die Höhe treibt.
 
Die Silverlight-Technologie ist absoluter Overkill für diese paar einfachen Datenbankfelder! Wer zum Geier kommt bloss darauf, Silverlight einzusetzen für dieses Projekt???
 
Die Aussage, dass der Zugriff problemlos vonstatten geht, ist schlichtweg gelogen! Heute war ich in meinem Beruf als Supporter unterwegs bei einem Landwirt mit Windows, dessen Browser (Firefox und IE) erst nach einem Silverlight-Update funktioniert haben.
 
Wie er mir mitteilte, war die Supportcrew seit mehreren Wochen deswegen unter Volldampf und die Telefonleitungen glühten!
 
Eine solche Online-Datenbank könnte man mit Cloud-RAD-Diensten zum Bruchteil der Kosten realisieren!
 
Untersucht das doch mal - Ihr würdet Bauklötze staunen...
 
Es existieren heute Lösungen, mit denen man gleichgelagerte Projekte nach einer Woche Einarbeitungszeit in wenigen Tagen (!) umsetzen kann, da nichts mehr programmiert werden muss. Keine einzige Zeile Code ist mehr notwendig meine Herren - und schon gar keine Browser- Plugins!
 
Sonnige Grüsse
 
Emilio Sabatino
Marky Goldstein 07.05.2012 22:45 Offene Standards tun der Schweiz gut.
Mike Gsser 08.05.2012 10:08 Grundsätzlich soll/muss eine Regierung immer darauf achten, dass Ihre IT-Lösungen, welche öffentlich zugänglich sein sollen, IMMER Browser- und Betriebssystem-, bzw. Plattformunabhängig sind!
Wir sind ja schliesslich freie Bürger und wollen nicht vom Staat vorgeschrieben bekommen, was wir auf unseren Compis drauf haben müssen.
 
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