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Dienstag, 15.05.2012
Finnova, die Tauben und die App

Christoph Erb Charlie Matter Finnova
Der Schweizer Softwarehersteller Finnova wächst trotz Bankenkrise stark und bringt eine neue iPhone App mit Zahlungs-Funktion. Die Internationalisierung stockt aber.
 
"Niemandem fliegen gebratene Tauben in den Mund. Weder in der Schweiz, noch in Asien." Die Aussage stammt von Charlie Matter (Foto: im Vordergrund), CEO des Lenzburger Softwareherstellers Finnova. Matter meint damit den Umstand, dass es harte Arbeit ist, heutzutage Bankensoftware zu verkaufen.
 
Umsatzschub
Im Rahmen der alljährlichen Medienkonferenz liess Matter durchblicken, dass die Internationalisierungsstrategie von Finnova ins Stocken geraten ist. Die Bank, die letztes Jahr noch vorhatte, ihre Auslandsniederlassungen auf Finnova zu migrieren, hat sich aus den internationalen Märkten zurückgezogen. Das Projekt hat sich mittlerweile auf die Schweiz reduziert. "Back to square one", meinte Matter in Bezug auf die Internationalisierung. Er betonte aber, dass Finnova nach wie vor daran festhalte, in Luxemburg, Deutschland, Singapur und Hongkong Fuss zu fassen. Man habe wertvolle Erfahrungen gesammelt. Finnova ist wie der Zürcher Mitbewerber Avaloq auf das Ausland angewiesen, da in der Schweiz die Bankenlandschaft in den letzten Jahren schon weitgehend modernisiert worden ist.
 
Trotz stockender Internationalisierung hat Finnova ein sehr gutes Geschäftsjahr abgeschlossen. Laut Matter wuchs der Umsatz im zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahr - und das Unternehmen ist profitabel. Auch für 2012 erwartet Matter ein "recht gutes Jahr" mit Umsatzwachstum. Mittelfristig aber werde es "anstrengender", meinte der CEO. Grund dafür sind die derzeit herrschenden Unsicherheiten in der Bankenszene.
 
Ein weiteres strategisches Ziel, an dem Finnova arbeitet, ist die Eroberung der Privatbanken. Schon heute sind 20 Prozent der Finnova-Kunden Privatbanken. Vor einem halben Jahr konnte Finnova einen Erfolg vorweisen: Die aus der Privatbank Maerki Baumann hervorgegangene Transaktionsbank InCore entschied sich, auf Finnova zu migrieren. Am stärksten verankert ist Finnova freilich bei Regionalbanken: Mehr als 90 Prozent der Schweizer Regionalbanken sind Finnova-Kunden. An Pfingsten soll das grosse Migrationsprojekt der RBA-Banken abgeschlossen werden - drei Monaten früher als ursprünglich geplant.
 
Neue iPhone App
Christoph Erb (Foto: im Hintergrund), Bereichsleiter Customer Care bei Finnova, zeigte die aktuellen Entwicklungsschwerpunkte des Aargauer Softwareherstellers auf. Die Flut an Regulatorien werde die Prioritätensetzung der Softwareentwicklung bestimmen. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Weiterentwicklung der im Vorjahr lancierten iPhone App. Bislang haben sich lediglich drei Banken dafür entschieden. Finanziell sei dies noch keine Erfolgsgeschichte, hiess es seitens Finnova. Doch das Unternehmen setzt nun auf die Weiterentwicklung der App, die es in der neuen Ausführung unter anderem erlauben wird, Börsentransaktionen und Zahlungen durchzuführen. Die in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Softwarehersteller Netcetera entwickelte App soll im vierten Quartal 2012 erscheinen. Finnova hofft, dass die neue App bei mehr Banken auf Anklang stossen wird. Gemäss Erb gab es bereits bei der ersten Version der App, die noch in Kooperation mit Ergon entwickelt worden war, positive Rückmeldungen von den drei Banken. Im Markt für mobile E-Banking-Lösungen tummeln sich mittlerweile aber viele Anbieter wie etwa Crealogix oder IBM.
 
Finnova werde weiterhin auf native Apps setzen, sagte Erb. Seiner Meinung nach bietet HTML5 noch nicht die gleichen Möglichkeiten. Im Herbst soll eine App für eine weitere Softwareplattform erscheinen. Finnova hat noch nicht entschieden, ob für Android oder Windows Phone - jedenfalls sicher nicht für das BlackBerry-Betriebssystem.
 
Kein Stellenabbau
Anfang dieses Jahres hatte der Finnova-Konkurrent Avaloq 120 Stellen gestrichen. Wiederholt wurde Finnova-CEO Matter seitdem gefragt, ob nicht auch sein Unternehmen Jobs abbauen müsse. "Im Gegenteil, wir haben Stellen geschaffen", betonte Matter heute. Auf die Frage, ob Leute, die bei Avaloq entlassen wurden, bei Finnova angeklopft haben, sagte Matter schmunzelnd: "Nicht alle."
 
Finnova beurteilt die Geschäftsaussichten trotz anhaltender Bankenkrise positiv. Allerdings werde der Neukundengewinnn schwieriger, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland, sagte Matter. Tatsächlich: Gebratene Tauben sah man heute am Paradeplatz nicht vorbeifliegen. (Maurizio Minetti)
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