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Mittwoch, 30.05.2012
ABB, Green.ch und HP im Gleichstrom-Boot

Gleichstrom im Rechenzentrum
ABB rüstet Teile des Green-Rechenzentrums in Lupfig mit Gleichstrom-Niederspannungsanlagen aus und verspricht den Kunden massiv tiefere Kosten. Nur: Server dafür gibt es erst ab Oktober.
 
Man wundert sich, warum nicht schon lange alle Rechenzentren mit Gleichstrom-Niederspannungsanlagen (von ABB) ausgerüstet worden sind. Denn das Einsparungspotential ist gewaltig: Gleichstromanlagen sind in der Anschaffung etwa 15 bis 20 Prozent günstiger als Wechselstromanlagen und sie reduzieren den gewaltigen Stromverbrauch von Rechenzentren um etwa ein Zehntel. Dies sagte ABB-Topmanager Tarak Mehta heute an einer Medienveranstaltung in Baden. Eingeladen hatten die beiden Weltkonzerne ABB und Hewlett-Packard sowie das vergleichweise winzige KMU Green.ch, gekommen sind Medienschaffende aus ganz Europa
 
Ein Milliarden-Markt
Doch ABB ist mit dem Einstieg in den riesigen Markt der Ausrüstung von Rechenzentren mit Gleichstromanlagen ganz am Anfang. Bis jetzt hat man nämlich erst das vor gut einem Jahr eröffnete Rechenzentrum von Green in Lupfig als 'Showcase' auf einem Drittel der verfügbaren Fläche mit einer Niederspannung-Gleichstromanlage ausgerüstet.
 
Das Potential allerdings ist riesig: Valerie Richardson, bei ABB für das Datacenter-Geschäft verantwortlich, schätzt den weltweiten Markt für die Ausrüstung von Rechenzentren mit Stromversorgungen auf etwa 12 Milliarden Franken pro Jahr, wovon mehr als dreieinhalb Milliarden auf Europa entfallen, wie sie im Gespräch mit inside-it.ch sagte.
 
Weniger Komponenten, weniger Risiken, tiefere Kosten
Niederspannungsanlagen mit Gleichstrom sind wesentlich günstiger und auch sicherer, weil nur drei statt fünf Komponenten verbaut werden müssen (siehe Grafik oben). Zentrale Einheit ist der Transformer/Gleichrichter, der angelieferten Hochspannungs-Wechseltrom (im Fall von Green 18 kV) in 380-Volt-Gleichstrom umwandelt. Dieser Strom wird dann direkt in die Stromversorgungen der Server angeliefert, wobei wie bei konventionellen Wechselstrom-Installationen bei einem Ausfall erst Batterien und dann Dieselgeneratoren unterbrechungsfrei einspringen.
Gleichstrom-Niederspannungseinrichtungen im Rechenzentrum sind nicht nur billiger in der Anschaffung, sondern sie brauchen auch wesentlich weniger Platz und sie produzieren auch weniger Abwärme als konventionelle Stromversorgungen. Das Green-Rechenzentrum konsumiere bei Volllast Strom für etwa zehn Millionen Franken pro Jahr. Er könne also mit einer Gleichstrom-Anlage pro Jahr bis zu zwei Millionen Franken einsparen und die Investitionen innert vier Jahren amortisieren, rechnete Green-Chef Franz Grüter heute Morgen der Presse euphorisch vor.
 
Das grosse Aber
Grüters Einsparungen werden sich aber - wenn überhaupt - erst in vielen Jahren realisieren lassen. Denn es gibt noch gar keine Server, Storage- oder Netzwerk-Geräte, die man mit 380 Volt Gleichstrom versorgen kann. Erst etwa diesen Oktober wird Hewlett-Packard solche Stromversorgungen auf den Markt bringen. Sie sind heute zwar bereits in kleinen Mengen verfügbar, kaufen kann man sie aber erst im Herbst, wie HPs Stromversorgungs-"Guru" Javier Izquierdo im Gespräch mit inside-it.ch sagte. HP wird die wichtigsten Server- und Storage-Systeme, vorab die neuesten "ProLiant" Standardserver der 8. Generation, mit einer ganzen Reihe unterschiedlichen Stromversorgungen, darunter eben auch für 380-Volt-Gleichstrom, ausrüstbar machen. Gleichzeitig wird man in den Racks Stromeinheiten anbringen können, mit denen man Geräte wie etwa kleine Switches mit "normalem" Wechselstrom versorgen kann, so Izquierdo.
 
Viele andere Server-, Speicher- und Netzwerkhersteller werden wohl früher oder später mit Gleichstrom-Stromversorgungen nachziehen, doch scheint HP heute in dieser Frage die Nase vorn zu haben.
 
Das grösste Hindernis für ABBs ehrgeizige Pläne sind aber noch nicht mal die noch fehlenden Server-, Storage und Netzwerkeinheiten für 380-Volt-Gleichstromversorgung. Viel wichtiger ist, dass in den allermeisten Rechenzentren heterogene Umgebungen betrieben werden, die man - Stromeinsparungen hin oder her - nicht einfach ersetzen kann.
 
Das sieht auch ABB-Managerin Richardson so. Sie erwartet die ersten Aufträge für Gleichstrom-Niederspannungsanlagen von Kunden, die neue Rechenzentren etwa in Asien bauen und neu ausrüsten. Andere potentielle Kunden sind die Betreiber von Rechenzentren in den Finanzmetropolen Zürich, London, New York und Singapur, wo mit der Reduktion von Flächen sofort viel Geld eingespart werden kann. (Christoph Hugenschmidt)
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