Auch Informatik kann sexy sein

Google gegen Thür, Thür gegen Street View: Nach dem Bundesgerichtsentscheid sind alle happy. Vor allem die Informatik sollte es sein.
 
Unser Kommentar: Und da soll noch jemand sagen, es interessiere sich niemand für IT. Es gibt böse Zungen, die behaupten, es sei der Fehler der Medien, dass Informatik-Themen zu wenig Beachtung in der Gesellschaft finden. Jetzt wurde aber das Gegenteil bewiesen. Zu sehen war das heute Freitag, als der Bundesgerichtsentscheid über den Streit zwischen dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) Hanspeter Thür und Google bezüglich Google Street View veröffentlicht wurde. Die Medienmitteilung des EDÖB war bereits Morgens für Journalisten einsehbar, jedoch mit einer Sperrfrist bis 12 Uhr. Nicht alle konnten die Finger so lange ruhen lassen, laut '20 Minuten' wurde die Frist von der Agentur DAPD um 11.04 Uhr gebrochen. (worauf auch die Online-Zeitung um 11.14 Uhr einen Artikel veröffentlicht hat.)
 
Thür hatte ausserdem um 12 Uhr zu einer Pressekonferenz im Restaurant 'Au Premier' in Zürich HB eingeladen. Als der Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, mit 20 Minuten Verspätung wegen einer anderen Sitzung, in den Raum trat, war dieser voll. Er war voll mit Journis, die nervös da sassen, wartend auf ein Statement zum Google-Street-View-Urteil. Und es waren nicht nur IT-Nerd-Journalisten anwesend, sondern vor allem die viel gescholtene Tagespresse. Das zeigt doch, dass, wenn es um Themen wie Google Street View und den Schutz der Privatsphäre geht, das Interesse der Medien gross ist. Es ist also nicht nur Schuld der Medien, dass IT nicht den Ruf von "in" und "trendy" hat, sondern es geht darum, Technologie-Themen aufzugreifen, die die Menschen wirklich beschäftigen.
 
Harte Auflagen, alle happy
Der Entscheid hat übrigens alle zufrieden gestellt. Google darf weiterhin Street View in der Schweiz anbieten, muss aber einige Auflagen einhalten. So muss Google zum Beispiel gewährleisten, dass Personen vor sensiblen Einrichtungen wie Spitäler, Schulen oder Gefängnissen komplet unerkennbar sind - das heisst nicht nur verpixelt, sondern auch weitere individualisierende Merkmale müssen vom Internetriesen manuell unerkennbar gemacht werden. Ausserdem muss Google die Hinweise auf die Widerspruchsrechte im Internet verbessern, und mindestens eine Woche im Voraus informieren, in welchen Orten Aufnahmen gemacht werden. Die Fehlerquote bei der Verpixelung von Gesichtern soll laut Bundesgericht maximal ein Prozent betragen - was bei dieser Menge an Fotos ein nicht unheblicher Teil ist. Um wieviele Fotos es sich handelt, sagt Google laut Thür aber nicht. Im internationalen Vergleich gehören die Auflagen für Street View laut Thür mitunter zu den härtesten weltweit. (Linda von Burg)
 
Foto: Pressekonferenz im 'Au Premier'-Restaurant. Links im Bild Jean-Philippe Walter, EDÖB-Stellvertreter, Rechts EDÖB Hanspeter Thür unter dem Blick der elektronischen Medien.