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Mittwoch, 13.06.2012
Abraxas will neue Kundensegmente

Thomas Flatt Abraxas
Abraxas-CEO Thomas Flatt über Umsatzrückgang, den Vorstoss in den Firmenkundenmarkt, die Fokussierung auf Kernkompetenzen und natürlich auch über die Kardinalfrage: Wann wird Abraxas neue Besitzer haben?
 
Nach Jahren der Umsatzrekorde war im Geschäftsjahr 2011 der Ertrag der Abraxas erwartungsgemäss rückläufig. Dennoch bewertet die Unternehmensführung das Jahr positiv: Das Unternehmen hat sich 2011 auf seine Kompetenzen fokussiert und ist nach den erfolgten organisatorischen Anpassungen heute noch besser aufgestellt für die Herausforderungen am Markt. Bereits wurden erfolgreich neue Kundensegmente erschlossen. CEO Thomas Flatt (Foto) lässt im Gespräch mit IT-Journalist Daniel Meierhans das Abraxas-Jahr 2011 Revue passieren.
 
Abraxas ist ein Unternehmen in Veränderung. Ein Besitzerwechsel ist absehbar. Wo steht Abraxas heute?
 
Thomas Flatt: Dem Unternehmen geht es grundsätzlich gut. Zwar präsentieren sich die Finanzzahlen nicht mehr ganz so positiv wie im Vorjahr, aber es gibt Elemente, die mich heute noch zuversichtlicher stimmen. So gelang es uns im letzten Jahr, neue Kunden zu gewinnen, und auch die Sales Pipeline ist deutlich besser gefüllt als Anfang 2011.
 
Reflektieren die neu gewonnenen Kunden bereits die Richtung, in die die Abraxas umschwenkt?
 
Thomas Flatt: Ich denke, man sollte nicht von umschwenken sprechen. Das Unternehmen fokussiert. Wir hatten – in der Eigentümerschaft begründet – bei der Gründung der Abraxas den Fokus ausschliesslich auf die öffentliche Hand und im Speziellen auf die kantonalen Verwaltungen gerichtet. Der ursprüngliche Plan war, dass sich weitere Kantone am Unternehmen beteiligen. Das Ende der Geschichte kennen wir: Es hat sich kein weiterer Kanton an der Abraxas beteiligt, und wir konnten im begrenzten Kantonsmarkt auch keinen substanziellen Gewinn an der Kundenfront erzielen. Wir haben uns darum entschieden, uns künftig auf weniger Services zu konzentrieren und diese dafür in einem breiteren Markt anzubieten. Dabei fokussieren wir auf die Kompetenzen, die wir sehr gut beherrschen. Das sind zum einen die Software-Entwicklung und zum anderen der Betrieb von Applikationen und IT-Infrastrukturen. Insbesondere den Betrieb Applikationen und Infrastruktur können wir nicht nur für Kantone anbieten, sondern genauso gut auch für andere öffentliche Verwaltungen und für die Privatwirtschaft. Das Asset, das wir dafür mitbringen, ist die Swissness, die wahrscheinlich bei keinem anderen Outsourcing-Anbieter in der Schweiz so ausgeprägt ist. Mit unserer Swissness und auch mit unserer Grösse passen wir optimal zum Schweizer Mittelstand und zu den verschiedenen öffentlichen Verwaltungen.
 
Um den privatwirtschaftlichen Mittelstand anzusprechen, müssen Ihre Mitarbeitenden mit einer ganz anderen Kultur umgehen können, als sie es aus dem Geschäft mit den Kantonen gewohnt sind. Wie stellen Sie sicher, dass Abraxas den Ansprüchen beispielsweise eines Industriebetriebs gerecht werden kann?
 
Thomas Flatt: Es gibt Ansprüche, die tatsächlich unterschiedlich sind. Aber sehr viele Ansprüche sind auch gleich. Die Verwaltungen wollen Sicherheit und Qualität. Das will die Industrie auch. Die Verwaltung will – entgegen den verbreiteten Vorurteilen – genauso wie die Privatwirtschaft sehr günstige Preise und sie will ebenso schnell umgesetzte Projekte. Nichtsdestotrotz pflegt die Verwaltung per se eine andere Kultur, als wir sie in der reinen Privatwirtschaft finden. Auch darauf sind wir aber sehr gut vorbereitet. Erstens ist Abraxas selber ein rein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen. Zweitens haben viele meiner Kollegen im Management und viele unserer Mitarbeitenden ihre Sporen bei Industrieunternehmen oder Finanzdienstleistern abverdient. Sie sind also in einem gewissen Sinn Heimkehrer in eine Kultur, die sie von früher kennen.
 
In meiner Erfahrung legt der Schweizer Mittelstand auch bei an sich rein technischen Querschnittsfunktionen ein grosses Gewicht auf die Branchenerfahrung seiner Provider. Wie kann Abraxas diese sicherstellen?
 
Thomas Flatt: Ich kann diesen Einwand zwar nachvollziehen, unsere bisherigen Erfahrungen zeigen aber, dass Branchen-Know-how bei klassischen IT-Services- Leistungen nicht ausschlaggebend ist. Wir konnten im vergangenen Jahr in drei unterschiedlichen Branchen Aufträge gewinnen. Entscheidend war, dass man uns als langfristig denkendes, vertrauenswürdiges Unternehmen wahrgenommen hat. Das ist in der Software-Entwicklung selbstverständlich genau umgekehrt. Dort ist die Branchenerfahrung häufig ausschlaggebend für den Zuschlag.
 
Wie lange rechnen Sie, dass es dauert, bis die privatwirtschaftlichen Segmente einen bedeutenden Anteil zum Abraxas-Umsatz beisteuern?
 
Thomas Flatt: Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor der Bär erlegt ist. Wir haben diese strategische Neuorientierung vor einem Jahr an die Hand genommen. Im vergangenen Jahr sind uns erste Achtungserfolge gelungen. Die entsprechenden Referenzen finden Sie auf unserer Website und wir haben weitere potenzielle Kunden in der Sales Pipeline. Um unsere Wettbewerbsfähigkeit genauer einordnen zu können, benötigen wir noch einige zusätzliche Erfahrungen im Verkaufsprozess. Meine Prognose ist, dass das Segment öffentliche Verwaltungen bis in fünf Jahren zwar immer noch ein sehr wichtiges, aber eines von drei bis vier ähnlich grossen Branchensegmenten im Abraxas-Portfolio sein wird.
 
Wenn wir die aktuellen Zahlen betrachten, sind Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Sind Sie von dieser Entwicklung enttäuscht?
 
Thomas Flatt: Ich bin immer enttäuscht, wenn es südwärts geht. Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen, weil sie absehbar war. Wir haben zum einen per Ende 2010 einen Teil unseres Unternehmens (Anm. Red.: Steuerberaterlösung abx-tax.pro) und damit dessen Umsatz verkauft. Zudem fielen aus diesem Verkauf im Vorjahr positive Sondereffekte an, die 2011 fehlten. Tatsächlich ging aber auch die Umsatzentwicklung im Service-Geschäft aufgrund des generellen Preiszerfalls in der IT südwärts, obwohl wir das Leistungsvolumen steigern konnten. Dazu kommen Technologiewechsel zu günstigeren und effizienteren Systemen bei unseren Kunden, die ich bereits im letzten Geschäftsbericht angekündigt habe. Im Zusammenhang mit diesen Ablösungen haben wir auch Aufträge an Mitbewerber verloren. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir diese Systeme wieder zurückgewinnen können. Da diese negativen Tendenzen im Service-Geschäft langfristig anhalten werden, rechne ich in den nächsten zwei bis drei Jahren mit einem weiteren Umsatzrückgang. Spätestens dann werden wir aber durch den Ausbau des Neukundengeschäfts wieder ein Wachstum verzeichnen können. Wenn wir bewiesen haben, dass wir auch in der Privatwirtschaft konkurrenzfähig sind, wird uns das auch zusätzliche Aufträge im öffentlichen Bereich bringen. Ganz nach dem Motto: Der Prophet gilt im eigenen Land meist nicht viel. Im Software-Geschäft sind die Umsätze demgegenüber bereits heute tendenziell steigend.
 
Inwiefern reflektieren die letztjährigen Geschäftszahlen den Spardruck, der auf den öffentlichen Haushalten lastet, und erwarten Sie, dass dessen negativer Einfluss in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird?
 
Thomas Flatt: In unserem Heimmarkt – zu diesem zähle ich die Kantone St. Gallen und Zürich sowie das Sozialversicherungsgeschäft – ganz bestimmt. Mit den Sozialversicherungen war die Erneuerung von einzelnen Verträgen mit signifikanten Preisnachlässen verbunden. In St. Gallen besteht ein enormer Spardruck unter anderem auch durch die gesetzlichen Vorschriften zum Verhältnis von Steuereinnahmen und Ausgaben. Und auch in Zürich ist die Budgetsituation angespannt. Das führt unter anderem dazu, dass Projekte, mit denen wir gerechnet haben, verschoben oder ganz gestrichen werden.
 
Im IT-Geschäft ist es durchaus üblich, sich den Eintritt in neue Märkte zu erkaufen. Ist es auch für Abraxas eine Option, über Firmenkäufe schneller Fuss zu fassen und zu wachsen?
 
Thomas Flatt: Abraxas hat diesen Weg in der Vergangenheit beschritten. Dies war einer der Gründe, wieso wir in den letzten Jahren Schulden abbauen mussten. Unser Aktionariat ist aber vorsichtig. Das heisst, wir müssen uns die Mittel für allfällige Übernahmen selber erarbeiten. Ich persönlich denke, dass es Unternehmen gibt, die gut zu Abraxas passen würden. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Abraxas für den einen oder anderen Firmengründer eine ideale Nachfolgeregelung darstellt. Wir können sicherstellen, dass sein Werk weiterbestehen bleibt, auch wenn dabei der Verkaufsgewinn vielleicht nicht maximiert wird. Ob, wann und wie wir konkret investieren, ist aber eine Entscheidung der Aktionäre.
 
Eines Ihrer finanziellen Engagements der letzten Jahre betrifft das Beratungsunternehmen ISG Institut, St. Gallen. Sie haben bereits im letzten Herbst erklärt, dass sich die Beteiligung an diesem Start-up nicht wie erhofft entwickelt. Was ist der Stand heute?
 
Thomas Flatt: Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich enttäuscht bin und dass sich diese Investition nicht gelohnt hat. Die Idee und das Konzept waren zwar gut. Die operative Umsetzung ist dem ISG Management aber nicht gelungen. Wir werden unser Engagement im ISG deshalb nicht weiter fortsetzen. Das Unternehmen ist unterdessen sehr stark redimensioniert worden und wir sind daran, die Ausstiegsmodalitäten zu klären. Mit Sicherheit wird Abraxas kein weiteres Geld mehr investieren. Wie gesagt, wir sind enttäuscht. Wir haben deutlich mehr erwartet. Aber das gehört zum Geschäft, wenn man nicht nur bewahren, sondern auch Innovation fördern will.
 
Ist denn Abraxas überhaupt genügend gross für solche Risikoinvestitionen?
 
Thomas Flatt: Ein Unternehmen wie Abraxas muss immer Risiken eingehen und Investitionen tätigen. Diese sind das Salz in der Suppe. Und nur so können wir uns weiterentwickeln. Wenn dies im Rahmen einer Beteiligung als Aktionär geschieht, erhält eine Investition automatisch mehr Aufmerksamkeit. Intern – und damit etwas weniger prominent – investieren wir aber jedes Jahr in Innovation und die Weiterentwicklung des Unternehmens und der Mitarbeitenden.
 
Welche Massnahmen haben Sie im letzten Jahr neben dem Aufbau der privatwirtschaftlichen Segmente ergriffen, um dem erwarteten weiteren Umsatzrückgang entgegenzuwirken?
 
Thomas Flatt: Das Thema ist Fokus. Wir haben zum Beispiel die Organisation gestrafft und das Geschäft in zwei Divisionen, Outsourcing Solutions und Application Solutions, zusammengefasst. Unser Produktportfolio wird überarbeitet und wir sind dabei, alle Angebote, welche nicht unseren Kernkompetenzen entsprechen, zu eliminieren. Gestärkt haben wir das Thema Application Management, welches im Outsourcing-Geschäft an Bedeutung gewinnen wird, will man sich vom Wettbewerb unterscheiden. Und nicht zuletzt gehen wir haushälterisch mit unseren Mitteln um und haben die Kosten tief gehalten.
 
Die Auflösung der Division Business Solutions ist eine klare Strategiekorrektur. Sie haben damit das Beratungs- und das unabhängige Projektgeschäft aufgegeben, auf die Sie bis anhin Wachstumshoffnungen gesetzt hatten.
 
Thomas Flatt: Dieser Eindruck mag von aussen entstehen. Gerade das Beratungsgeschäft bleibt aber mit der Reorganisation erhalten, genauso wie die Sales- und Business- Development-Komponenten. Aufgelöst haben wir die weniger fokussierten Komponenten darum herum. Die Beratung hat heute insbesondere nicht mehr nur den Auftrag, als eigenständiger Service im Markt erfolgreich zu sein, sondern ist vermehrt integrierter Teil eines Gesamtpaketes.
 
Was ist der Grund für diese Umkehr? Hat der Markt Abraxas nicht als eigenständiges Beratungsunternehmen wahrgenommen?
 
Thomas Flatt: Unsere Beratungsleistungen werden im Markt geschätzt. Als eigentliches Beratungsunternehmen werden wir aber zu Recht nicht wahrgenommen. Und nochmals, es ist nicht eine Umkehr. Es ist eine Fokussierung auf das, was wir wirklich können.
 
Am Beispiel E-Health wird dies rasch deutlich: In der Vergangenheit wollten wir in diesem Bereich als unabhängiger Akteur auftreten, der selber Gesundheitsmarkt-Dienste verkauft. Der also fertige E-Health-Services entwickelt, betreibt und vermarktet. Und der somit das gesamte Geschäftsrisiko selbst trägt und die Vermarktung solcher Services übernimmt. Dies werden wir nicht mehr tun. Wir sind kein eigenständiger Akteur im Gesundheitsmarkt. Wir können aber sehr wohl IT-Dienstleistungen entwickeln und betreiben. Dies aber nur im Auftrag von Akteuren, die im Gesundheitsmarkt etabliert sind, also zum Beispiel Krankenhäuser, Versicherungen, Ärztenetze oder Gesundheitsdepartemente/Direktionen. Wir sind deren Dienstleister – nicht deren Wettbewerber.
 
Abraxas konzentriert sich demnach auch im Outsourcing auf technische Leistungen und strebt nicht die Übernahme von ganzen Geschäftsprozessen an?
 
Thomas Flatt: Wenn wir in der Privatwirtschaft glaubwürdig auftreten wollen, dürfen wir uns nicht als diejenigen positionieren, die beispielsweise am meisten von Strassenbau verstehen. Wir sind diejenigen, welche die IT-Plattformen bis hin zu Cloud-Lösungen betreiben und Software im Auftrag entwickeln können. Das sind unsere Kernkompetenzen und die wollen wir in einem breiteren Markt umsetzen.
 
Sie erwähnen Cloud Computing. Das ist momentan der beherrschende weltweite IT-Trend. Wie positioniert sich Abraxas in diesem Thema?
 
Thomas Flatt: Cloud Computing ist für uns wie für alle anderen auch zentral. Man muss dabei aber festhalten, dass die Cloud im Infrastrukturbereich keine neue Technologie darstellt, sondern im Grunde nur eine neue Art des Deployment, der Nutzung und der Verrechnung von an sich etablierten Techniken ist. Wir haben denn auch bereits Kunden, für die wir eine private, organisationsinterne Cloud betreiben. Eine echte Cloud wird es allerdings erst geben, wenn Communities entstehen, welche die gleichen, standardisierten Services beziehen. Wir haben eine solche Community in der Pipeline und sind auch sehr zuversichtlich, dass sie funktionieren wird. Genaueres kann ich dazu aber erst sagen, wenn wir dieses Projekt realisiert haben. Zudem beobachten wir den Trend zu einer Schweizer Government Cloud sehr genau und begleiten ihn aktiv. Wir denken, dass Abraxas einer der wichtigen Akteure in diesem Bereich sein kann. Wenn durch die Cloud-Standardisierung die Technologie keine differenzierende Rolle mehr spielt, wird das Vertrauen zum entscheidenden Faktor. Und genau hier werden wir punkten können.
 
Nun ist Cloud Computing in erster Linie ein Skalengeschäft. Wie will sich Abraxas als im internationalen Vergleich doch kleiner Anbieter gegen die grossen heimischen Telekommunikationsunternehmen oder globale Konzerne durchsetzen?
 
Thomas Flatt: Die Frage ist: Wo greifen die Skalen? Ich bin der Ansicht, dass sie gerade im Mittelstand und im Verwaltungsgeschäft relativ früh greifen. Es existieren immer nur relativ wenige gleichartige Applikationen, die in einer Cloud-Lösung zusammengefasst werden können. Auf der anderen Seite gibt es horizontale Services wie beispielsweise die Desktop-Basis-Infrastruktur, die man theoretisch deutlich höher skalieren kann. Ob wir mit einigen tausend Arbeitsplätzen bereits gross genug sind, um im Wettbewerb bestehen zu können, wird sich zeigen. Ich persönlich glaube, dass es in erster Linie die Bereitschaft der Anwender braucht, noch weitere standardisierte Lösungen zu akzeptieren. Wenn dem dann so ist, werden bestimmt auch wir – vielleicht zusammen mit einem Partner – sehr viel günstiger produzieren können. Viel grundsätzlichere Veränderungen sehe ich aber in der klassischen Trennung zwischen Software-Hersteller und -Betreiber. Services wie Salesforce, Google Apps oder auch Office aus der Cloud zeigen, wie sich die bisherige Trennung zwischen Software-Hersteller und -Betreiber auflöst. Und genau auf diese Karte wollen wir setzen. Unser Ziel ist, dass alle Software, die wir produzieren, auch von uns als Cloud-Service zur Verfügung gestellt wird. Dazu wollen wir, wenn möglich, weitere Applikationen in unser Portfolio aufnehmen.
 
Cloud-Lösungen benötigen ein entsprechendes technisches Know-how. Es wird in der Schweiz seit Jahren sehr viel über den IT-Fachkräftemangel diskutiert. Spürt Abraxas den Mangel konkret?
 
Thomas Flatt: Ja, den spüren wir tatsächlich. Er ist für uns sogar noch akzentuierter. Wir haben eine explizit schweizerische Kundschaft. Das heisst, unsere Mitarbeitenden müssen Deutsch – oder besser sogar Schweizerdeutsch – verstehen und sprechen. Idealerweise kommen noch Französisch und Italienisch dazu. Wir können darum nicht einfach Spezialisten im Ausland rekrutieren. Ganz abgesehen davon sind die Bewilligungsprozesse für ausländische Fachleute für KMU im Verhältnis sehr aufwändig.
Wir haben aber auch Vorteile gegenüber den globalen Unternehmen. Auf dem inländischen Arbeitsmarkt bieten wir als KMU den Vorteil, dass wir flache Hierarchien und ein familiäres Umfeld ohne Hire-and-Fire-Mentalität bieten können.
 
Abraxas muss in den nächsten Monaten nicht nur für Fachkräfte attraktiv sein, sondern auch für potenzielle Investoren, da die bisherigen Besitzer ihre Beteiligungen abstossen wollen. Sind Sie 2011 für Interessenten attraktiver geworden?
 
Thomas Flatt: Sie verstehen, wenn ich mich nicht über die Pläne unserer Aktionäre äussern will. Attraktiv wollen wir aber unabhängig davon bleiben. Wenn wir die Finanzzahlen der letzten Jahre betrachten, können wir eine kontinuierliche Verbesserung praktisch aller Parameter vorweisen: Wir wurden profitabler, sind im Umsatz und Gewinn gewachsen. Wir konnten neue Produkte lancieren. Vor fünf Jahren waren wir noch hoch verschuldet. Heute haben wir keine Nettoschulden mehr. Das sind schöne Erfolge. Jetzt kommen wir aber, wie in meinen Prognosen bereits angetönt, in einen Zyklus, der weitere Transformationen notwendig macht. Dies wird etwas Zeit und auch Geld kosten. Insgesamt bin ich aber überzeugt, dass die Abraxas nach wie vor attraktiv ist und dass es sich lohnt, in dieses Unternehmen zu investieren.
 
Sie haben bereits früher mehrfach angetönt, dass der Verkaufsprozess schwierig ist, weil sehr viele Interessen und Parameter optimiert werden müssen. Gilt dies nach wie vor?
 
Thomas Flatt: Ja, eindeutig. Die heutigen Aktionäre haben mehrfach öffentlich betont, dass sie keine reine Kaufpreisoptimierung suchen. Die Ziele für die Zukunft sind eine solide Leistungserbringung, ein vertrauenswürdiges Aktionariat und die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens an den Standorten Zürich und St. Gallen. Schliesslich sind die heutigen Aktionäre unsere wichtigsten Kunden und wollen dies auch bleiben. Aber wie bereits gesagt, dieser Prozess wird von den Aktionären geführt. Und ich kann weder für diese sprechen noch kann ich vorher sagen, wie diese sich letztlich entscheiden werden.
 
Hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Transaktion 2012 erhöht?
 
Thomas Flatt: Ich war in meinen diesbezüglichen Vorhersagen bisher immer konservativ. Ich habe 2009, 2010 und 2011 erklärt, dass ich keine Transaktion erwarte. In der Zwischenzeit haben die Sondierungen und Verhandlungen aber einen Konkretisierungsgrad erreicht, der einen Entscheid durch die Regierungen beider Kantone im Verlauf dieses Jahres möglich machen sollte. Dies ist ein wesentlicher Schritt vorwärts im Prozess. Ob er auch zu einer Transaktion führen wird, wissen wir allerdings heute noch nicht. Derweil konzentriere ich mich darauf, gemeinsam mit meinem Management die Abraxas – unabhängig von solchen Überlegungen unserer Aktionäre – als attraktiven Arbeitgeber und Dienstleister im Markt Schweiz zu entwickeln. (Das Interview führte Daniel Meierhans. Es wird gleichzeitig auch im Geschäftsbericht von Abraxas veröffentlicht.)
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