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Donnerstag, 14.06.2012
Ein Blick in Chinas Silicon Valley

china silicon valley
Der Technologie-Hub Zhongguancun im Nordwesten von Beijing ist die Heimat vieler lokaler Start-ups, aber auch grosser internationaler IT-Konzerne. Ausserdem wird hier das Internet der Zukunft erforscht.
 
"Wisst ihr, es leben mittlerweile 20 Millionen Leute in Beijing, und es fahren fünf Millionen Autos herum. Hier gibt es jeden Tag Stau", sagt David mit einem Lächeln auf dem Gesicht. David ist unser Guide in der chinesischen Hauptstadt. Er zeigt uns Schweizer IT-Journalisten im Auftrag des Telekom-Riesen Huawei die wichtigsten Plätze in Beijing. Da wir ja an Informatik interessiert seien, müssten wir unbedingt in den Haidian District, meint David. Dieser liegt im Nordwesten Beijings und beherbergt den Technologie-Hub Zhongguancun - ein kleines Silicon Valley nach chinesischer Art.
 
Wo die IT-Industrie wohnt
Ist Shenzhen im Süden Chinas eine "Special Economic Zone", handelt es sich bei Zhongguancun um die "Science & Technology Zone". Hierher kommt, wer ein Technologie-Startup gründen will oder von den grossen IT-Konzernen dieser Welt angeheuert werden möchte. Microsoft, Google, Intel, Oracle oder EMC sind hier präsent, Chinas grösster PC-Hersteller Lenovo wurde hier gegründet. In Zhongguancun befindet sich auch das bekannte Garage Cafe, ein Szenetreff für chinesische Start-ups. David wohnt in Beijing, hat aber vom Garage Cafe noch nie etwas gehört. Er will dem Journalisten aber helfen und versucht, über die Hongkonger Website von Google Informationen darüber zu finden. Fehlanzeige. Der Zugriff auf einen entsprechenden Artikel von 'TechCrunch' ist nicht möglich. (Auch der 'Spiegel' hat unlängst aus dem Garage Cafe berichtet.)
 
David und die anderen Vertreter von Huawei möchten die Aufmerksamkeit der Journalisten aber nicht beim Kaffee sondern beim Nachwuchs und der Forschung haben, denn in der Nähe befindet sich einerseits die "Beida" genannte Universität von Beijing, die sich als Harvard-Pendant sieht. Andererseits liegt hier, unweit des Alten Sommerpalastes, auch die Tsinghua-Universität. Da gehen wir hin.
 
Die renommierteste Tech-Uni
Die Tsinghua-Universität ist in den Worten einer Übersetzerin nichts weniger als die chinesische Antwort auf das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT). Auch internationale Uni-Rankings listen sie weit oben. Ihr Motto lautet "Selbstdisziplin", erklärt uns David. Chinas Internetpionier Charles Zhang hat hier Physik studiert. Die Tsinghua verfügt über rund ein Dutzend Fakultäten. Der Mann, den wir hier treffen, ist für das darin integrierte Forschungszentrum zuständig, kann uns also nicht präzis sagen, wie viele von den 70'000 Studierenden in Bereichen der Informationstechnologie ausgebildet werden. Chong Li schätzt, dass es ein Viertel bis ein Drittel sein könnten. Jedenfalls ist die Tsinghua spezialisiert auf Ingenieurwissenschaften - und davon kann China nicht genug kriegen. Einen Mangel an Informatik-Arbeitskräften scheint es jedenfalls nach Auskunft von Huawei-Vertretern in diesem Land nicht zu geben.
 
Erforschung der nächsten Internetgeneration
Die Tsinghua beherbergt vielleicht nicht die grösste Zahl chinesischer Informatik-Studierender, sieht sich aber als erste Adresse im Bereich der Internetforschung. Das zum Teil vom chinesischen Staat finanzierte IPV4-Netz CERNET (China Education and Research Network) steht unter der operativen Leitung der Tsinghua und verbindet landesweit zahlreiche Schulen und Universitäten. Es soll sich um das weltweit grösste akademische Forschungsnetzwerk handeln. Das Glasfaser-Backbone erlaubt es Firmen und Institutionen, Internetforschung zu betreiben. Chong Li, der nicht fotografiert werden möchte, nennt als Partner die bekanntesten chinesischen Firmen, aber auch Google, Microsoft oder IBM nutzen das Netzwerk.
 
Beim Folgeprojekt CERNET2 handelt es sich um das einzige IPV6-Netzwerk in China und nach Auskunft von Li um das derzeit grösste Netzwerk, das ausschliesslich mit IPV6 betrieben wird. Die CERNET-Projekte sind Teil des von der chinesischen Regierung vorgegebenen Fünfjahresplans China Next Generation Internet (CNGI). Ziel: Bei der künftigen Entwicklung des Internets eine entscheidende Rolle zu spielen.
 
Als wir das Forschungszentrum verlassen, ist der Himmel noch immer bedeckt. Der Verkehr scheint kurz vor dem Kollaps. David zeigt uns die mehrspurigen Strassen Beijings und meint: "Manchmal, spätnachts, entspannt sich der Verkehr. Dann verschwinden die meisten Autos und Busse." Und so kommt selbst Beijing zwischendurch zur Ruhe, bis es dann am nächsten Morgen wieder losgeht. Mit dem Verkehr, mit den Firmengründungen und mit der Internetforschung. (Maurizio Minetti, Beijing)
 
(Interessenbindung: Die Reise nach und der Aufenthalt in China wurden von Huawei finanziert.)
 
(Fotos: Maurizio Minetti, inside-it.ch)
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