Ist Shenzhen im Süden Chinas eine "Special Economic Zone", handelt es sich bei Zhongguancun um die "Science & Technology Zone". Hierher kommt, wer ein Technologie-Startup gründen will oder von den grossen IT-Konzernen dieser Welt angeheuert werden möchte. Microsoft, Google, Intel, Oracle oder EMC sind hier präsent, Chinas grösster PC-Hersteller Lenovo wurde hier gegründet. In Zhongguancun befindet sich auch das bekannte Garage Cafe, ein Szenetreff für chinesische Start-ups. David wohnt in Beijing, hat aber vom Garage Cafe noch nie etwas gehört. Er will dem Journalisten aber helfen und versucht, über die Hongkonger Website von Google Informationen darüber zu finden. Fehlanzeige. Der Zugriff auf einen entsprechenden Artikel von 'TechCrunch' ist nicht möglich. (Auch der 'Spiegel' hat unlängst aus dem Garage Cafe berichtet.)
Die Tsinghua-Universität ist in den Worten einer Übersetzerin nichts weniger als die chinesische Antwort auf das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT). Auch internationale Uni-Rankings listen sie weit oben. Ihr Motto lautet "Selbstdisziplin", erklärt uns David. Chinas Internetpionier Charles Zhang hat hier Physik studiert. Die Tsinghua verfügt über rund ein Dutzend Fakultäten. Der Mann, den wir hier treffen, ist für das darin integrierte Forschungszentrum zuständig, kann uns also nicht präzis sagen, wie viele von den 70'000 Studierenden in Bereichen der Informationstechnologie ausgebildet werden. Chong Li schätzt, dass es ein Viertel bis ein Drittel sein könnten. Jedenfalls ist die Tsinghua spezialisiert auf Ingenieurwissenschaften - und davon kann China nicht genug kriegen. Einen Mangel an Informatik-Arbeitskräften scheint es jedenfalls nach Auskunft von Huawei-Vertretern in diesem Land nicht zu geben.
Die Tsinghua beherbergt vielleicht nicht die grösste Zahl chinesischer Informatik-Studierender, sieht sich aber als erste Adresse im Bereich der Internetforschung. Das zum Teil vom chinesischen Staat finanzierte IPV4-Netz CERNET (China Education and Research Network) steht unter der operativen Leitung der Tsinghua und verbindet landesweit zahlreiche Schulen und Universitäten. Es soll sich um das weltweit grösste akademische Forschungsnetzwerk handeln. Das Glasfaser-Backbone erlaubt es Firmen und Institutionen, Internetforschung zu betreiben. Chong Li, der nicht fotografiert werden möchte, nennt als Partner die bekanntesten chinesischen Firmen, aber auch Google, Microsoft oder IBM nutzen das Netzwerk.
