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Freitag, 29.06.2012
Jazoon'12: Komplexität und Agilität

Jazoon
Diese Woche wurde in Zürich über die Zukunft der Softwareentwicklung diskutiert. Dabei fehlte es nicht an visionären Ideen.
 
Die sechste Ausgabe der Softwareentwicklerkonferenz Jazoon, die diese Woche in der Zürcher Arena Filmcity stattfand, wurde mit einer Keynote von Dave Thomas eröffnet. Der Gründer von Object Technology International sprach über aktuelle und künftige Schwerpunkte der Softwareentwicklung in den Bereichen Big Data, Web oder Scalability. Mit seiner gewohnt humorvollen Art führte er das Publikum durch die Top-Themen und machte deutlich, wie komplex die Branche geworden ist. Er glaubt, dass zukünftig nur noch wenige "Alpha-Programmierer" mit vertieftem Wissen entwickeln und Programmiersprachen so vereinfacht sind, dass sich auch Endbenutzer darin zu Recht finden.
 
Die Frage dabei bleibt, ob diesen neuen Sprachen nicht ein ähnliches Schicksal droht wie SQL. SQL sollte eigentlich als Sprache für Manager dienen, um einfach auf Datenbanken zugreifen zu können. Heute wird SQL jedoch nur von Entwicklern verwendet und das eigentliche Ziel wurde aus verschiedenen Gründen weit verfehlt.
 
Servertechnologien und ein Computerarzt
Am ersten Tag der Jazoon'12 lag der Schwerpunkt der Techie-Talks vor allem auf Web, Cloud und REST. Innerhalb der Webtechnologien zeichnet sich der Trend ab, dass jede Woche ein neues Framework hochgejubelt wird. Ein Sprecher von Heroku zeigte seine Erfahrungen von Client/Server Apps mit HTML5 und Java auf und gab eine gute Übersicht über die verschiedenen JavaScript Frameworks: jQuery, LESS, Twitter Bootstrap und CoffeeScript. Als Servertechnologien wurden Play und Vaadin vorgestellt. Beide Frameworks zeigen vielversprechende Aspekte und können in den richtigen Anwendungsfällen die Produktivität steigern.
 
Für die Präsentation der neuen Metro-Umgebung von Windows 8 interessierte sich lediglich eine kleine Gruppe. Im "SET Track" wurden Erfahrungen aus der Agilen Softwareentwicklung geschildert und es gab eine Reihe von Talks für Software-Architekten mit best-practices. Der Tag wurde von Dale Lane abgerundet, der an der Entwicklung des IBM-Supercomputers Watson beteiligt ist. Er legte den aktuellen Stand seiner Entwicklung dar und verdeutlichte, dass Machine Learning und künstliche Intelligenz noch immer riesige Fortschritte machen. Watson wird im Moment im Gesundheitswesen getestet und ähnlich ausgebildet wie ein Arzt. Dabei kann Watson nach Angeben von IBM schneller Informationen verarbeiten und persistent ablegen. Die Frage, ob Watson in Zukunft mehr Vertrauen entgegen gebracht wird als einem Arzt, führte zu Diskussionen.
 
Selbstheilende Computer
Am zweiten Tag wurden Themen in Bezug auf Skalierbarkeit ausführlich diskutiert. Jonas Bonér von Typesafe zeigte in seinem ausgezeichneten Beitrag auf, welche Möglichkeiten bestehen, um skalierbare und fehlertolerante Systeme zu entwerfen und wo die jeweiligen Grenzen liegen. Es sind dabei immer Kompromisse einzugehen. Sein wichtigster Ratschlag war, bei jeder Komponente zu überdenken, welche Teile wirklich skalieren oder fehlertolerant sein müssen und nicht das ganze System so zu designen.
 
Im Laufe des Tages wurden Datenbanksysteme vorgestellt, welche diesen Prozess vereinfachen können, wie etwa Cassandra und mongoDB. Dazu gab es ebenfalls Präsentation von Tools und Mechanismen, welche die Schnittstelle zwischen Big Data und Computation bilden. Ein besonderes Highlight des Tages stellte der Vortrag über Scala in Action dar. Dem Publikum wurde das Potenzial von Scala für Entwickler deutlich. Am Ende des Tages wurde der Rookie Award verliehen. Dieses Jahr gewann Ivo Neskovic aus Mazedonien mit einem Vortrag über Automated Computing. Er hat die Vision, dass in Zukunft Computer sich selber heilen können und stellte dazu sein Forschungsprojekt vor.
 
Mensch bleiben
Diana Larsen leitete den letzten Tag der Jazoon'12 mit einer erfrischenden Keynote zu Agile Chartering ein. Um als Team in einer agilen Umgebung erfolgreich zu sein, ist der Start des Projektes ausschlaggebend. Agile Chartering hilft, das Team zu Beginn richtig zu informieren, es zu inspirieren und zu formieren. In Larsens Erfahrung zeigte sich das Agile Chartering als wichtiger Erfolgsfaktor für Projekte und es unterstützte als Nebeneffekt die Teambildung.
 
Im Tagesprogramm kam eine Vielzahl von Themen zur Sprache. In einem hervorragenden Talk über Responsive Design erstaunte Google-Mitarbeiter Rupert Breheny das Publikum damit, dass ein ausgeklügeltes Design für verschiedene Plattformen mit wenigen CSS-Tricks zu erreichen ist. Ian Partridge von IBM machte seine Zuhörer auf die Memory-Auslastung von Java aufmerksam. In Java wird das Memory-Handling anders als zum Beispiel bei C++ von der virtuellen Maschine abgenommen. In seinen Ausführungen machte er jedoch klar, dass dies in keinem Falle den Entwickler von der Auseinandersetzung mit Memory-Problemen befreit und führte das Tool Memory Analyzer für Eclipse vor, welches es ermöglicht, Memory-Probleme aufzuspüren.
 
Die Jazoon'12 wurde von Henrik Schärfe mit seiner Keynote zur Mensch-Roboter-Interaktion beendet. Er baute ein Ebenbild von sich selber als Droide und führte damit Studien durch, wie Menschen diesen Droiden wahrnehmen und auf ihn reagieren. Das zukünftige Zusammenleben zwischen Menschen und Maschinen wird eine Herausforderung, ist jedoch unumgänglich. Schärfe schloss damit, dass, wie immer die Zukunft aussehen wird, die Menschen im Umgang mit Technologien menschlich bleiben sollen - Stay Human. (Nicolas Bär)
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