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Mittwoch, 11.07.2012
Chinas kurzer Marsch zum nächsten Silicon Valley

Nach Meinung vieler Top-Manager wird China bis 2016 zum nächsten Silicon Valley. Das ergab eine weltweite KPMG-Umfrage, der zufolge Europas Innovationskraft deutlich zu verblassen scheint.
 
Unter Mao Tsetung noch undenkbar, haben die Chinesen unter Deng Xiaoping bald getönt, das 21. Jahrhundert gehöre ihnen und anfangs viel Gelächter dafür geerntet. Das Lachen ist den meisten im Westen heute im Halse stecken geblieben. So hat Chinas Wirtschaft zwar mittlerweile etwas an Dynamik verloren, sie gilt aber immer noch als Taktgeber der globalen Ökonomie. Das Reich der Mitte ist nicht mehr nur die "verlängerte Werkbank", sondern ein riesiges Abnehmerland. Mittlerweile muss der Westen selbst in Sachen Innovation befürchten, von China überholt zu werden: Eine neue Studie der Unternehmens- und Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG bescheinigt China die grösste Innovationskraft der kommenden vier Jahre. Bis 2016 werde China innovativer als das Silicon Valley sein.
 
USA bald abgemeldet, Europa unter ferner liefen
Gemäss der KPMG-Studie "Tech Innovation Survey 2012" sind von 668 Spitzenmanagern (ein Fünftel CEOs) rund um den Globus 43 Prozent der Meinung, dass Silicon Valley beziehungsweise die USA in den nächsten vier Jahren die Krone der Technologieinnovation an ein anderes Land verlieren wird. Am meisten getippt wurde dabei mit 45 Prozent auf China, gefolgt von 21 Prozent für Indien sowie jeweils 9 Prozent pro Japan und Korea. Israel kam an fünfter Stelle. Europa sieht sich ebenso abgeschlagen wie Taiwan. Dabei kontrollieren die Unternehmen der kapitalistischen Bruderinsel immer noch einen Grossteil von Chinas IT-Hardware-Industrie, was sich zum Beispiel auch bei rund 90 Prozent der globalen Notebook-Produktion zeigt.
 
Obwohl die Einschätzung über die Innovationskraft ihres Landes in den USA und China weit auseinander klafft (39 zu 71 Prozent), hat die Studie ergeben, dass den beiden Ländern von allen Befragten am ehesten zugetraut wird, in den kommenden zwei bis vier Jahren mit verdrängenden ("disruptive") technologischen Durchbrüchen aufzuwarten. Als eine "Disruptive Technology" wird zum Beispiel der Flash-Speicher gesehen, der als SSD bald die Festplatte ersetzen dürfte.
 
Trotz der Tatsache, dass seine Region in der Studie relativ schlecht wegkommt, sieht Tudor Aw, Technology Sector Head for KPMG Europe, die "alte Welt" noch nicht verloren. Grossbritannien sei schon immer eines der kreativsten Länder gewesen, es sei aber schlecht darin, die kreativen Ideen zu vermarkten. Ähnliche Beispiele finden sich auch in Deutschland, Frankreich und der Schweiz, so dass europäische Erfindungen wie die Transistor- und LCD-Technik längst anderswo in bare Münze umgewandelt werden.
 
Teil des Fünfjahresplans
Die relativ geringe Zahl von Ingenieuren und Technikern in Europa könne zwar laut Aw problematisch werden. Die Art von Unternehmen, die disruptive Technologien schüfen, Facebook etwa, seien aber viel schneller aufzubauen und viel weniger von hoher Ingenieurskunst abhängig als zum Beispiel die Entwicklung eines neuen Rolls-Royce. Für den KPMG-Manager ist insofern auch kein Wunder, dass sich China zum neuen Disruptive-Zentrum aufschwingt. Mit einem wettbewerbsverdrängenden Kostenmodell habe schliesslich einst auch die japanische Automobilindustrie ihren Anfang genommen.
 
Neben einem guten Umfeld für die Entwicklung solcher disruptiven Technologien kommt für China- KPMG-Partner Egidio Zarella hinzu, dass die chinesische Regierung, wie im 12. Fünfjahresplan festgelegt, auch drei zukunftsweisende Schlüsseltechnologien fördert: 1. Shared Services und Outsourcing, 2. Mobile Payment (mobiles Bezahlen) und 3. Cloud Computing.
 
Die vielversprechendsten Technologien und Unternehmen
Cloud Computing ist für die Umfrageteilnehmer auch eine der wichtigsten Entwicklungen der kommenden vier Jahre. 28 Prozent der Teilnehmer nannten diesbezüglich zunächst mobile Technologien inklusive Smartphones und Tablets als wichtigste Trends, 17 Prozent Cloud Computung und Storage, 13 Prozent "Advanced IT" und 3D-Technologie.
 
Cloud wird in Europa vielfach als B2B-Terrain gesehen, nicht so in Asien zum Beispiel. 30 Prozent der Umfrageteilnehmer meinen denn auch, dass sich Software as a Service (SaaS) bis 2015 zur nächsten unverzichtbaren Consumer-Technologie entwickeln wird, 22 Prozent nannten Infrastructure as a Service (IaaS), gefolgt von SaaS.
 
Als die grössten Innovationstreiber und Visionäre werden (posthum) immer noch Apple-Mitgründer Steve Jobs und sein Nachfolger Tim Cook gesehen. Apple ist in der Umfrage auch ganz vorn bei den disruptiven Technologien, gefolgt von Google und Microsoft. Bill Gates wurde nach Jobs immerhin auch als zweitwichtigster Visionär gesehen, in China sogar als führender, während Jack Ma, Gründer der B2B-Internetplattform Alibaba, von den dortigen Spitzenmanagern zum Innovationskaiser auserkoren wurde. In Indien wird diese Rolle Infosys zugebilligt, in Israel IBM/Lenovo. (Klaus Hauptfleisch)
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