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Donnerstag, 19.07.2012
Displays leicht und beweglich wie eine Feder

Samsung Galaxy Skin
Die Anbieter von Handys, Tablets und Notebooks treiben die Display-Industrie zu immer neuen Dünne-Rekorden an. Wann kommen papierdünne Touch-Panels?
 
Lange waren TV-Geräte die Triebfeder im milliardenteuren Wettrüsten der LCD-Panel-Industrie. Doch mit dem Boom bei kleineren und mittelgrossen Panels für Tablets und Smartphones hat sich die Industrie radikal verändert. Denn bei den mobilen Geräten kommt es nicht auf Grösse an, sondern auch auf Leichtigkeit und eine möglichst geringe Bautiefe der Display-Module.
 
Papierdünne Touch-Panels
Der zur BenQ-Gruppe gehörende LCD-Panel-Hersteller AU Optronics (AUO) hat wie Samsung und LG Display massiv in die Entwicklung und Produktion von OLED- beziehungsweise AMOLED-Displays (mit Aktivmatrix) und in kleine bis mittelgrosse LCD-Touchscreens investiert. Wie das Unternehmen in einem Special bei 'Digitimes' schreibt, ist man von papierdünnen Touch-Panels zwar noch ein gutes Stück entfernt, die Jagd danach habe aber schon begonnen.
 
Spannend wird die Entwicklung vor allem mit den organischen Leuchtdioden, weil die OLED- oder AMOLED-Panels im Unterschied zu LCDs keine Hintergrundbeleuchtung brauchen. Zudem sind die heute verwendeten Polymere eine Art Kunststoff und somit biegsam.
 
Vom Winde verweht
AUO-Vizepräsident Wu Dagang, Entwicklungschef für mobile Produkte, hat im April 2012 auf einer 'Digitimes'-Veranstaltung zum Thema Ultra Mobile seinen Vortrag mit einem Kurzfilm begonnen. Der zeigte, wie einem Studenten ein hauchdünnes, flexibles und transparentes Display vom Wind davon getragen wird, woraufhin es ein anderer Student von der Strasse aufhebt, die GPS-Funktion aktiviert und damit davonläuft. Die Vision ist laut Wu gar nicht abwegig, wenn man bedenkt, wie leicht und dünn Handys seit ihrer Erfindung in den letzten 20 Jahren geworden sind.
 
Immer dünnere Displays sind ein wichtiger Schlüssel dazu, wobei durch die Verschlankung laut Wu auch der Akku geschont wird und die Geräte insgesamt leichter werden. Nachteil sei aber, dass die Handys und Smartphones damit tendenziell auch leichter kaputt gehen. Schon daher setzen Hersteller wie AUO zunehmend auf OLED-Displays, weil diese ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen. Allein durch Wegfall der Reflexionsschicht samt Filterglas werde 1,5 mm an Bautiefe gespart, so Wu.
 
Dünnere und weniger Bauteile
Durch dünnere oder weniger Komponenten ist aber auch bei LCD-Modulen noch Luft für eine Verschlankung. 0,4 bis 0,5 mm lässt sich zum Beispiel durch die In-Cell-Touch-Technologie mit einer (OGS) statt zwei Glasschichten (G/G) beziehungsweise wie bei älteren Handys eine Glas- und eine Folie (G/F) herausholen. Die Glasstärke wurde in den letzten 25 Jahren von 1,1 mm auf 0,5 mm deutlich reduziert und bei Tablets und Mobiltelefonen wird es bald schon gen 0,3 mm respektive 0,2 mm gehen. Ohne Kompromiss bei der Leuchtdichte will AUO das LED-Backlight für Notebooks von 0,8 mm auf 0,6 mm verjüngen, Tablet-Backlight sogar auf 0,4 mm.
 
Bei G/G-Touch-Lösungen habe man mit dünneren Deck- und Sensorgläsern bereits 1,2 mm an Bautiefe eingespart, mit In-Cell-OGS für Tablets, Ultrabooks und Displays bis 27 Zoll Bilddiagonale sei man schon bei 0,4 mm angelangt.
 
Mass das erste iPad noch 13,4 mm und das LCD-Panel 0,3 mm, waren es beim iPad 2 nur noch 8,8 mm respektive 2,5 mm für das Retina-Display. Die Stärke des Display-Moduls von Ultrabooks soll bis 2013 von derzeit 3,0 auf 2,8 mm sinken, wodurch die Geräte noch dünner werden.
 
Ein Hoch auf AMOLED
Während LCDs zur Starre verdammt sind, lassen sich AMOLED-Displays beliebig formen und biegen, womit sie völlig neue Smartphone-Designs erlauben. Das hat Samsung mit dem Galaxy Skin (Foto) gezeigt. Das Gerät soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Das Galaxy S2 war dank Super-AMOLED mit 8,49 mm einige Zeit das dünnste Smartphone am Markt, wurde aber auf der CES Anfang 2012 von dem nur 6,68 mm dünnem Ascend P1 S von Huawei überholt. AUO hatte letztes Jahr auf der Flat-Panel-Display-Show in Yokohama schon ein 4 Zoll grosses AMOLED-Display mit einer Bautiefe von 0,3 mm im Gepäck, im nächsten Schritt soll ein genauso dünnes biegsames und wasserdichtes Display aus TFT-OLED-Folie folgen, so Wu.
 
Obwohl Samsung und LG für dieses Jahr, angeblich alle technischen Probleme über Bord werfend, schon 55 Zoll grosse AMOLED-Fernseher angekündigt haben, bleiben Handys und Digitalkameras mit riesigem Abstand Hauptanwendung für OLED-Displays. 2012 sollen davon laut Marktforschern weltweit zwischen 127 bis 201 Millionen Stück verkauft werden, 2016 sollen es 320 bis 455 Millionen sein. (Klaus Hauptfleisch)
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