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Donnerstag, 09.08.2012
Warum HP aufgespalten werden sollte

HP Garage
UBS-Analysten sind pessimistisch über die Zukunft von Hewlett-Packard und schlagen die Abspaltung des Printer- und PC-Geschäfts im Interesse der Aktionäre vor. Ein Blick in ihre Argumente.
 
Hatte Léo Apotheker doch Recht? Der ehemalige SAP und HP-Chef schlug vor ziemlich genau einem Jahr die Abspaltung des PC-Geschäfts aus dem US-Grosskonzern vor und sorgte damit für viel Unruhe. Apotheker wurde bald danach rausgeschmissen und HP bekennt sich seitdem wieder zum PC-Geschäft, hat aber den Rang als weltgrösster Hersteller von "persönlichen Computern" an Apple verloren.
 
Nun schlägt UBS Investment Research in einem 34-seitigen Bericht die Aufspaltung des Riesenkonzerns vor. "Wir fragen uns, ob es statt 'better together' nicht doch eher "smart to be apart" heissen solle", heisst es auf Seite 1 des Reports. Die UBS-Analysten sind pessimistisch: Sie glauben, dass der Aktienkurs von HP weiter sinken werde und raten Aktionären, die Papiere zu verkaufen.
 
Whitman in "uphill battle"
Die neue HP-Chefin Meg Whitman sei zwar ein gute Wahl, doch befinde sie sich in einem "uphill battle", einer Schlacht unter erschwerten Bedingungen. Der CEO-Reigen an der Spitze von HP habe die Mitarbeiter ebenso demoralisiert wie die angekündigten aber erst teilweise realisierten Massenentlassungen.
 
Die UBS-Analysten listen zudem eine ganze Reihe von negativen Trends in der Entwicklung von Hewlett-Packard auf: Das Printer-Geschäft befinde sich möglicherweise weltweit auf dem absteigenden Ast. Besonders bedrohlich für HP ist, dass die Tintenstrahldruck-Technologie weniger wichtig wird. Inkjets und vor allem die Tinte (man sagt ja, HP Druckertinte sei die teuerste Flüssigkeit der Welt) steuern aber zwei Drittel zu HPs Printer-Umsatz bei. Zudem glauben die Marktbeobachter, die Marge von HP werde vor allem im Geschäft mit Supplies weiter unter Druck geraten.
 
Ebenfalls unter Negativa wird der Rückstand von HP im Software-Geschäft verbucht. Die Analysten glauben zwar an die Zukunft der beiden übernommenen Firmen Autonomy und Vertica, doch macht Software erst vier Prozent des HP-Umsatzes aus. Ausserdem finden auch die UBS-Banker den Preis, den Apotheker für Autonomy bezahlte, zu hoch.
 
Marktanteil und Marge im PC-Geschäft unter Druck
Hewlett-Packard hat es seit der Übernahme von Compaq geschafft, die Gewinnmarge im überharten PC-Geschäft stetig zu verbessern. Nun glauben die Analysten, die Marge könnte in Zukunft eher wieder unter Druck geraten. Schlimmer noch: HP hat den Einstieg ins rasant wachsende Tablet-Business brutal vermasselt und startet nun von der letzten Reihe. IDC glaubt, dass 2015 noch 165 Millionen Desktop-PCs verkauft werden, aber fast 290 Millionen Tablet-PCs.
 
Aufgespalten viel mehr wert?
Während also die Aussichten für das Printer- ("feast appears to be ending") und PC-Geschäft ("end user business in trouble") von HP eher trübe ist, sehen die Analysten mehr Zukunft im Enterprise-Business. Wenn es HP schaffe, vom Cloud-Hype zu profitieren, so könne ESSN (Enterprise Servers, Storage, Networking) den Umsatz leicht und den Gewinn stark steigern, glauben die Beobachter. Das Service-Geschäft, wo man zu radikal Stellen abgebaut habe, werde eher schrumpfen und der Gewinn wohl kaum wachsen während das Software-Business weiterhin Chancen böten.
 
Ausserdem wird HP in den nächsten Quartalen Schulden abbauen müssen. Denn alleine im Geschäftsjahr 2010-2011 hat HP 21 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und Firmenkäufe ausgegeben und sich verschuldet.
 
Interessanterweise sehen HPs Geschäftszahlen anders aus, wenn man die Firma in "Enterprise"- und in PC/Drucker-Business aufteilt. Dann fällt nämlich auf, dass HP in Sachen Umsatzwachstum und Marktanteil-Gewinn zwar nicht glänzt, das Drucker-PC-Geschäft aber die besten Gewinnmargen in der Industrie ausweisen. Das Enterprise-Geschäft mit Servern, Services und Software würde wiederum von den besseren Wachstumsaussichten profitieren.
 
Würde man die Firma aufspalten, so könnte der addierte Werk der Aktien statt heute 19 Dollar auf 34 Dollar klettern, phantasieren die Analysten. Es wäre interessant zu sehen, was passiert, wenn ein "Aktivist" im Stile von Carl Icahn oder Bill Ackman involviert würde, heisst es gegen Schluss des Papiers.
 
Phantasien über die potentielle Aufspaltung des IT-Kolosses gibt es seit vielen Jahren. Diesmal aber werden sie vom seit zweieinhalb Jahren stetig fallenden Börsenwert der Firma angeheizt. (Christoph Hugenschmidt)
 
(Interessenbindung: Hewlett-Packard ist ein wichtiger Werbekunde unseres Verlags und Gold-Sponsor von inside-it.ch. Zwei HPs könnten aber zwei wichtige Werbekunden unseres Verlags sein, oder?)
 
Foto Startseite: Die HP-Garage. Foto by bragadocchio unter Creative Commons Lizenz.
 
Foto Textseite: Gedenktafel vor der rekonstruierten HP-Garage in Kalifornien by donjd2 unter Creative Commons Lizenz.
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