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Freitag, 17.08.2012
Grosse Koalition gegen Berner RZ-Pläne

Soll das Rechenzentrum in Bern von einem externen Rechenzentrumbetreiber bezogen werden oder von der Stadt Bern selbst gebaut werden? Diese Frage, ruft eine ungewöhnlich breite Koallition von den Jungen Alternativen bis zu der SVP auf den Plan.
 
Eigentlich war alles klar: Das stadteigene Rechenzentrum der Stadt Bern im Keller der Schwanengasse 14, wo sich der gesamte Informatikbetrieb der Stadt befindet, ist zu klein. Deshalb hat der Gemeinderat (Exekutive) geplant, ein neues Hauptrechenzentrum für die Stadtverwaltung im Beerhaus in Bümpliz zu bauen, wo die Informatikdienste ab Ende 2013 einziehen sollen. Ausserdem sollte ein zweites Rechenzentrum gebaut werden, das im Katastrophenfall zum Einsatz kommen soll. Für die Umsetzung wurde diesen Mittwoch vom Gemeinderat einen Baukredit von über 10,57 Millionen Franken zur Sanierung des Beerhaus verabschiedet. Laut 'Bund' sind fünf Millionen davon für die Infrastruktur eines neuen städtischen Rechenzentrums vorgesehen.
 
Von links bis rechts
So weit so gut. Nun wurde aber gestern, ein Tag nachdem der Gemeinderat den Kredit für das Rechenzentrum verabschiedet hatte, im Stadtrat darüber diskutiert, ob sich die Stadt nicht bei einem externen Rechenzentrumbetreiber einmieten soll, da es "sinnvoller und günstiger" sein könnte. Vorab wurde eine Interpellation eingereicht mit der Frage, ob die externe Einmietung anstelle des Neubaus von zwei städtischen Rechenzentren wirklich seriös geprüft wurde. Erstaunlich: Die Interpellation findet Unterstützung bei einem grossen politischen Spektrum - von Simon Glauser, SVP, über EVP-Vertreter Matthias Stürmer zu Rahel Ruch, von der 'Jungen Alternativen' JA!.
 
Der Gemeinderat hält an der eingeschlagenen Strategie fest und lehnt ein externes Rechenzentrum ab, "obwohl die Kostenkurven von internen und externer Lösung nahe beisammen liegen". Weiter heisst es in der Antwort auf die Interpellation, dass mit einem stadteigenen Rechenzentrum die Gefahr minimiert werden könne, dass eine "nahezu vollständige Abhängigkeit zur Colocation-Anbieterin bezüglich Service- und Wartungsleistungen, Systemverfübarkeit, Lifecycle-Managment und Preisentwicklung oder der unbefugte Zugang und Datenzugriff" entstehen könnte.
 
Der Stadtrat ist jedoch nicht zufrieden mit dieser Antwort. Die, die die Interpellation eingereicht haben, finden, dass die Variante der Einmietung eingehend geprüft werden soll. "Aus diesem Grund werden wir ein Postulat einreichen, das eine externe, unabhängige Evaluation der Rechenzentrum-Varianten verlangt und detailliert Auskunft über Kostenvergleiche und Risikoaspekte liefert."
 
Die Frage der Fragen
Die Diskussion ist nicht neu. Bereits der Kanton Basel-Stadt hatte sich lange damit befasst, ob ein neues Rechenzentrum gebaut werden soll, oder eingemietet werden soll. Nach einem längeren Hickhack hatte man sich aufgrund eines externen Expertenberichts entschieden, das Rechenzentrum im IWB (Industrielle Werke Basel) einzumieten. Auch der Kanton Basel-Land hat sich nach langer Evaluation für einen externen RZ-Betreiber, nämlich für Colobâle in Pratteln, entschieden.
 
Auch die Stadt Winterthur stand bereits vor der RZ-Frage. Zuerst wollte die Stadt ein eigenes Backup-RZ bauen, hat dann aber gemerkt, dass weitere externe Offerten eingeholten werden müssen, da das Einmieten weniger kosten könnte als einen Eigenbau. Nur in Zürich wird der Bau des eigenen Rechenzentrum durchgezogen. Für rund 140 Millionen wird auf dem Siemens-Areal in Zürich Albisrieden ein neues RZ entstehen. (Linda von Burg)
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