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Freitag, 24.08.2012
Chinesischer Smartphone-Markt in Bewegung

Xiaomi Smartphone
Ein Gespenst geht um in China für Apple und andere etablierte Smartphone-Marken: Die wachsende Billigkonkurrenz. Xiaomi gibt dem Phänomen einen Namen. Der Hersteller drängt jetzt auch nach Europa.
 
In China ist Xiaomi der aufstrebende Stern am Smartphone-Himmel. Die Firma aus Beijing mausert sich langsam zum grössten Konkurrenten von Apple in China, wo die Wachstumsraten immer noch extrem hoch sind. Der iPhone-Hersteller verliert deshalb im Reich der Mitte möglicherweise bald Coolness-Faktor, weil einheimische Marken wie Xiaomi schon mit High-end zum Schnäppchenpreis aufwarten. So sieht es der UBS-Analyst Steven Milunovich, der von 'ZDNet.com' zitiert wird.
 
Halb so teuer
Xiaomi ist derzeit auch deswegen in aller Munde, weil das 2010 von Business Angel und CEO Lei Jun sowie von ehemaligen Microsoft-, Google- und Motorola-Managern gegründete Unternehmen bereits auf dem Sprung nach Europa ist. Wie Lei in dem Video zum Produktlaunch des Xiaomi M2 am 16. August stolz verkündete, ist sein Unternehmen innerhalb von neun Monaten seit September 2011 auf Platz 5 in China aufgerückt. Japans Nomura Holdings zufolge wird der taiwanische Konkurrent HTC wegen des für umgerechnet rund 300 Franken angekündigten Xiaomi M2 möglicherweise gezwungen sein, die Preise für Mid-Range-Modelle in China zu senken. Denn die entsprechenden Geräte der Top-Marken kosten in der Regel mindestens das Doppelte. Das iPhone 4S fängt zum Beispiel bei rund 750 Franken. Gleich viel kostet das Galaxy S III mit 16 GB ohne Vertrag.
 
Das besagte Xiaomi M2 kommt im Oktober 2012 mit einem 1,5-GHz-Quadcore-Prozessor von Qualcomm, 2 GB RAM, HD-fähigem 4,3-Zoll-Display, 8-Megapixel-Kamera hinten und eine mit 2 Megapixel vorne, Android 4.1, WiFi, Bluetooth 4.0, DC-HSDPA+ und vielem mehr - alles Features, die man bei dem Preis nicht erwarten würde und sonst meist nur Highend-Smartphones zieren.
 
China hat Riesenpotenzial
Wie UBS-Analyst Milunovich sagt, liege die Smartphone-Dichte in Nordamerika und Westeuropa bei über 60 Prozent, das Wachstum habe sich aber auf 15 bis 20 Prozent verlangsamt. In Fernost (Asia Pacific) dagegen hätten Smartphones nur eine Marktdurchdringung von 30 Prozent, aber eine Wachstumsrate von 77 Prozent im ersten Quartal 2012. Nach UBS-Schätzungen hat sich der iPhone-Absatz in China innerhalb eines Jahres von 2 auf 8 Millionen Stück vervierfacht. 2012 werden es voraussichtlich 25 Millionen Stück sein bei einer iOS-Dichte von zehn Prozent in Beijing, Shanghai und Guanzhou (Canton). So weit so schön. Aber als Luxusmarke müssten die Chinesen für gewöhnlich für ein iPhone an ihre Ersparnisse gehen, so Milunovich. Ihm zufolge müssen städtische Mittelschichthaushalte dafür etwa 30 bis 45 Prozent des Jahreseinkommens hinblättern. Die Schmerzgrenze für den Lao Bai Xing (chinesischen Otto-Normal-Verbraucher) sieht Michael Clendenin von RedTech Advisors in Shanghai bei umgerechnet 120 bis 220 Franken. Laut IDC haben Smartphones für unter 200 Dollar im Vorjahr rund 40 Prozent des chinesischen Marktes bestritten, Geräte für über 700 Dollar dagegen nur elf Prozent.
 
Coolness verliert das Apple-Handy laut UBS-Mann Milunovich deshalb nicht nur an Samsungs Galaxy S, sondern auch an Huawei und eben an kleine Hersteller wie Xiaomi, Gionee und Meizu Technology. Hinzu kommt, dass Apple (noch) keine Verträge mit Chinas grösstem Betreiber hat. Dabei zählte China Mobile im Juli schon über 688 Millionen Kunden im Reich der Mitte. Ein Problem bisher war der fehlende Support von Chinas Quasi-Standard TD-SCDMA (Time Division Synchronous Code Division Multiple Access). Aber obwohl das kommende iPhone 5 diesen bieten soll, rechnet Milunovich nicht damit, dass China Mobile und Apple bald zu einer Allianz finden werden, jedenfalls nicht, bevor der chinesische Riese eine LTE- oder 4G-Lizenz hat, was erst 2014 der Fall sein soll.
 
Wachstumstreiber Billigmarken
Samsung hat mit dem Galaxy S zwar ähnlich teure Geräte wie das iPhone, hat im ersten Quartal laut Gartner in China aber 19,2 Prozent des Smartphone-Marktes eingenommen, Apple dagegen "nur" 17,3 Prozent. Gartner-Analystin Sandy Shen zufolge wird das Apple-Betriebssystem iOS bis 2016 auf Platz 3 in China hinter Googles Android und Microsofts Windows Phone zurückfallen. Gartner und IDC gehen davon aus, dass China mit 140 Millionen verkauften Geräten in diesem Jahr bereits den der USA als grössten Smartphone-Einzelmarkt abhängen könnte.
 
Wachstumstreiber dort sind im Wesentlichen ZTE, Lenovo, Xiaomi, Meizu und Co. Die Meizu-Geräte werden in westlichen Technologie-Blogs für ihre High-end-Features zu Schnäppchenpreisen gelobt, kosten sie in China und Hongkong doch nur etwa umgerechnet 220 Franken. Netzwerkriesen wie Alibaba, Shanda Interactive und Baidu unterbieten das Ganze sogar noch. So hat Baidu ein Smartphone für 135 Franken auf den Markt geworfen, Alibaba sogar ein wasserdichtes Modell für 150 Franken. Technologiepartner für Alibaba ist übrigens Haier Electronics, laut Wikipedia mit 7,8 Prozent Weltmarktführer für Haushaltsgeräte, im Westen auch als TV-Anbieter bekannt, in China seit vielen Jahren auch eine grosse Nummer im PC- und Handy-Business. Im hart umkämpften chinesischen Smartphone-Markt will jeder mitmischen. (Klaus Hauptfleisch)
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