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Montag, 27.08.2012
Apple vs. Samsung: Das Fazit nach der ersten Schlacht

Apple vs
Das erste wirklich wichtige Gerichtsurteil im Kampf zwischen Apple und der Android-Welt begünstigst den iPhone-Hersteller aus Cupertino. Doch das letzte Wort ist nicht gesprochen und am Ende könnte der Sieger Microsoft heissen.
 
In der Patentschlacht zwischen den beiden Mobilfunkriesen Apple und Samsung hat ein Gericht am Freitag ein entscheidendes Urteil gefällt: Samsung habe Design-Patente des iPhone und des iPad verletzt und müsse 1,05 Milliarden Dollar Schadenersatz bezahlen. Samsung hat sofort Berufung eingelegt, doch die Börsianer haben den südkoreanischen Konzern trotzdem abgestraft: Samsung verlor heute Morgen 12 Milliarden Dollar an Börsenwert.
 
Was das Urteil für die Mobilfunkindustrie bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander. Viele Beobachter bezeichnen Google in seiner Funktion als Hersteller des Betriebssystems Android als wahren Verlierer, denn Samsung und womöglich alle anderen Smartphone-Hersteller aus dem Android-Lager werden wohl künftig gezwungen sein, das Design zu ändern. Das kostet in erster Linie Geld, könnte aber durchaus zu Innovationen führen. Google beeilte sich gestern allerdings zu betonen, dass die Kernelemente von Android nicht von diesem Schuldspruch betroffen seien. Allerdings weiss der Internetkonzern sehr genau, dass er die erste grosse Schlacht im Krieg gegen Apple verloren hat. Nicht von ungefähr hat Google in den letzten Jahren sein Patentportfolio massiv aufgestockt.
 
RIM und Microsoft als Gewinner?
Wo Verlierer sind, sind auch Gewinner, allen voran natürlich Apple. Apple-CEO Tim Cook zeigte in einer internen Mitteilung Genugtuung über den vorerst gewonnen Patentstreit. Der Tenor bei Apple lautet: Erfindungen kopieren ist nicht innovativ. Der vor Jahresfrist verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs wurde in seiner Biographie mit der Aussage zitiert, er sei bereit, einen "thermonuklearen Krieg" auszulösen, um Android zu zerstören. Dieses Gerichtsurteil ist für den noch nicht lange amtierenden CEO Cook nun ein wichtiger Etappensieg.
 
Das Gerichtsurteil liess aber auch andere Mobilfunk-Akteure jubeln, und zwar jene ausserhalb der Apple- und Android-Welt. Denn die kriselnden Smartphone-Hersteller RIM (BlackBerry) und Nokia sehen sich jetzt in einer vorteilhaften Position: Das BlackBerry-Betriebssystem - sowohl das bestehende als auch die kommende Version 10 - unterscheidet sich deutlich von Apples iOS und auch die RIM-Hardware erinnert nicht unbedingt an das Apple-Design.
 
Auch Nokia hat sich für einen eigenen Design-Weg entschieden und setzt mit Windows Phone auf ein zwar noch sehr junges Betriebssystem, das aber dank der Marktmacht von Microsoft Potenzial birgt. Hersteller wie etwa HTC, Sony oder LG könnten versucht sein, künftig eher auf Windows Phone statt auf Android zu setzen und so könnte es tatsächlich eintreffen - wie von IDC jüngst prophezeit - dass Windows Phone bis 2016 iOS überholt. So würde sich die Geschichte wiederholen: Bereits zu Beginn des PC-Zeitalters Anfang der Achtzigerjahre sorgte Apple erst mit dem Macintosh für Aufsehen, worauf Microsoft das Betriebssystem Windows lancierte und wenig später den grössten Teil des Marktes dominierte. In der schnelllebigen Technologiewelt bleibt aber alles offen und schon das nächste Gerichtsurteil könnte diese Sicht wieder ins Wanken bringen.
 
Wer kopiert von wem?
Obwohl objektiv betrachtet zumindest einige Designs von Apple (selbst von Läden) tatsächlich durch Samsung abgekupfert scheinen, verweisen einige Beobachter auf die Banalität der Patente, etwa für ein "Rechteck mit abgerundeten Ecken". Wie sonst soll man ein Tablet bauen, wenn nicht mit runden Ecken? Über Sinn und Unsinn von Technologie-Patenten lässt sich nach dem jüngsten Gericht weiter streiten.
 
Ausserdem ist in diesem Zusammenhang zu betonen, dass sich auch Apple in der Vergangenheit von anderen zumindest inspirieren liess. So war die Verwendung der Computermaus in den Achtzigerjahren eine Idee von Xerox, die später aber von Apple erfolgreich aufgegriffen wurde. Und auch viele von Apple-Chefdesigner Jonathan Ive kreierten Geräte, etwa das iPod, sind klar von der Firma Braun und von Dieter Rams inspiriert - manche sagen abgekupfert. Wo die Grenze zwischen Inspiration und Plagiat verläuft, vermag auch das jüngste Urteil nicht zu klären. (Maurizio Minetti)
 
Illustration: inside-it.ch
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Kommentare:
Thomas Schreiber 27.08.2012 21:07 Vor mehr als 10 Jahren gab es den Monec Voyager aus Bern: damals hatte Apple noch nichts gleichwertiges im Sortiment.
Wie so oft war eine Schweizer Firma der Zeit (zu viel) voraus und konnte sich am Markt nicht durchsetzen. Andere "erfinden" dann etwas vergleichbares....
Ernst Markus 28.08.2012 09:26 "Über Sinn und Unsinn von Technologie-Patenten lässt sich nach dem jüngsten Gericht weiter streiten." - Tolles Wortspiel, und wie wahr! ;-)
 
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