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Donnerstag, 30.08.2012
Julius Bär: Erst integrieren, dann migrieren

"Ein 12-Zylinder-Mercedes, der noch 500'000 Kilometer machen kann."
 
Vor ziemlich genau einem Jahr beschloss die Bank Julius Bär, den Entscheid für die Einführung eines Standard-Kernbankensystems zu verschieben (inside-it.ch berichtete exklusiv). Dies obwohl das bestehende, auf einem IBM-Grossrechner basierende System als teuer und veraltet gilt. Dass der Entscheid, am bestehenden System vorläufig festzuhalten, richtig war, hat sich in den letzten Wochen gezeigt. Julius Bär übernimmt das Vermögensverwaltungsgeschäft der US-Grossbank Merrill Lynch ausserhalb der USA und wird dieses nun in seine IT-Systeme integrieren müssen. Gleichzeitig ein Projekt für die Einführung einer neuen Kernbanken-Lösung zu stemmen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.
 
Bär-CEO Boris Collardi ging an einer Pressekonferenz am 13. August detailliert auf die IT-Systeme der Bank und ihre Zukunft ein - auch im Zusammenhang mit der Übernahme der Merrill-Lynch-Kunden. Seine Aussagen, deren Transkription uns vorliegt, sind interessant.
 
Die Bank schätzt die Kosten der Integration des Privatkunden-Business' von Merrill Lynch auf etwa 400 Millionen Franken, wovon 20 Prozent, also etwa 80 Millionen Franken auf Informatik entfallen werden. Die Kosten entstehen, weil in der Transaktionsphase zwei IT-Plattformen parallel betrieben werden müssen und aufgrund der Migrationskosten und dem nötigen Ausbau der Systeme von Julius Bär.
 
"Unsere Informatik ist kein Desaster"
Wie Collardi an der Medienkonferenz sagte, besitzt Julius Bär eigenständige Informatik-Systeme nicht nur am Zürcher Hauptsitz sondern auch in Hongkong und Singapur sowie in Deutschland. Die meisten der nun übernommenen Assets von Merrill Lynch werden gemäss Collardi in die Systeme in Hongkong und Singapur eingebucht. Die dortigen Systeme seien in der Lage, das zusätzliche Volumen, das zudem nicht auf einen Schlag hinzugefügt wird, zu verarbeiten, so Collardi. Zudem wird das IT-System der grossen Privatbank in Deutschland ausgebaut. Auf ihm werden die Daten der neuen Bär-Kunden aus Europa verarbeitet. Die Informatik-Plattform in Zürich wird deshalb nur relativ geringe zusätzliche Volumina zu verarbeiten haben, so Collardi.
 
Der Bär-CEO wies einmal mehr die Behauptung, die Informatik-Plattform der Bank sei völlig veraltet, zurück, ja es gebe sogar interne IT-Leute, die am liebsten bei der bestehenden Plattform bleiben würden. Collardi: "Es ist nicht wahr, dass unsere IT ein Desaster ist". Das jetzige System sei stabil und voraussagbar und lasse sich mit minimalem Aufwand ausbauen. Zudem sind die Kosten für den laufenden Betrieb tiefer als bei einer neuen Kernbankenlösung, betonte der Bank-Chef.
 
"Unsere IT-Plattform ist wie ein Zwölf-Zylinder-Mercedes, der bereits 500'000 Kilometer hat, aber noch weitere 500'000 Kilometer fahren kann", sagte Collardi.
 
Entscheid für neue Plattform ist gefallen
Während die Betriebskosten gemäss Collardi zwar relativ tief sind, ist allerdings klar, dass Erneuerungen für die alte, IBM-basierende Hostlösung teuer zu stehen kommen.
 
Collardi sagte denn auch, dass der Entscheid für eine neue Plattform "im Prinzip" gefallen sei: "Wir werden unsere Hostrechner in der Schweiz mit der Zeit in eine neue, globale Plattform überführen". Würde Julius Bär nicht das Vermögensverwaltungsgeschäft von Merrill Lynch ausserhalb der USA übernehmen, so hätte man das Migrationsprojekt bereits jetzt in der zweiten Jahreshälfte 2012 gestartet, sagte der Bank-Chef. Nun werde man Vorarbeiten in die Hand nehmen und das bestehende System um bestimmte Funktionen erweitern. Das globale neue IT-System werde dann aber erst ausgerollt, wenn die Integration des Merrill-Lynch-Business abgeschlossen sei.
 
Für welches Kernbankensystem sich Bär entschieden hat, sagte Collardi nicht. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass es wohl Avaloq sein wird. (Christoph Hugenschmidt)
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Kommentare:
Rudolf Elmer 30.08.2012 22:48 Die Bär-IT-Plattform war bereits 2001 höchst problematisch und man wundert sich, dass nun behauptet wird, der Mercedes könne nochmals die gleiche Strecke von 500'000 km fahren. 2001 war das Mainframe bereits 25 Jahre alt!
jarvis peter 01.09.2012 19:07 Well, the story about the Mercedes may even be true, but where do we find today such Mercedes? In the third world...anyway everything is a question of positioning or a matter of incompetence…
 
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