2,6 Milliarden Franken Sparpotential für Schweizer Handykunden

Nur Drei von Hundert benützen laut comparis.ch das für sie passendste Angebot.
 
Mobilfunkanbieter lancieren dauernd neue, jeweils für manche Kunden günstigere Angebote. Wenn nun aber alle Schweizer Handybenützerinnen und -benützer auch tatsächlich auf das für sie jeweils günstigste Angebot wechseln würden, würden bei besagten Anbietern allerdings alle Alarmglocken losgehen – und zwar extrem laut. Gemäss einer Schätzung von comparis.ch könnten Schweizer Handyuser dieses Jahr rund 2,6 Milliarden Schweizer Franken sparen, wenn sie geschlossen auf das für sie preislich beste Angebot wechseln würden.
 
Anders gesagt: Den Anbietern würden damit rund ein Drittel ihrer Mobilfunk-Gesamtumsätze flöten gehen. Diese dürften gegenwärtig bei rund 7 bis 8 Milliarden Franken pro Jahr liegen. Laut den aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Kommunikation machten alle Fernmeldedienstanbieter zusammen im Jahr 2011 einen Umsatz von 5,07 Milliarden Franken mit Mobilfunkdiensten (3,9 Prozent mehr als 2010). Dazu muss man noch einen (uns) unbekannten Anteil der 3,27 Milliarden Franken Interkonnektionsertrag rechnen.
 
comparis.ch stützt seine Schätzung auf eine Online-Befragung von mehr als 5000 Handybesitzern im letzten November. Die detaillierten Angaben dieser Personen stellte comparis.ch in Relation zu den günstigsten Angeboten, um daraufhin das
Sparpotenzial auf alle Privatkunden hochzurechnen.
 
Laut comparis.ch benützt nur 3 Prozent der Befragten das für sie günstigste Angebot. Das Gesamtsparpotential ist laut dem Preisvergleichsdienst gegenwärtig auf dem zweithöchsten Stand seit 2005. Der Hauptgrund dafür seien Preissenkungen beziehungsweise neue Tarifmodelle der grössten Anbieter, die ein "Erdbeben ausgelöst" hätten. comparis.ch nennt in dieser Beziehung insbesondere die neuen Flatrates (Infinity, Sunrise 24) von Swisscom und Sunrise sowie das neue Prepaid-Angebot Easy Smart von Swisscom. (Hans Jörg Maron)
 
Unser Kommentar: Zu ihrem Glück müssen die Mobilfunkanbieter wohl auch 2013 nicht mit einem massenhaften Wechsel der Handykunden auf günstigere Angebote rechnen. Das "Sparpotential" liesse sich nur realisieren, wenn sie jeweils viele Stunden Freizeit opfern würden, um das eigene Kommunikationsverhalten zu analysieren und dann die komplizierten Verträge der Anbieter zu durchforsten. Trotzdem ist es anregend, sich die Folgen auszumalen. Eine überstürzte Flucht von Orange, Sunrise (Swisscom dürfte ja nicht) und sämtlichen "virtuellen" Anbietern aus der Schweiz? Oder (wohl viel eher): Noch kompliziertere Angebote?