Swisscom bringt (indirekt) Digital-TV auf Android-Basis

Das neue TV-Angebot von M-Budget basiert auf einer Android-Plattform, die von der Swisscom-Tochter WinGo bezogen wird.
 
Per 2. April bietet Migros über M-Budget auch ein Digital-TV-Angebot an - und zwar zu einem sehr tiefen Preis. Das Komplettangebot mit Internet (5'000 kBit/s inkl. WLAN-Router), Digital-TV (120 Sender), Festnetz- und Mobiltelefonie gibt es bereits ab 64.80 Franken im Monat. Oder, wie der 'Blick am Abend' vor einer Woche schrieb: M-Budget-Kunden, die 54.80 Franken im Monat für den Internet-Anschluss bezahlen, können für zusätzliche 5 Franken pro Monat digital fernsehen. M-Budget weist darauf hin, dass Kunden dafür "weder einen Kabelfernsehanschluss noch den Festnetzanschluss von Swisscom" brauchen.
 
Die unbekannte Tochter: WinGo
Die Angebote von M-Budget basieren bekanntlich auf Swisscom. Genau genommen ist zwischen Swisscom und M-Budget allerdings noch ein weiteres Unternehmen zwischengeschaltet: WinGo mit Sitz in Fribourg. Die von Swisscom 2010 in aller Stille gegründete Tochter dient dazu, die Festnetzprodukte von M-Budget bereitzustellen. Dieses Konstrukt sei notwendig, weil der Festnetzmarkt reguliert sei und man so das Vorleistungsprodukt von Swisscom transparent abgrenze, erklärt Swisscom auf Anfrage. WinGo selbst biete aber keine eigenen Produkte an. WinGo taucht zwar im Geschäftsbericht von Swisscom auf und ist beim Bundesamt für Kommunikation auf der Liste der Fernmeldedienstanbieter aufgeführt, doch dürfte der Name in der Bevölkerung praktisch unbekannt sein - was auch im Sinne von Swisscom ist.
 
Settop-Box mit Android
Ebenfalls relativ unbekannt ist, dass das neue TV-Angebot von M-Budget auf Android basiert. Vergangene Woche hat der türkische Settopbox-Hersteller Vestel an der Veranstaltung TV Connect in London das auf Android basierende Digitalfernsehen von WinGo vorgestellt. WinGo, sprich Swisscom, ist einer der ersten Betreiber weltweit, die diese Lösung von Vestel anbieten. In einer Medienmitteilung lässt sich WinGo-CEO Jean-Louis Mathez mit der Aussage zitieren, dass diese Wahl "längerfristig die Kundenerfahrung mit Digitalfernsehen radikal verändern" dürfte. Tatsächlich scheint das Potenzial gross, falls der Zugriff auf Android-Apps am Fernsehen benutzerfreundlich gelöst ist und diese Möglichkeit bei Kunden ankommt.
 
Swisscoms eigenes Digital-TV basiert auf Microsoft Mediaroom. Zwar gibt es dafür auch Apps und ähnliche Dienstleistungen, doch Android dürfte aufgrund der Verbreitung der Smartphones und Tablets grösseres Potenzial für künftige Smart-TV-Angebote haben. Ist das Angebot von M-Budget also eine Art Testlauf für Swisscom? "Nein", sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. "Aber wir beobachten natürlich, wie stabil und flexibel die Plattform ist und ob wir bestimmte Facetten auch für Swisscom TV einsetzen können", so Schulze. (Maurizio Minetti)