Nur noch Cloud: Adobe verabschiedet sich vom Softwareverkauf

Nach der Creative Suite 6 wird es keine "Schächteli" oder Downloads mehr geben, nur noch die Creative Cloud im Abonnement.
 
Adobe hat gestern Abend an einer Kundenkonferenz in Los Angeles eine Bombe gezündet: Der Softwarehersteller will sein Kernprodukt, die "Creative Suite" und deren Einzelprodukte wie Photoshop, Illustrator, InDesign, Dreamweaver und Co. in Zukunft nur noch als Cloud-Service im Abonnement anbieten und weiterentwickeln. Einen klassischen Verkauf in Form von Boxen im Retail oder Downloads mit permanenten Lizenzen soll es nicht mehr geben. Die Creative Suite 6 wird zwar noch bis auf weiteres in dieser Form vertrieben und auch der Support dafür wird aufrecht erhalten. Weiterentwickelt wird die Software aber nur noch für Adobes erst vor einem Jahr lancierte Creative Cloud.
 
Adobe hatte zwar schon vor zwei Monaten angekündigt, statt Softwareboxen nur noch Downloads anbieten zu wollen, eine dermassen weitgehende Änderung der Vetriebsstrategie hatte man aber noch nicht erwartet. Adobe ist der erste grosse Softwarehersteller, der auschliesslich auf Abonnemente setzen will.
 
Adobe wagt sich damit weit auf die Äste hinaus. Die Creative Suite und ihre Produkte machen knapp zwei Drittel des gesamten Adobe-Umsatzes aus. Der Softwarehersteller wettet seine Zukunft darauf, dass die grossen Mehrheit der Kunden die neue Form des Softwarebezugs akzeptieren. Dafür gibt es Anzeichen: Laut Adobe existieren gegenwärtig etwas mehr als 500'000 Creative-Cloud-Abonnements, und wöchentlich kommen rund 12'000 neue hinzu. Aber viele Kunden bevorzugen auch weiterhin den Softwarekauf. Zuletzt stammte noch immer knapp zwei Drittel des Adobe-Umsatzes im "kreativen" Bereich aus dem klassischen Lizenzverkauf.
 
Um seinen Kunden den Sprung in die Wolke zu versüssen, lockt Adobe weiterhin mit Creative-Cloud-Rabatten von rund 40 Prozent für Besitzer von bisherigen Creative-Suite-Versionen.
 
Zudem hat Adobe einen Update der Creative Cloud angekündigt, der ab Juni erhältlich sein soll. Dieser wird neue Versionen der einzelnen Applikationen beinhalten und soll die Integration der Einzelprodukte sowie die Zusammenarbeitsmöglichkeiten von Abonnenten weiter verbessern. (Hans Jörg Maron)