Im Reisswolf: Mobile Frust statt mobile first

Eher früher als später wird es mehr mobile Geräte als stationäre Computer geben. Trotzdem wird Mobile von vielen Internet-Akteuren noch immer stiefmütterlich behandelt, findet Kolumnist Peter Wolf.
 
Noch mögen wir zur Minderheit gehören, aber bald, sehr bald wird es weniger Computer auf dem Tisch als in der Hosentasche geben (sagt mehr als nur ein Beratungsunternehmen). Und spätestens dann wird man uns mobile Surfer hoffentlich nicht mehr mit aufgewärmten Inhalten aus dem Desktop-Internet abspeisen.
 
Was mich als mobilen Internet-Nutzer zum Beispiel immer wieder ärgert:
  • Wenn man mir irgendwo unterwegs eine URL aufs Auge drückt (etwa via Plakat oder Werbung im Tram) und die dann angesurfte Webseite riesig ist und der Text entsprechend klein und die Spalte womöglich auch noch so breit, dass ich zuerst hineinzoomen und dann hin und her wischen muss, um den Text überhaupt lesen zu können.
  • Wenn ich dann ein Formular ausfüllen soll,
bei dem ich nur entweder die Feldbeschriftung sehe oder das Feld, in das ich etwas eingeben soll. Aber nie beides gleichzeitig (wie wäre es, wenn man das Eingabefeld oben statt daneben beschriften würde?).
  • Wenn ein Feedbackformular zuerst Dutzende von Angaben verlangt (Schuhgrösse, Blutgruppen der Eltern, Telefonnummer des Stromzählers, Alter der Haustiere) - und mir dann aber schlussendlich ein Texteingabefeld zugesteht, in dem ich knapp 3 Zeilen aufs Mal sehe und so dauernd hoch und runter wischen muss, um meine Eingabe auf Tippfehler und Konsistenz überprüfen zu können.
  • Oder generell wenn jemand Eingabefelder baut, die nicht automatisch die richtige Tastaturbelegung aufrufen. Es ist ja möglich, dem Benutzer gleich die Zahlentastatur aufs Display zu zaubern, wenn er eine Postleitzahl oder Telefonnummer eingeben soll, statt ihn zu zwingen, selber die Belegung umzuschalten.
Noch kann man sowas ja mit uns machen. Besser aber wäre es, statt für mobile User einfach das stationäre Internet zu verkleinern, jetzt schon anzufangen, alles für Smartphone- und Tablet-Displays zu kreieren und den wenigen Benutzern, die das dann noch auf dem grossen Monitor haben wollen, eine aufgeblasene Version zu präsentieren.
 
Andererseits: vielleicht mache ich mir auch zu grosse Hoffnungen, wenn noch nicht mal grosse Smartphone-Hersteller ihre Seiten grossartig Mobile-tauglich machen. Haben Sie schon mal versucht, sich www.apple.ch auf einem iPhone anzusehen? (Peter Wolf)

Peter Wolf (48) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
 
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch